Pfortader

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. November 2016
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Die Pfortader transportiert sauerstoffarmes aber nährstoffreiches Blut aus dem Magen-Darm-Bereich in die Leber, wo mögliche Giftstoffe metabolisiert werden. Erkrankungen der Pfortader können die Entgiftungsleistungen der Leber stark beeinträchtigen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Pfortader?

Allgemein sind Pfortadern Venen, welche venöses Blut von einem Kapillarsystem in ein anderes Kapillarsystem transportieren. Säugetiere besitzen zwei Pfortadersysteme, die Leberpfortader und die Hypophysenpfortader.

Die umgangssprachliche Bezeichnung der Pfortader bezieht sich jedoch ausschließlich auf die Vena Portae (Leberpfortader). Sie hat die Funktion, sauerstoffarmes (venöses) aber nährstoffreiches Blut aus dem Magen-Darm-Trakt in die Leber zu transportieren. Dazu sammelt sie das Blut aus den Organen des Gastrointestinaltraktes, leitet es weiter an die Leber und teilt es dort wieder in einem Kapillarsystem auf.

In den Kapillaren der Leber wird das venöse Blut mit arteriellem (sauerstoffreichem) Blut aus der Leberarterie (Arteria hepatica propria) vermischt und zur Aufbereitung der Nährstoffe durch die Leber geleitet. Nach dem Abbau von Giften gelangt das Blut wieder in den großen Blutkreislauf. Der Pfortaderkreislauf ist also ein Umgehungskreislauf, der eine Abzweigung vom großen Kreislauf darstellt. Manche Stoffe durchwandern den Pfortaderkreislauf über den Enterohepatischen Kreislauf mehrmals.

Anatomie & Aufbau

Die Pfortader ist horizontal hinter der Bauchspeicheldrüse gelegen und verläuft nach rechts oben im Ligamentum hepatoduodenale (Verbindung von Leber mit Zwölffingerdarm). Von dort gelangt sie in die Leberpforte. Sie stellt einen Zusammenschluss mehrerer Venen aus dem Magen-Darm-Trakt dar. Dabei sammelt sie Blut aus den Magenvenen, der Vene des Magenpförtners (Vena pylorica), der Vene der Gallenblase (Vena cystica), dem Venennetz des Bauchnabels (Venae paraumbilicales), der oberen Darmvene ( Vena mesenterica superior), der unteren Darmvene (Vena mesenterica inferior) und aus der Milzvene (Vena splenica).

Dabei ist der Zusammenfluss (Confluens) aus der Milzvene (Vena splenica) und der oberen Darmvene (Vena mesenterica superior) der eigentliche Beginn der Leberpfortader. Nachdem die Pfortader die Leberpforte passiert, teilt sie sich jeweils in einen Ast zum rechten und einen zum linken Leberlappen. Danach erfolgt eine weitere Aufteilung in kleinere Äste, die das Kapillarsystem bilden. Von den einzelnen Leberabschnitten wird das Blut dann über die Lebervenen in die untere Hohlvene und von dort in die rechte Herzvorkammer geleitet. Dabei gehört Letzteres nicht mehr zum Pfortadersystem.

Funktion & Aufgaben

Der Pfortaderkreislauf ist nicht direkt in den großen Blutkreislauf eingebunden, sondern stellt einen Nebenzweig dar. Allerdings sorgt dieser Nebenkreislauf für die Leberpassage des Blutes. Im Rahmen dieses Systems gelangen die im Darm aufgenommenen Nährstoffe in die Leber. Gleichzeitig baut die Leber auch die in den Körper gelangten Gifte ab. Erst nach der Entgiftung und der Aufbereitung der Nährstoffe wird das Blut wieder an den großen Blutkreislauf abgegeben.

Von dort werden die aufbereiteten Nährstoffe in den entsprechenden Zielorganen aufgenommen. Der Pfortaderkreislauf umfasst auch den Enterohepatischen Kreislauf. Manche Stoffe werden in der Leber nicht vollständig abgebaut und können über die Galle wieder in den Darm gelangen. Von dort werden diese Substanzen erneut über die Pfortader in die Leber transportiert und weiter verstoffwechselt. Dabei durchwandern manche Substanzen diesen Kreislauf mehrmals, bis sie teilweise oder vollständig abgebaut sind. So können einige Medikamente nicht oral eingenommen werden, weil sie ihre Wirksamkeit durch den Abbau in der Leber verlieren würden.

Bei anderen Wirkstoffen wird die Wirksamkeit verringert, weil sie nur zum Teil in den großen Blutkreislauf gelangen. Dieser sogenannte First-Pass-Effekt (erstmalige Leberpassage des Wirkstoffs) hat Auswirkungen auf die Dosierung oder gar auf die Form ihrer Verabreichung. Der First-Pass-Effekt ist von der Leberfunktion und den chemischen Eigenschaften der Arzneimittel abhängig und kann durch parenterale Verabreichung (durch Infusion) umgangen werden.

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Krankheiten

Bekannte Erkrankungen der Pfortader sind der Pfortaderhochdruck und die Pfortaderthrombose. Beim Pfortaderhockdruck handelt es sich um eine Erhöhung des Blutdruckes in der Pfortader. Dabei kommt es zu Abflussstörungen und das Blut staut zurück. Unter Umgehung des Pfortaderkreislaufes fließt das Blut nun über die Venen der Speiseröhre oder des Magens ab.

Die Folge davon sind Magenentzündungen (Stauungsgastritis), Verdauungsstörungen, Milzvergrößerungen, Ösophagusvarizen (Krampfadern der Speiseröhre) oder Caput medusae (Bauchnabelkrampfadern). Außerdem kann es zu einer Aszites (Flüssigkeitsansammlung im Bauraum) kommen. Die Ursachen dieser Erkrankung sind vielfältig. Sie kann unter anderem neben Lebererkrankungen, wie einer Leberzirrhose, auch durch Verschlüsse in der Pfortader (Pfortaderthrombose) hervorgerufen werden. Eine Pfortaderthrombose stellt einen Verschluss der Pfortader durch ein Blutgerinnsel dar.

Je nach Ausmaß der Thrombose kann die Krankheit völlig unbemerkt verlaufen oder die typischen Symptome eines Pfortaderhochdruckes zeigen. Dabei können Ösophagusvarizen, Magenentzündungen, Milzvergrößerung oder Aszites auftreten. Aufgrund der Besonderheit des Pfortaderkreislaufes besteht jedoch keine Gefahr einer Lungenembolie. Sowohl der Pfortaderhochdruck als auch die Pfortaderthrombose können eigenständige aber auch Folgeerscheinungen anderer Erkrankungen sein. Als Ursachen sollten beispielsweise Bauchspeicheldrüsenerkrankungen, Lebererkrankungen oder Blutgerinnungsstörungen in Betracht gezogen werden.

Da die Pfortadern auch Parasiten transportieren können, sind unter anderem parasitäre Erkrankungen durch den Fuchsbandwurm (Alveoläre Echinokokkose) oder durch Leberegel möglich. Manche Erreger können sogar über die Gallenblase oder das Blut in andere Körperorgane wandern. Eine geburtsbedingte Erkrankung stellt der sogenannte persistierende Ductus venosus dar. Hier bleibt die Verbindung zwischen Pfortader und unterer Hohlvene bestehen, sodass die im Darm aufgenommenen Gifte direkt in den großen Blutkreislauf gelangen können. Die eingeschränkte Lebenserwartung macht hier einen chirurgischen Eingriff erforderlich.

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