Parietallappen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. November 2016
Startseite » Anatomie » Parietallappen

Ohne den Parietallappen wären dem Menschen weder räumliches Denken, noch haptische Wahrnehmungen oder die kontrollierte Ausführung von Hand- und Augenbewegungen möglich.

Der insbesondere sensorisch wichtige Großhirnbereich liegt zwischen Temporal-, Frontal- und Okzipitallappen und kann als Teil des Zentralen Nervensystems an vielen, neurologischen Ausfällen beteiligt sein. Am häufigsten sind Tumore, Schlaganfälle oder entzündliche ZNS-Erkrankungen, wie Multiple Sklerose für eine funktionsstörende Läsion im Parietallappen verantwortlich.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Parietallappen?

Der Parietallappen ist der Teil des Großhirns und Zentralen Nervensystems, der vor allem für sensorische Aufgaben zuständig ist. In der medizinischen Fachsprache bezeichnet man diesen Teil des Gehirns als Lobus parietalis, der an den Okzipitallappen, sowie den Frontallappen angrenzt und damit etwa den Mittelteil des Großhirns bildet.

Wegen seiner Lage im oberen Gehirnbereich wird der Parietallappen zum Teil auch Scheitellappen genannt. Von Stammhirn und Kleinhirn ist der Parietalbereich durch den Temporallappen getrennt. Im Bereich des Lobus parietalis liegen außerdem acht der Brodmann-Areale, die die Einzelfunktionen der Großhirnrinde beschreiben.

Anatomie & Aufbau

Der Parietallappen wird im vorderen Bereich von der Zentralfurche und im hinteren Bereich vom sogenannten Ocipitallappen begrenzt. Die hintere Grenze formt damit eine Linie vom Sulcus parietooccipitalis zum Incisura praeoccipitalis. Unten grenzt der Temporallappen an den Parietallappen an.

Die untere Grenze des Bereichs liegt damit in etwa auf derselben Ebene wie die Sylvische Fissur. Im Parietallappen liegen der Sulcus postcentralis und daran angeschlossen der Sulcus intraparietalis, der die hintere Rinde des Parietallappens in zwei Einzelläppchen unterteilt. Damit besteht der Parietellappen selbst aus dem oberen und unterem Parietalläppchen, die auch als Cortex parietalis posterior und Lobulus parietalis inferior bekannt sind. Dieser Bereich des Gehirns enthält viele der so genannten Brodmann-Areale, was Hinweise auf seine allgemeine Funktion gibt.

Funktion & Aufgaben

Wahrnehmungen sind Sache des Parietallappens. Im Allgemeinen übernimmt dieser Bereich des Gehirns wichtige Aufgaben bei der Verarbeitung sämtlicher sensorischer Eindrücke. Insbesondere somasensorische Funktionen fallen in den Aufgabenbereich des Parietallappens. Diese somasensorischen Funktionen beinhalten vor allem die Empfindung haptischer, also tastbedingter, Wahrnehmungen. Der Parietallappen ist aber auch an der visuellen Reizverarbeitung beteiligt, so vor allem an der Erkennung von Bewegungen im unmittelbaren Blickfeld des Betrachters. Damit ist das Parietalhirn maßgeblich für die räumliche Orientierung verantwortlich.

Räumliche Aufmerksamkeit, räumliches Denken, sowie Lesen und Rechnen wären ohne diesen Abschnitt des Großhirns nicht denkbar. Vor allem der obere Abschnitt des Parietalhirns analysiert, wo sich Dinge im Gesichtsfeld des Betrachters aufhalten oder wohin sie sich bewegen. Zusätzlich erstellt der Parietallappen einen Plan, wie der Wahrnehmende an diese Dinge gelangen kann. Sogar die zielgerichtete Ausführung dieser Bewegungen findet im Parietalhirn statt. Auch Bewegungen und Berührungen auf der Haut werden über diesen Teil des Gehirns wahrgenommen.

Sogar die Entscheidung, welchem Reiz im Sichtfeld der Betrachter Aufmerksamkeit schenkt, findet in diesem Bereich statt. Im unteren Parietalhirn wird schließlich die Erkennung von Objekten umgesetzt. Dazu werden Informationen aus dem Gesichtsfeld mit Empfindungsinformationen in Zusammenhang gesetzt. Im Bereich des gyrus angularis ist das untere Parietalhirn außerdem an Sprechen und Lesen beteiligt.

Als Teil des Parietallappens kommen zusätzlich auch dem Sulcus intraparietalis wichtige Aufgaben zu. Dieser Bereich verbindet das visuelle System mit dem Bewegungssystem des Menschen und dient damit vor allem der kontrollierten Ausführung von Handbewegungen und Augenbewegungen.

Krankheiten

In Zusammenhang mit dem Parietallappen können verschiedene, neurologische Störungen und Erkrankungen auftreten, die sich in der Bildgebung je als Läsionen zeigen. Eine der bekanntesten davon ist das Gerstmann-Syndrom, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts erstmals von Josef Gerstmann beschrieben wurde und eigentlich einen ganzen Symptom-Komplex darstellt.

Mittlerweile ist dieses Syndrom umstritten, da die meisten Patienten mit den Symptomen des Gerstmann-Komplexes zusätzlich weitere Symptome aufweisen. Eines der Einzelsymptome des Gerstmann-Syndroms ist die Agraphie. Das meint eine Schreibschwierigkeit, die unabhängig von der Motorik und der Intelligenz auftritt. Symptomatisch tritt außerdem eine Akalkulie, das heißt eine Rechenschwierigkeit ein. Durch die räumlichen Funktionen des Parietallappens kommt es außerdem zu Links-Rechts-Schwächen sowie Schwierigkeiten beim Zählen und Benennen der eigenen Finger und Zehen.

Das Gerstmann-Syndrom tritt bei einer Schädigung des Brodmann Areals 40 auf, das im Parietallappen liegt. Eine solche Schädigung kann zum Beispiel auf einen Schlaganfall oder eine Entzündung in diesem Bereich durch beispielsweise eine degenerative Erkrankung, wie Multiple Sklerose zurückzuführen sein.

Sowohl bei Schlaganfällen als auch entzündungsbedingten Schädigungen können sich die Symptome im Laufe der nächsten Tage und Wochen unter Umständen wieder zurückbilden. Eine zweite Störung in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Parietallappen ist das eher seltene Bálint-Syndrom. Dabei tritt eine Unfähigkeit zielgerichteter Greif- oder Handbewegungen auf. Zudem sind zielgerichtete Bewegungen der Augen gestört, die visuelle Aufmerksamkeit ist beeinträchtigt und komplexe Bilder lassen sich nicht mehr gänzlich erfassen.

Verantwortlich für das Krankheitsbild sind bilaterale, parietale oder parieto-okzipitale Läsionen im Gehirn. Neben Hirntumoren und Erkrankungen wie der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit können Schlaganfälle und entzündliche Erkrankungen auch diese Hirnschädigungen auslösen. Wie schon beim Gerstmann-Syndrom können sich die symptomatischen Ausfälle auch beim Balint-Syndrom zurückbilden, falls ein Schlaganfall oder eine MS-Läsion sie ausgelöst hat.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Typische & häufige Gehirnerkrankungen

Bücher über das Gehirn

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: