Perphenazin

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 30. Mai 2017
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Bei dem Wirkstoff Perphenazin handelt es sich um ein hochpotentes Neuroleptikum. Es dient zur Behandlung von Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Psychosen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Perphenazin?

Perphenazin ist Bestandteil der Arzneistoffgruppe der Phenothiazine. Entwickelt wurde der Wirkstoff in den 1950er Jahren. Auf den Markt gelangte er 1957 und wurde in Deutschland unter dem Handelsnamen Decentan® als Monopräparat vertrieben.

In der heutigen Zeit kommt Perphenazin seltener zur Anwendung, da mittlerweile modernere Neuroleptika zur Verfügung stehen.

Pharmakologische Wirkung

Seine Wirkung entfaltet Perphenazin in erster Linie bei Psychosen. Diese werden in den meisten Fällen durch Störungen im Stoffwechsel des Gehirns hervorgerufen. Es wird angenommen, dass diese Störungen für eine stärkere Erregbarkeit in verschiedenen Hirnbereichen verantwortlich sind. Durch diese aktiven Zentren werden zum Beispiel Unruhe, Ängste und Wahnvorstellungen hervorgerufen. Dabei nimmt der Neurotransmitter Dopamin eine bedeutende Rolle ein.

Perphenazin wird den Neuroleptika zugerechnet, die sich dämpfend auf das Nervensystem des Menschen auswirken. Er zählt zu den Phenothiazinen, die den Wirkeffekt klassischer Neuroleptika aufweisen. So nimmt der Arzneistoff Einfluss auf das Zusammenspiel der unterschiedlichen Nervenzellen sowie deren Verschaltungen. Dabei agiert Perphenazin als Gegenspieler zu Dopamin, dessen Bindungsstellen von ihm blockiert werden.

Perphenazin wirkt nicht nur stark, sondern auch schnell. Seine dopaminhemmende Wirkung sorgt für das Dämpfen von Symptomen, die durch eine Psychose entstehen, sowie von Nervosität und Unruhe. Tierversuche ergaben stärkere Effekte von Perphenazin als von Chlorpromazin. Die neuroleptische Wirkungsweise lässt sich mit Haloperidol vergleichen.

Gelangt Perphenazin in höherer Dosis zum Einsatz, werden außerdem die Botenstoffe Adrenalin und Histamin gehemmt, die das vegetative Nervensystem beeinflussen. Auf diese Weise lassen sich Bewegungsstörungen vermindern, die zu den Symptomen der schizophrenen Psychose zählen.

Darüber hinaus wirkt sich das Neuroleptikum auf den Botenstoff Acetylcholin aus. Dieser Neurotransmitter ist für das Bewegen der Muskeln von Bedeutung. Durch die Einwirkung von Perphenazin können Muskelzuckungen, die im Rahmen von psychotischen Schüben auftreten, reduziert werden.

Durch den Einfluss auf das Acetylcholin werden zudem die Aktivität des Darms sowie der Speichelfluss stimuliert. Aus diesem Grund gilt der Arzneistoff auch als wirksam gegen Übelkeit und Erbrechen.

Perphenazins Bioverfügbarkeit liegt bei 40 Prozent, während die Plasmahalbwertszeit zwischen 8 und 12 Stunden beträgt. Die Verstoffwechselung des Neuroleptikums findet über die Leber statt.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Haupteinsatzgebiet von Perphenazin ist die Behandlung von psychotischen Störungen wie akuten Psychosen. Dabei wirkt sich das Neuroleptikum lindernd auf starke Stimmungsschwankungen aus, die im Rahmen von Manien, Halluzinationen und Wahnvorstellungen auftreten. Diese kommen zumeist durch einen psychotischen Schub zustande.

Des Weiteren dient Perphenazin dazu, ausgeprägte Muskelzuckungen während eines akuten Schizophrenieanfalls zu lindern. So gehört die Schizophrenie zu den häufigsten Psychoseformen. Da das Neuroleptikum zudem über beruhigende Eigenschaften verfügt, lässt es sich auch gegen Nervosität verabreichen.

Ebenfalls zu den Anwendungsgebieten von Perphenazin gehören Übelkeit und Erbrechen, bei denen es als Alternativmittel dargereicht wird. Das bedeutet, dass andere Mittel zu diesem Zweck im Vorfeld nicht wirksam waren.

Die Gabe des Wirkstoffs erfolgt durch die Einnahme von Tabletten oder Tropfen. Außerdem ist eine Verabreichung als Injektionslösung in einer Ampulle möglich. Die empfohlene Perphenazin-Dosis liegt bei 4 bis 8 Milligramm, die bis zu drei Mal pro Tag dargereicht werden. Dabei eignet sich das Mittel auch zur Langzeittherapie, was jedoch die Gefahr von Spätdyskinesien erhöht.

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Risiken & Nebenwirkungen

Durch die Anwendung von Perphenazin ist das Auftreten von unerwünschten Nebenwirkungen möglich. Zu den häufigsten Nebeneffekten gehören Schläfrigkeit, Schlafstörungen, Benommenheit, Müdigkeit, Schwindelgefühle, Unruhe, Dyskinesien (unwillkürliche Kopfbewegungen), das ruckartige Vorstrecken der Zunge, Bewegungsstörungen, Steifheit der Muskeln, unwillkürliche Bewegungen im Gesicht, Zittern und Bewegungsarmut.

Weitere häufig auftretende Nebenwirkungen sind orthostatische Regulationsstörungen des Kreislaufs, Herzrhythmusstörungen, verstärkter Herzschlag, niedriger Blutdruck, eine Erhöhung des Prolaktinspiegels im Blut, Spannungen der Brüste, Zyklusstörungen und Milchfluss, Asthma bronchiale, Impotenz sowie Orgasmusstörungen.

Bei manchen Patienten setzt während der Perphenazin-Therapie ein bösartiges neuroleptisches Syndrom ein, das lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann. Es macht sich durch Muskelstarre, Herzrasen einen Kreislaufkollaps, Fieber, zu hohen Blutdruck und Bewusstseinstrübungen bemerkbar. Sogar ein Fall ins Koma ist möglich. Zu Beginn der Behandlung zeigen sich mitunter Muskelverkrampfungen an Armen, Hals, Mund und Gesicht, was sich wiederum auf die Mimik auswirkt.

Liegt eine Überempfindlichkeit des Patienten gegen Perphenazin oder andere Phenothiazine vor, darf der Arzneistoff nicht zur Anwendung kommen. Gleiches gilt nach akuten Vergiftungen mit Alkohol, Schlafmitteln oder Schmerzmedikamenten.

Eine sorgfältige Abwägung der Behandlung mit Perphenazin durch den Arzt ist erforderlich, wenn der Patient unter ausgeprägten Leberfunktionsstörungen, Herzvorschädigungen, Erkrankungen von Blut und Knochenmark, Brustkrebs, einem Tumor in der Hirnanhangsdrüse, orthostatischen Kreislaufregulationsstörungen, Asthma, dauerhaften Atembeschwerden, Depressionen oder Verengungen im Magen-Darm-Trakt leidet. Gleiches gilt beim Vorliegen von Krampfleiden wie Epilepsie. Besteht eine Überfunktion der Schilddrüse, muss der Arzt eine sorgfältige Überwachung des Patienten vornehmen.

Wird eine Darreichung von Perphenazin während der Schwangerschaft in Betracht gezogen, ist es wichtig, dass der Arzt Nutzen und Gefahren der Behandlung abwägt. So zeigten sich bei Tierversuchen bei der Anwendung des Wirkstoffes Schädigungen des Kindes, sodass eine Einnahme des Mittels nur in Ausnahmefällen erfolgen sollte. Weil Perphenazin zudem in die Muttermilch übergeht und sich schädlich auf das Kind auswirkt, muss das Stillen während der Therapie unterbleiben.

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