Perkutane Ethanol-Injektionstherapie (Schilddrüse)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. Juni 2017
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Eine perkutane Ethanol-Injektionstherapie ist eine gute Alternative zur Strumateilresektion oder kompletten Resektion der Schilddrüse.

Auch alternativ zu einer Radiojodtherapie ist diese Behandlungsmethode mit äußerst geringem Risikopotenzial für Patienten jeden Alters zu empfehlen. Auch für Patienten mit Unverträglichkeiten oder anderen Erkrankungen stellt diese Methode zur Behandlung von heißen Schilddrüsenknoten eine zielführende Alternative dar. Nicht zuletzt auch deshalb, weil sie ambulant durchgeführt werden kann.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Perkutane Ethanol-Injektionstherapie?

Bei der perkutanen Ethanol-Injektionstherapie handelt es sich um eine Methode, bei der ein heißer Schilddrüsenknoten (Autonomes Adenom) mittels Alkohol verödet wird. Dieses Verfahren gilt allgemein als Alternative zur Strumaresektion (operative Entfernung der Schilddrüse oder Teilentfernung der Schilddrüse) sowie zur Radiojodtherapie.

Auch wenn ein erhöhtes Operationsrisiko vorliegt, der Patient dialysepflichtig ist oder ein hohes Alter erreicht hat, empfiehlt sich diese alternative Behandlungsmethode. Von Vorteil ist diese Methode auch, wenn Multimorbidität besteht oder Nebenwirkungen bezüglich einer Therapie mit Thyreostatika bekannt sind.

Ein weiterer Vorteil liegt in der Möglichkeit, diese Behandlung anstelle einer stationären Aufnahme ambulant durchzuführen. Damit diese Methode mit Erfolg durchgeführt werden kann, muss sich der heiße Knoten in der sonografischen Darstellung klar abgrenzen lassen. Es muss zudem ein ausreichender Abstand zu den angrenzenden und sehr empfindlichen Nachbarstrukturen wie die Arteria carotis, die Vena jugularis sowie dem Nervus laryngeus recurrens vorhanden sein. Das Volumen des Knotens sollte zudem unter 30 ml liegen.

Der Äthylalkohol verursacht einen Flüssigkeitsentzug der Zellen sowie eine Denaturierung von Eiweiß. Im weiteren Verlauf kommt es zu einer Koagulationsnekrose.

Funktion, Wirkung & Ziele

Der beste Erfolg für eine Verkleinerung bei heißen Knoten unter 15 ml und Rezidivfreiheit zu erzielen. Von großem Vorteil ist auch, wenn keine Neigung zur Schilddrüsenüberfunktion vorliegt.

Im günstigsten Fall liegt nur eine subklinische Hyperthyreose vor. Diese kann entsprechend großer prospektiver Studien allerdings mit einer erhöhten kardiovaskulären und einer erhöhten Gesamtmortalität einhergehen. Darüber hinaus ist eine Assoziation mit einem höheren Risiko für Vorhofflimmern bekannt. Das höchste Risiko dafür besteht bei Patienten mit einem TSH-Wert unter 0,1 mlU/L.

Der technische Ablauf einer PEI, das Anwendungsverfahren stellt sich folgendermaßen dar. Wichtig ist im Vorfeld, dass eine Szintigrafie, eine sonografische Schilddrüsenuntersuchung inklusive Auffindung des Autonomen Adenoms und die Einverständniserklärung vorliegen. Nach der Hautmarkierung erfolgt mit dem Schallkopf die Festlegung von Fußpunkt und Stichwinkel. Es folgt eine Lokalanästhesie mit 5 ml Xylocain und eine Wartezeit von ca. fünf Minuten sowie das Aufziehen einer Spritze mit 10 ml 95 % reinem Äthylalkohol.

Die Heidelberger Verlängerung (Verlängerungsschlauch) wird luftfrei mit Alkohol aufgefüllt. Ebenso wird die Gelbe Nadel (Injektionsndel) luftfrei mit Alkohol aufgefüllt. Unter Sonosicht wird die Injektionsnadel mitten in den Knoten platziert. Dabei müssen der Schallkopf und die Nadel in einer Ebene liegen. In Bewegung ist die kaum sichtbare Nadel besser zu sehen.

Jetzt erfolgt die langsame Instillation von ungefähr 1 bis 3 ml C2 direkt in den Knoten. Maßgebend für die Menge ist die Größe des Knotens. Der Knoten färbt sich jetzt hell. Zuletzt wird die Nadel gezogen.

Dieses Prozedere wird alle 4 bis 7 Tage insgesamt fünf Mal hintereinander wiederholt. Wichtig ist ein Kontrollszintigramm und zuzüglich die Überprüfung der Werte TSH, FT3 und FT4 nach ungefähr drei Monaten, um den Erfolg der Behandlung beurteilen zu können.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Patienten mit einer multifokalen Autonomie oder Struma multinodosa sprechen schlecht auf diese Therapie an.

Wird die percutane Ethanol-Injektionstherapie von einem erfahrenen Arzt (Nuklearmediziner) durchgeführt, treten erfahrungsgemäß kaum Nebenwirkungen auf. Lediglich ein zeitlich begrenztes Druckgefühl sowie ein leichter ausstrahlender Schmerz und eventuell eine kurzzeitige Reizung des Nervus laryngeus können auftreten. Die geringen Risikopotenziale werden auch durch die prozentual belegten Erfolge gestützt.

So konnte in Studien bei einem toxischen Adenom ein Totalerfolg (TSH-Anstieg) von 52 % erzielt werden. Ein Teilerfolg, eine sogenannte Erythyreose, fand sich bei 86 %. Ein Totalerfolg bei 72 % der Patienten mit einem prätoxischen Adenom unterstreicht die Aussage, dass es sich bei einer percutanen Ethanol-Injektionstherapie um eine risikoarme Behandlungsform mit sehr guten Aussichten für einen nachhaltigen Erfolg handelt.

Weitere Risiken, die evtl. bei einer percutanen Ethanol-Injektion auftreten, können sein: Eine allergische Reaktion auf das Lokalanästhetikum. Ist diese Allergie bekannt, muss der behandelnde Arzt vor der percutanen Ethanol-Injektionstherapie darüber informiert werden.

Kreislaufprobleme oder Komplikationen durch einen zu niedrigen oder zu hohen Blutdruck (Hypotonie bzw. Hypertonie) können auftreten, wenn der Patient sehr aufgeregt ist. Ein vorher vertrauensvoll geführtes Gespräch mit dem Arzt kann aber auch diesen “Risikofaktor“ ausschließen. Entzündungen im Behandlungsbereich sind so gut wie gar nicht bekannt. Werden im Anamnesegespräch, das immer dieser Behandlung vorausgeht, alle Krankheiten, die sonst noch bestehen, vom Patienten wahrheitsgemäß angegeben, sind auch hier durch entsprechende Maßnahmen die Risiken zu minimieren oder auszuschalten.

Bringt die percutane Ethanol-Injektionstherapie nicht den gewünschten Erfolg, bleibt als weitere Optionen die Schilddrüsenteilresektion oder die Schilddrüsenentfernung (komplette Resektion) beziehungsweise eine Radiojodtherapie erhalten. Das Risiko eines ausbleibenden Behandlungserfolges ist somit abgesichert durch weitere Maßnahmen. Ein Vorteil, der viele Patienten zusätzlich zu den guten Behandlungsaussichten beruhigt.

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