Patellarsehnenruptur

Letzte Aktualisierung am 24. Juni 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Einem Riss der Patellarsehne geht meist eine Reduzierung der mechanischen Belastbarkeit des Sehnengewebes infolge Diabetes mellitus, Mikrotraumatisierungen und ähnlichen Schwächungen voraus. Häufig wird der Patellarsehne auch Gewebe entnommen zur Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes. Eine Patellarsehnenruptur macht sich durch die auffällig nach oben verschobene Kniescheibe bemerkbar und durch die Unfähigkeit, das Kniegelenk durchzustrecken.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Patellarsehnenruptur?

Die eher als Gewebeband ausgeführte Patellarsehne (Ligamentum patellae) verbindet die Kniescheibe (Patella) mit dem Schienbein. Sie muss aufgrund des kurzen Hebelarms bei Streckung aus extremer Kniebeuge enorme Kräfte von zum Teil über 1.000 Kilopond pro Quadratzentimeter ertragen. Oberhalb der Kniescheibe setzt sich das Band als Quadriceps-Sehne fort und stellt die Verbindung zu dem kräftigen Musculus quadriceps femoris her.

Bei Beugung des Knies wird die Patella sozusagen als Umlenkhebel genutzt. Bei einer vollständigen Patellarsehnenruptur kann keine Kraftübertragung mehr vom Quadrizeps zum Schienbein erfolgen. Bei Anspannung des Oberschenkelmuskels wird dann lediglich die Kniescheibe nach oben gezogen. Die nach oben verschobene Patella ist auch einer der Hauptindikatoren, die auf einen Patellarsehnenriss hindeuten.

Eine vollständige Ruptur des Bandes aufgrund einer punktuellen Überbelastung ist selten. Einem Abriss gehen meist bestimmte Vorerkrankungen voraus, die zu einer allmählichen Schwächung der Patellarsehne geführt haben. Nicht selten wird ein Teil des Patellarsehnengewebes für die Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes genutzt, so dass eine vorübergehende Schwächung eintritt.

Ursachen

Prinzipiell kann eine Patellarsehnenruptur durch eine punktuelle Überbelastung – vor allem in extremer Kniebeugestellung – oder durch eine von außen zugefügte Verletzung eintreten. Vorschädigungen des Patellarsehnengewebes, die eine Ruptur begünstigen oder überhaupt erst ermöglichen, bestehen häufig in Form degenerativer Veränderungen.

Konkret handelt es sich beispielsweise um Diabetes mellitus oder um die arterielle Verschlusskrankheit (Schaufensterkrankheit) oder eine Stoffwechselerkrankung, durch die das Sehnengewebe chronisch unterversorgt und geschwächt wird.

Gefördert wird eine Patellarsehnenruptur auch durch anatomische Fehlstellungen wie X-Beine oder unterschiedliche Beinlängen. Vornehmlich tritt eine Patellarsehnenruptur bei Menschen in der „zweiten Lebenshälfte“ auf, wenn die Elastizität der Bänder aufgrund des natürlichen Alterungsprozesses insgesamt ein wenig nachgelassen hat. Auch Bewegungsmangel kann die Erkrankung fördern, da die Bänder über lange Zeit nur ungenügend gefordert werden.

Allerdings wirkt sich auch zu viel Sport mit chronischer Überlastung der Patellarsehne ungünstig aus, weil es zu Mikrorissen kommt, die eine chronisch verlaufende Tendinitis, eine Entzündungen der Patellarsehne, begünstigen. Besonders gefährdet sind Sportler, die häufig abrupte Richtungswechsel vornehmen müssen oder auch die Patellarsehne statisch häufig überbelasten wie es bei Gewichthebern der Fall ist.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Patellarsehnenruptur wird von starken Schmerzen und einem geschwollenen Knie begleitet, was eine klare Diagnose erschwert. Als wichtiges Leitsymptom kann die nach oben verschobene Kniescheibe angesehen werden. Es sollte allerdings differenzialdiagnostisch abgeklärt werden, ob es sich möglicherweise um eine Patellafraktur handelt, die ebenfalls zu einem Hochstand von Teilen der Patella führt.

Ein ebenso wichtiges Symptom besteht in dem Unvermögen, den Unterschenkel gegen geringsten Widerstand aktiv durchzustrecken. Dies rührt daher, dass bei einem vollständigen Abriss der Sehne der Quadrizeps keine Verbindung zum Schienbein besteht und damit keine Kraft in Richtung Streckung des Unterschenkels übertragen kann. Die starke Schwellung entsteht durch Reaktionen des Immunsystems.

Dieses lässt alle verfügbaren Kräfte auffahren, um die Ruptur zu reparieren, was natürlich bei einem vollständigen Abriss nicht funktionieren kann. Die beiden Enden an der gerissenen Stelle klaffen weit auseinander und können sich nicht „von selbst“ wieder verbinden. Infolge der Schwellung erscheint das Knie gerötet und wärmer als das umliegende Gewebe.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Falls die oben beschriebenen Leitsymptome einer Patellarsehnenruptur keine ausreichende Gewissheit über die Art der Verletzung geben, können bildgebende Verfahren wie Röntgen oder besser noch die Magnetresonanztomografie (MRT) hinzugezogen werden. Das wird häufig dann notwendig, wenn beispielsweise nicht gesichert ist, ob es sich um einen Anriss der Sehne oder um eine vollständige Ruptur handelt.

Der weitere Verlauf der Krankheit hängt sehr wesentlich davon ab, ob es sich um einen Anriss, eine Teilruptur, oder um einen vollständigen Abriss der Sehne handelt. In einigen Fällen ist die genaue Diagnose schwierig, weil das Band normalerweise keinen glatten Abriss zeigt, sondern ausfasert und unter Umständen noch einige wenige Fasern miteinander Verbindung haben.

Bei einer Teilruptur kann sich die Patellarsehne unter günstigen Voraussetzungen teilweise wieder regenerieren, was bei einem Totalabriss ausgeschlossen ist. Es fehlen praktisch die Kräfte, die die beiden gerissenen Enden wieder zusammen führen und miteinander verschmelzen.

Komplikationen

In den meisten Fällen kommt es durch die Patellarsehnenruptur zu sehr starken Schmerzen. Diese treten dabei vor allem an den Knien auf und können zu erheblichen Einschränkungen im Leben und im Alltag des Betroffenen führen. In den meisten Fällen kann das Knie auch nicht mehr vollständig durchgestreckt werden. Die Schmerzen selbst breiten sich dabei nicht selten auch in andere Regionen des Beines aus und können dort zu erheblichen Einschränkungen führen.

Weiterhin kann es im schlimmsten Fall auch zu einem vollständigen Riss in der Sehne kommen. Das Knie selbst ist in der Regel angeschwollen und gerötet. Möglicherweise ist der Betroffene durch die Patellarsehnenruptur auch auf Gehhilfen in seinem Alltag angewiesen. Das Knie ist ebenso erwärmt und die Betroffenen leiden dabei nicht selten an Fieber.

In der Regel erfolgt die Behandlung der Patellarsehnenruptur durch eine Physiotherapie. Dabei kommt es nicht zu Komplikationen. Möglicherweise ist der Patient allerdings auch auf einen operativen Eingriff angewiesen, um wieder die vollständige Beweglichkeit der Gelenke wiederherzustellen. Die Lebenserwartung des Betroffenen wird durch die Patellarsehnenruptur nicht beeinflusst.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Treten nach einem Sturz oder Unfall Schmerzen im Bereich des Knies auf, besteht Anlass zur Besorgnis. Kommt es aufgrund einer starken körperlichen Belastung zu Unregelmäßigkeiten am Kniegelenk, ist dies ebenfalls ungewöhnlich und muss untersucht werden. Bei Schwellungen des Knies, Veränderungen des Hautbildes sowie einer Abnahme der körperlichen Belastbarkeit wird ein Arzt benötigt. Eine Untersuchung ist anzuraten, sobald es zu Gangunsicherheiten, Beeinträchtigungen der Fortbewegung sowie Einschränkungen der allgemeinen Beweglichkeit kommt. Kann das Bein nicht mehr wie gewohnt mit dem Eigengewicht belastet werden, wird eine ärztliche Diagnosestellung benötigt.

Bis zur Konsultation eines Arztes sollte das betroffene Knie entlastet werden und auf die Einnahme von Schmerzmedikamenten ist zu verzichten. Leidet der Betroffene unter Schwindel, Herzrasen, Störungen des Bewusstseins oder einem Bewusstseinsverlust, besteht ein schneller Handlungsbedarf. In diesen Fällen führen die Beschwerden zu Folgeerscheinungen. Diese müssen unverzüglich medizinisch versorgt werden, damit kein lebensbedrohlicher Zustand einsetzt. In akuten Fällen ist ein Rettungsdienst zu alarmieren.

Plötzliche Veränderungen des Verhaltens, Rötungen des Knies und eine innere Wärme sind weitere Anzeichen einer gesundheitlichen Störung. Ziehen die Schmerzen bis in das untere Bein, liegt eine Verletzung vor, die schnellstmöglich einem Arzt vorgestellt werden sollte. Bei einer verschobenen Kniescheibe oder anderen optischen Veränderungen des Skelettsystems wird ein Arzt benötigt.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung der Patellarsehnenruptur hängt ebenfalls davon ab, ob es sich um einen vollständigen Abriss oder um einen Anriss handelt. Bei einem Anriss empfiehlt sich je nach Schweregrad des Anrisses eine spezielle Physiotherapie, die in der Regel mit Wassergymnastik verbunden wird, um Bewegungen ohne Belastung zu ermöglichen. Parallel zur Physiotherapie kommen je nach Bedarf auch abschwellende Mittel und eine Schmerztherapie zur Anwendung. Im Falle eines vollständigen Abrisses muss operiert werden.

Es stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung, um die beiden Riss-Enden der Patellarsehne wieder miteinander zu verbinden oder eine Ersatzsehne aus eigenem oder aus Spendermaterial zu implantieren. Um einem Abbau des Quadrizeps vorzubeugen, kann die Nahtstelle durch bestimmte operative Verfahren entlastet werden, so dass frühzeitig nach der Operation mit funktioneller Physiotherapie begonnen werden kann.

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Vorbeugung

Aktive Maßnahmen zur Vorbeugung einer Patellarsehnenruptur bestehen in Aufrechterhaltung der Fitness durch leichtes Bewegungstraining und durch leichten bis mäßigen Ausdauersport. Alle beanspruchten Sehnen und Bänder erhalten dadurch einen Anreiz zum Erhalt der Festigkeit und Elastizität. Passive Maßnahmen bestehen darin, punktuelle Überbelastungen des Kniegelenks, vor allem aus starker Beugung heraus, zu vermeiden. Ebenso sollten Sportarten wie Handball, Hockey und Volleyball in fortgeschrittenem Alter nur mit der nötigen Vor- und Umsicht ausgeübt werden.

Das können Sie selbst tun

Zur Verminderung der Beschwerden kann der Betroffene verstärkt auf seine eigene Gesundheit achten. Eine Gewichtszunahme oder Übergewicht sind grundsätzlich zu vermeiden, damit die Gelenke, Knochen und Sehnen nicht unnötig belastet werden. Das Körpergewicht sollte sich innerhalb des empfohlenen BMI befinden. Zusätzlich sind nach ärztlicher oder fachmännischer Absprache leichte krankengymnastische Übungen anzuraten. Einseitige körperliche Belastungen sollten unterlassen werden, damit sich keine weiteren Muskel- oder Knochenbeschwerden entwickeln.

Die erkrankte Region ist zu entlasten und ausreichend zu schonen, damit der Heilungsprozess nicht unterbrochen wird. Krafteinwirkungen oder das Tragen von schweren Gegenständen sollte vermieden werden, da sie zu einer Verschlechterung des Wohlbefindens beitragen. Bis zur Regenerierung des Knies sind sportliche Aktivitäten einzuschränken oder vollständig einzustellen. Starke Anspannungen des Kniegelenks sowie der Streckmuskulatur Im Oberschenkel können die Beschwerden intensivieren und sich negativ auf die Heilung auswirken. Ebenfalls sollte das genutzte Schuhwerk optimiert und den aktuellen körperlichen Bedürfnissen angepasst werden. Das Tragen von Schuhen mit hohen Absätzen ist zu unterlassen, damit sich keine weiteren Symptome einstellen.

Der Organismus benötigt für eine schnelle Genesung ausreichend Vitamine, Spurenelemente und genügend Flüssigkeit. Zur Stärkung des Immunsystems ist eine gesunde Ernährung zu empfehlen und von einem Genuss von Nikotin oder Alkohol ist abzuraten.

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

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