Persistierender Ductus arteriosus

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 13. Juni 2017Geprüfte Qualität
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Als persistierender Ductus arteriosus wird das postnatale Offenbleiben der Verbindung zwischen Aorta und Pulmonalarterie bezeichnet. Eine ehestmögliche Diagnose und angemessene Therapie verhindert Komplikationen wie schlimmstenfalls den Tod des Neugeborenen. Bei einem erfolgreichen und vollständigen Verschluss ist mit keinen weiteren Komplikationen zu rechnen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein persistierender Ductus arteriosus?

Der persistierende Ductus arteriosus bezeichnet einen Herzfehler des neugeborenen Kindes. Pränatal besteht eine Verbindung zwischen Aorta und Pulmonalarterie, wodurch der Lungenkreislauf des Ungeborenen umgangen wird (Rechts-Links-Shunt). Normalerweise sorgt ein postnataler Sauerstoffanstieg im Blut für eine Kontraktion und anschließende Rückbildung der Verbindung.

Dies sollte innerhalb der ersten drei Tage nach der Geburt geschehen. Bei etwa 30 Prozent aller vor der 31. Schwangerschaftswoche geborenen Säuglinge ist dies nicht der Fall. Bleibt der Ductus offen, kommt es zu einer Shuntumkehr (Links-Rechts-Shunt). Ein persistierender Ductus arteriosus besteht, wenn die Verbindung länger als drei Monate nach der Geburt offen bleibt.

Der persistierende Ductus arteriosus macht fünf bis zehn Prozent aller angeborenen Herzfehler aus und tritt oft in Kombination mit anderen Herzfehlern auf. Weibliche Neugeborene sind zwei- bis dreimal häufiger betroffen als männliche.

Ursachen

Die Ursache des persistierenden Ductus arteriosus ist ungeklärt. Es zeigt sich allerdings ein gehäuftes Auftreten bei Frühgeborenen, vor allem bei niedrigem Geburtsgewicht, außerdem bei perinatalem Sauerstoffmangel sowie Geburten in großer Höhe. Auch eine Asphyxie, also ein drohender Erstickungszustand durch das Absinken des Sauerstoffgehalts bei gleichzeitigem Rückhalt von Kohlendioxid, kann zu einem Offenblieben des Ductus führen.

Manche Kinder passen ihre Atmung nach der Geburt nicht spontan den veränderten Umständen an, was als respiratorische Anpassungsstörung bezeichnet wird. Eine weitere Ursache kann in Chromosomenaberrationen wie Trisomie 21 oder Trisomie 18 liegen. Im Zuge einer Rötelnembryopathie, bei der das Röteln-Virus von der Mutter auf den Fetus übertragen wird, kann der Ductus ebenfalls offen bleiben. Ein familiär gehäuftes Auftreten ist üblicherweise nicht der Fall.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome hängen von der Größe des Shunts ab. Ein kleiner Durchgang bleibt in der Regel frei von Symptomen. Bei größerem Gang ist bei Auskultation ein typisches Herzgeräusch hörbar, welches im linken oberen Thorax am deutlichsten ist. Darüber hinaus kommt es zu Belastungsdyspnoe, Tachykardie, Atembeschwerden, Zyanose, Erschöpfung und geringem Wachstum sowie Apnoe und Bradykardie bei Frühgeborenen.

Im Extremfall können rezidivierende Atemwegsinfekte, stauungsbedingte Herzinsuffizienz oder bei älteren Menschen Ductusverkalkungen und Aneurysmata auftreten. Eine weitere Komplikation liegt in einer Entzündung der Herzinnenhaut oder der Arterien, welche zu septischen Embolien und Lungenabszessen führen kann.

Ein symptomloser Verlauf hat zwar eine gute Prognose, birgt aber das lebenslange Risiko einer Endokarditis. Ein großer Gang kann Lungenhochdruck sowie eine irreversible Veränderung der Lungengefäße mit sich bringen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Diagnostisch gibt es mehrere Möglichkeiten. Eine pränatale Diagnose ist nicht möglich, da der Ductus bei allen Ungeborenen offen steht. Bei Verdacht auf persistierenden Ductus arteriosus kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz. Bei einer Pulsmessung kann ein Pulsus celer et altus als Zeichen einer großen Blutdruckamplitude hinweisend sein. Die typischen, permanenten Herzgeräusche sind bei Auskultation deutlich zu hören.

Je nach Druck- und Volumenbelastung sind im EKG Zeichen einer Hypertrophie des Herzens sichtbar. Eine Vergrößerung des linken Herzens ist bei großem Shunt auch im Thoraxröntgen zu sehen. Das Echokardiogramm sowie die Untersuchung mittels Herzkatheter können den Ductus und begleitende Anomalien darstellen. Differentialdiagnostisch sind arterio-venöse Fisteln, ein Ventrikel-Septumdefekt sowie eine periphere Pulmonalstenose auszuschließen.

Behandlung & Therapie

Eine frühzeitige Diagnostik und Therapie ist vor allem bei Frühgeborenen und Neugeborenen mit niedrigem Gewicht unabdingbar, da bei diesen aufgrund der hämodynamischen Instabilität sowohl Komorbidität als auch Mortalität wesentlich höher sind. Ein persistierender Ductus arteriosus sollte immer verschlossen werden, um das Risiko einer Endokarditis zu minimieren.

Die Therapie des persistierenden Ductus arteriosus erfolgt auf unterschiedliche Weise. Medikamentös kann mit Prostaglandinsynthesehemmern behandelt werden. Diese dürfen auf keinen Fall während der Schwangerschaft verabreicht werden, da der Ductus pränatal unbedingt offen bleiben muss. Bei Frühgeburten kommt die medikamentöse Therapie in der Regel immer zum Einsatz. Dafür gibt es spezielle Präparate, welche bei Geburten vor der 34. Schwangerschaftswoche angewendet werden können.

Eine minimal-invasive Behandlungsmethode ist das Einbringen einer Spirale oder eines Schirms über Herzkatheter, welche den Ductus ebenfalls verschließen. Im Gegensatz zur medikamentösen Therapie kommt diese Methode eher bei älteren Kindern zum Einsatz.

Operativ ist eine Ligatur des Ductus möglich. Die Letalität liegt bei diesem Eingriff im Kindesalter bei ein Prozent, im Erwachsenenalter bei zwölf Prozent. Spontanverschlüsse des Ductus sind möglich. Ist der Verschluss erfolgreich, hat das Neugeborene dieselbe Prognose wie die Normalpopulation. Eine weitere Endokarditisprophylaxe ist für ein halbes Jahr sinnvoll, um das Ergebnis der Behandlung zu überprüfen. Anschließend sind keine Folgeuntersuchungen mehr notwendig.

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Vorbeugung

Eine Prophylaxe des persistierenden Ductus arteriosus ist während der Schwangerschaft nicht möglich, da der offene Ductus für die Entwicklung des Neugeborenen unabdingbar ist. Verschiedene Studien untersuchten die Wirksamkeit einzelner Medikamente, wobei kein signifikanter Unterschied festgestellt werden konnte.

Eine weitere Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen Phototherapie bei Frühgeborenen, welche auch bei Gelbsucht eingesetzt wird, und dem Offenbleiben des Ductus arteriosus. Es konnte allerdings keine eindeutige Wirksamkeit festgestellt werden. Da eine effiziente Prophylaxe sehr schwierig beziehungsweise unmöglich ist, sind die rechtzeitige Diagnose und Intervention umso wichtiger für die Gesundheit des Neugeborenen.

Bücher über Kinderkrankheiten

Quellen

  • Gortner, L., Meyer, S., Sitzmann, F.C.: Duale Reihe Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Kerbl, R. et al.: Checkliste Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2011
  • Sitzmann, F.C.: Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012

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