Paraffinom des Penis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 19. September 2017
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Das Paraffinom des Penis ist eine Unterart des sklerosierenden Lipogranuloms. Die Prognose des unbehandelten Paraffinoms ist schlecht.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Paraffinom des Penis?

Paraffinome sind Tumore, die durch das Einbringen von Paraffin oder anderen lipoiden Substanzen unter die Haut entstehen. Häufig rufen diese Substanzen im subkutanen Fettgewebe eine granulomatöse Reaktion hervor. Paraffinome können nicht nur im Bereich des Penis, sondern auch in der Glutealregion, an der weiblichen und männlichen Brust oder im Abdomen entstehen.

Die Mehrzahl der selbst induzierten Paraffinome findet sich jedoch im Genitalbereich. Früher wurden die Paraffininjektionen häufiger durchgeführt. Heute sind Paraffinome des Penis aufgrund der bekannten unangenehmen Nebenwirkungen und der Granulombildung nur noch sehr selten zu beobachten. Paraffin zur Penisvergrößerung geht vermutlich auf den österreichischen Chirurgen Robert Gersuny zurück.

Dieser berichtete im Jahr 1903 von der Verwendung des Paraffins als Hodenprothese. Er injizierte bereits im Jahr 1899 einem Patienten, dem beide Hoden aufgrund einer Infektion entfernt werden mussten, Paraffin. Da damals nur Erfolge und noch keine Nebenwirkungen zu beobachten waren, injizierten Gersuny und zahlreiche Kollegen Mineralöle und Paraffin in verschiedene Körperregionen und behandelten so unter anderem Deformationen des Gesichts.

Auch Hämorrhoiden und Inkontinenz wurden mit Paraffininjektionen therapiert. Zu dieser Zeit kamen die Penisvergrößerungen mit Paraffin in Mode. Nach rund 20 Jahren zeigten sich die gravierenden Spätfolgen dieser Therapie. Seit 1950 wird in der Medizin kein Paraffin mehr zur Injektion genutzt. Das Material wurde in der Therapie sukzessive durch andere Materialien wie Hyaluron oder Kollagen ersetzt.

Ursachen

Das Paraffinom des Penis entsteht durch die Injektion von Paraffinen oder Mineralölen unter die Haut des Penis. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts war die Injektion von Paraffinen oder Mineralölen eine verbreitete Technik zur Vergrößerung des Penis. Nachdem später die Nebenwirkungen bekannt wurden, wurde die Methode in Nordeuropa nur noch äußerst selten angewendet.

Heute wird die Penisvergrößerung mit Paraffin noch in vielen osteuropäischen Ländern und in Korea vereinzelt ausgeübt. Dabei werden die Paraffininjektionen hauptsächlich von Nichtmedizinern durchgeführt. Das erhöht natürlich das Risiko für Komplikationen und Nebenwirkungen. Das Durchschnittsalter für Männer, die Paraffininjektionen durchführen, liegt bei knapp 40 Jahren, wobei die Altersspanne von 19 bis 77 Jahre reicht.

Hinter den Paraffininjektionen stecken verschiedene Gründe. Die Patienten wünschen sich einen größeren Penis, leiden unter Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion) oder haben den Wunsch, den eigenen Partner besser befriedigen zu können. Das Paraffin wird in der Regel über die Harnröhre oder über das Fettgewebe injiziert.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Von der ersten Paraffininjektion bis zur Entstehung des Paraffinoms vergeht meistens ein Jahr. In Einzelfällen zeigt sich der Tumor auch erst nach 40 Jahren. Die subkutane Injektion von Paraffin oder anderen Mineralölen kann eine Fremdkörperreaktion zur Folge haben. Die Zellen des mononukleären Phagozytensystems versuchen die fremde Substanz zu eliminieren.

Dabei bilden sich sogenannte Fremdkörpergranulome. Es handelt sich dabei um knotenartige Neubildungen des Gewebes, die nicht infektiös sind. Sie bestehen aus Epitheloidzellen, mononukleären Zellen oder Riesenzellen, die sich um die fremde Substanz legen und diese einkapseln. Auf lange Sicht können die Entzündungsreaktionen, die durch den Fremdkörper ausgelöst werden, zu einer Entartung der Zellen und damit zu Krebs führen.

Insbesondere bei älteren Patienten besteht die Gefahr, dass sich aus den ulzerierenden Läsionen des Penis ein Plattenepithelkarzinom entwickelt. Eine Mehrzahl der Patienten, die sich selbst Paraffin in den Penis injiziert hat, ist mit dem Ergebnis nicht zufrieden. So würden fast 75 Prozent aller Patienten das injizierte Paraffin gerne wieder entfernt haben. Weniger als 20 Prozent haben nach der Injektion keine Nebenwirkungen. Die meisten Patienten leiden unter Entzündungen, Hautnekrosen und Schmerzen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose Paraffinom wird anhand des klinischen Beschwerdebilds und der Krankengeschichte gestellt. Tumore am Penis, die nach einer Injektion mit Paraffin aufgetreten sind, deuten auf ein Paraffinom hin. Auch Ulzerationen oder andere Entzündungen am Penis nach Paraffininjektionen sind ein Hinweis auf ein Paraffinom. Für die Stellung einer korrekten Diagnose ist der Arzt jedoch auf die ehrlichen Angaben des Patienten angewiesen. Verheimlicht dieser die Paraffininjektionen, kann ausschließlich eine Biopsie des Tumors Klarheit schaffen.

Komplikationen

Ein Paraffinom des Penis muss auf jeden Fall von einem Arzt behandelt werden. Sollte es nicht zu einer Behandlung kommen, kann das Gewebe aufgrund der Krebserkrankung vollständig absterben. Weiterhin kann sich der Krebs auch in andere Regionen des Körpers ausbreiten und dort zu Schäden am Gewebe führen. Die Lebensqualität des Betroffenen wird aufgrund des Paraffinoms am Penis deutlich verringert.

In den meisten Fällen leiden die Patienten dabei an verschiedenen Entzündungen und Infektionen am Penis. Auch Nekrosen der Haut können bei diese Beschwerde auftreten und den Alltag des Patienten deutlich erschweren. Weiterhin treten auch verschiedene Hautbeschwerden beim Betroffenen am Penis auf. In vielen Fällen werden die Injektionen des Paraffins in den Penis verheimlicht, sodass eine richtige Diagnose nicht gestellt werden kann.

Dadurch verringert sich möglicherweise die Lebenserwartung des Betroffenen, da auch eine richtige Behandlung nicht durchgeführt wird. In der Regel erfolgt beim Paraffinom des Penis ein operativer Eingriff. Damit können die meisten Beschwerden eingeschränkt werden. Besondere Komplikationen treten dabei nicht auf, falls die Diagnose schon frühzeitig gestellt wird und damit auch die Behandlung frühzeitig beginnen kann.

Behandlung & Therapie

Jedes Paraffinom im Bereich des Penis ist behandlungsbedürftig. Unbehandelte Paraffinome verschlechtern sich stetig und haben eine eher schlechte Prognose. Die Paraffinome müssen rausgeschnitten werden. Dieses Verfahren wird auch als radikale Exzision bezeichnet. Ebenso muss die Penisvorhaut vollständig entfernt werden (Zirkumzision).

Falls das Paraffinom nicht vollständig entfernt wird, besteht die Gefahr eines Rezidivs. Je nach Größe des Paraffintumors kann eine Phalloplastie erforderlich sein. Dabei werden Teile des Penis aus körpereigenem Gewebe rekonstruiert. Wenn der Patient mit einer Operation nicht einverstanden ist oder bei einem weniger dramatischen Verlauf, kann eine konservative Therapie durchgeführt werden.

Dafür werden wiederholt Glukokortikoide wie Triamcinolon in das Paraffinom injiziert. Alternativ kann der behandelnde Arzt Corticosteroide verabreichen. Obwohl über diese Therapieformen keine Langzeitergebnisse vorliegen, empfehlen einige Ärzte diese Option als Erstlinientherapie. Die operative Entfernung wird in diesem Fall nur durchgeführt, wenn die Ergebnisse der Erstlinientherapie nicht zufriedenstellend sind.

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Vorbeugung

Das Paraffinom ist eine Erkrankung, die ausschließlich nach der Injektion von Paraffin oder anderen Mineralölen in den Körper auftritt. Somit kann dem Paraffinom ganz einfach vorgebeugt werden, indem solche gefährlichen Injektionen unterlassen werden.

Bücher über Männergesundheit

Quellen

  • Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Berlin 2011
  • Haag, P., Harnhart, N., Müller, M. (Hrsg.): Gynäkologie und Urologie. Für Studium und Praxis 2014/15. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2014
  • Preiß, J. et al.(Hrsg.): Taschenbuch Onkologie. Zuckschwerdt, München 2014

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