Patellarsehnenreflex

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 30. Januar 2017
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Der Patellarsehnenreflex entspricht dem monosynaptischen Kniescheibenreflex und wird durch Druck auf die Patellarsehne ausgelöst. Die Oberschenkelmuskulatur kontrahiert im Rahmen der unwillkürlichen Eigenreflexbewegung und der Unterschenkel schnellt nach oben. Ein übersteigerter Kniescheibenreflex ist ein Pyramidenbahnzeichen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Patellarsehnenreflex?

Reflexe sind unwillkürliche und automatisierte Bewegungsantworten auf einen bestimmten Reiz. In der Regel haben sie schützende Funktionen oder unterstützen bestimmte Abläufe der menschlichen Motorik. Sie sind entweder von Geburt an vorhanden oder durch Lebenserfahrung erworben.

Unter dem Patellarsehnenreflex wird ein angeborener Beinreflex verstanden. Die Reflexbewegung zählt zu den Eigenreflexen. Die Reizaufnahme und Reizantwort finden bei diesem Reflex also im selben Organ oder Muskel statt.

Der Patellarsehnenreflex wird auch Kniesehnenreflex, Kniephänomen, oder Patellarreflex genannt. Die Bezeichnung als Quadricepsdehnungsreflex ist ebenso gebräuchlich. Der Reflex ist lediglich über eine einzige Synapse verschaltet und gehört daher zu den monosynaptischen Reflexen.

Die unwillkürliche Reflexbewegung wird durch einen Schlag auf die sogenannte Patellarsehne im Bereich der Kniescheibe ausgelöst. Diese Sehne ist die Ansatzsehne der Oberschenkelmuskulatur. Der Schlag ruft daher eine Kontraktion der Oberschenkelstreckmuskeln (Musculus quadriceps femoris) hervor, die das Kniegelenk zu einer Streckung bringt und den Unterschenkel so nach oben schnellen lässt.

Der Nervus femoralis tritt bei der motorischen Reflexantwort als Vermittler in Ercheinung. Im Zentralnervensystem ist der Reflex über die Motoneuronen im Segment L3 und die Neuronen der Nachbarsegmente L2 und L4 verschalten.

Der Kniescheibenreflex gehört zu den bekanntesten Reflexen des menschlichen Körpers.

Funktion & Aufgabe

Die Funktion und Aufgabe des Kniescheibenreflexes ist ursprünglich eine funktionale und supportive. Dem Menschen ist durch die Verschaltung zum Beispiel der aufrechte Gang auf unebenen Böden möglich. Wenn die Patellarsehne beim Aufspringen, Treppensteigen oder Stolpern zu einer Dehnung angeregt wird, dann spannen sich dank der Reflexantwort die richtigen Muskeln und hindern den Menschen so am Umfallen.

Ohne den Reflex würde der Mensch bei zahlreichen Bewegungsabläufen das Gleichgewicht verlieren und stürzen. Damit dies nicht eintritt, ist vor allem die Geschwindigkeit der automatisierten Reizreaktion entscheidend.

Wie alle motorischen Reflexe wird auch der Kniescheibenreflex über das Rückenmark gesteuert. Diese Verschaltung garantiert eine schnelle Antwort und stellt sicher, dass der Reflex überhaupt seinen Zweck erfüllen kann und nicht erst nach dem Hinfallen ausgelöst wird.

Die Muskelspindeln im Quadrizeps nehmen Dehnung wahr und leiten sie als Rezeptorinformationen ins Rückenmark weiter. Die Informationen aus den Dehnungsrezeptoren werden in den Lendensegmenten über je eine Synapse auf motorisch efferente Neuronen umgeschalten.

Der Patellarsehnenreflex entspricht dem monosynaptischen Kniescheibenreflex und wird durch Druck auf die Patellarsehne ausgelöst.

Die efferenten Neuronen ziehen sich durch den Plexus lumbalis und erreichen mit dem Nervus femoralis wieder den Oberschenkelmuskel. Eine Kontraktion wird ausgelöst.

Der Beinbeuger (Musculus biceps femoris) ist der Antagonist des Oberschenkelmuskels. Damit dieser entgegenwirkende Muskel der Oberschenkelmuskulatur nicht gleichzeitig aktiviert wird, setzt ein Hemmmechanismus ein: das Aktionspotential der Beinstrecker unterdrückt das Potential des Beinbeugers.

Dieser Hemmmechanismus liegt an der Verästelung des Axons, das die Reizinformationen ans Rückenmark leitet. Dieses Axon besitzt eine sogenannte Divergenz. Ein Ast davon verläuft zu den motorischen Neuronen, die den Beinstrecker innervieren. Über eine andere Synapse verläuft der zweite Ast zum den hemmenden Neuronen des Beinstreckers.

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Krankheiten & Beschwerden

Der Kniescheibenreflex spielt vor allem für die Reflexuntersuchung eine Rolle. Der Arzt löst den monosynaptischen Reflex bevorzugt am sitzenden Patienten aus. Ein Bein schlägt der Patient dazu lose über das andere. Der Untersuchende hebt das Bein zusätzlich oft in der Kniekehle an. Auf die Patellarsehne unterhalb der Kniescheibe gibt der Arzt mit dem Reflexhammer einen betonten Schlag ab. Bei einer lebhaften Reflexantwort reicht schon etwas Druck auf die aufgelegten Finger am Sehnenoberrand zur Auslösung aus.

Die Auslösung wird vom Arzt in Abständen von zwei Sekunden wiederholt. Anschließend wird auch das zweite Bein auf den Reflex geprüft. Die Ergebnisse werden schließlich interpretiert. Wenn der Reflex aufgehoben ist, liegt vermutlich ein lumbaler Bandscheibenvorfall im Segment L3 vor. Auch eine periphere Nervenverletzung kommt in Frage. Ist der Reflex lediglich abgeschwächt, ist eine Neuropathie die wahrscheinlichste Diagnose.

Ein gesteigerter Reflex oder gar eine verbreiterte Reflexzone wird als sogenanntes Pyramidenbahnzeichen aufgefasst. Wie alle anderen Pyramidenbahnzeichen verweist diese Erscheinung auf eine zentralnervensystemische Schädigung der Motoneuronen im pyramidalen System. Solche Schädigungen äußern sich in der Regel entweder in Muskelschwächen, Gangunsicherheiten und Lähmungen oder in Spastiken.

Die Ursachen der Schädigung können zum Beispiel entzündliche Erscheinungen der Multiplen Sklerose oder degenerative Erscheinungen im Rahmen von ALS sein. Besonders ALS greift speziell das motorische Nervensystem an.

Neben einem gesteigerten Kniescheibenreflex zählen auch eine Reihe pathologischer Fußreflexe zu den Pyramidenbahnzeichen. Diese Reflexgruppe wird auch als Babinski-Gruppe bezeichnet und umgreift Reflexe wie den Babinski- und den Chaddock-Reflex.

Die neurologische Reflexprüfung und Untersuchung auf pathologische Reflexe dient vor allem der Differentialdiagnose und der Lokalisierung von Nervenläsionen im zentralen und peripheren Nervensystem. Der Kniescheibenreflex bleibt bei Schlaganfallpatienten zum Beispiel meist unverändert erhalten. Das gilt in aller Regel sogar dann, wenn Lähmungserscheinungen vorliegen.

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