Papillitis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 12. September 2017
Startseite » Krankheiten » Papillitis

Als Papillitis wird eine Unterart der Sehnervenentzündung bezeichnet, bei welcher der Sehnerv in seinem Verlauf am sogenannten Sehnervkopf (Papille) geschädigt ist. Eine Papillitis verursacht Sehstörungen bis hin zum vollständigen Verlust der Sehkraft.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Papillitis?

Bei Sehnerventzündungen wird abhängig von der Lokalisation der Entzündung zwischen verschiedenen Unterarten differenziert. Von einer Papillitis spricht man, wenn der erkrankte Anteil des Sehnervs im Auge lokalisiert ist. Die Entzündungsreaktionen manifestieren sich dabei im Sehnervkopf – der Stelle, wo sich die Nervenstränge der inneren Netzhautschicht bündeln und als Sehnerv aus dem Auge austreten. Der Sehnerv ist für die Übermittlung der visuellen Informationssignale ans Gehirn zuständig.

Die entzündungsbedingte Verlangsamung der Informationsweiterleitung führt deshalb zu einer Minderung des Sehvermögens. Durch die Entzündung kann es auch zu einer dauerhaften Schädigung des Sehnervs kommen. Die höchste Erkrankungsrate für eine Papillitis liegt im Erwachsenenalter zwischen 20 und 50 Jahren. Statistisch gesehen erkranken Frauen jedoch häufiger als Männer.

Ursachen

Wodurch die Entzündung am Sehnervkopf konkret ausgelöst wird, lässt sich bei der überwiegenden Zahl der Erkrankungsfälle nicht eindeutig klären. Eine Papillitis kann ursächlich auf entzündliche Erkrankungen, Allergien und Autoimmunerkrankungen, aber auch auf Infektionen oder Vergiftungen zurückgeführt werden. So kann die Ausbreitung eines Entzündungsherds aus benachbarten anatomischen Strukturen, etwa der Augenhöhle, der Nasennebenhöhlen oder der Schädelbasis, zu einer Papillitis führen.

Bei Kindern tritt eine Entzündung des Sehnervkopfs meist in Verbindung mit einem Infekt der oberen Luftwege auf. Bei Erwachsenen dagegen meist in Zusammenhang mit Entzündungen der Gefäßwände (Vaskulitis) oder des Gehirns (Enzephalitis). Auch bakterielle und virale Infektionen (zum Beispiel Fleckenfieber, Syphilis, Malaria und Diphtherie) können eine Entzündung der Papille bedingen.

Als Auslöser gelten auch Autoimmunerkrankungen wie Morbus Chrohn, Morbus Wegener oder Lupus erythematodes. Als weitere Ursachen sind Stoffwechselerkrankungen (zum Beispiel Diabetes Mellitus) und Vergiftungen mit Methanol, Chinin oder Schwermetallen zu nennen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Typische Symptome bei einer Papillitis sind akute Sehstörungen. Betroffene weisen eine reduzierte Sehschärfe und eine verminderte Wahrnehmung von Farben und Kontrasten auf. Ferner sind zentrale Gesichtsfeldausfälle (Zentralskotom) möglich. Bei dieser Quasi-Erblindung erscheint der vom unbewegten Auge visuell erfasste Raum mittig als schwarz-grauer Fleck.

Meist ist nur eines der beiden Augen von der Entzündung und den damit einhergehenden Sehbehinderungen betroffen. Darüber hinaus klagen Patienten über ein schmerzhaftes Druckgefühl im hinteren Bereich des Augapfels. Die Entzündungsprozesse können auch auf die Bewegungsnerven übergreifen, was zu Schmerzen bei der Augenbewegung führt.

Ebenso kann es zur schmerzlichen Empfindlichkeit gegenüber Druck und Licht kommen. Die Ausbreitung der Entzündungsschmerzen kann zudem tiefsitzende Kopfschmerzen auslösen. Die Symptome können durch eine erhöhte Körpertemperatur in Folge von heißen Bädern, Sauna oder sportlicher Betätigung verschlimmert werden.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Krankheitsverläufe einer Papillitis sind unterschiedlich. In der Regel ist mit dem Abheilen der Entzündung auch ein Rückgang der Symptome zu beobachten. Trotz medikamentöser Beschleunigung des Heilungsprozess können bis zur Beschwerdefreiheit mehrere Wochen bis Monate vergehen. Schwerwiegende Entzündungen können durch die dauerhafte Schädigung des Sehnervkopfs dagegen zu anhaltenden Sehdefekten oder zum Erblinden des betroffenen Auges führen.

Die Diagnose einer Sehnervenentzündung gestaltet sich grundsätzlich schwierig. Vorab wird anamnestisch die Krankheitsgeschichte des Patienten geklärt. Während der klinischen Untersuchung erfolgt die Inspektion des betroffenen Auges. Durch einen manuell ausgeübten Druck auf den Augapfel kann die Schmerzempfindlichkeit geprüft werden. Im Rahmen der ophtalmoskopischen Untersuchung mit dem Augenspiegel ist ein leicht geschwollener, unscharf begrenzter und geröteter Sehnervkopf zu erkennen.

Anhand des Wechselbelichtungstests kann die Pupillenreaktion ermittelt werden. Durch die Entzündung ist der Pupillenreflex des betroffenen Auges träge, was sich in einer auffällig erweiterten Pupille zeigt. Zudem kann im Rahmen der Gesichtsfeldmessung (Perimetrie) ein Ausfall des zentralen Gesichtsfelds festgestellt werden.

Durch die Ableitung visuell evozierter Potenziale (VEP) erfolgt zusätzlich eine Beurteilung des Sehnervs. Bei einer Papillitis offenbart sich dabei eine verzögerte Nervenleitgeschwindigkeit. Zur weiteren Diagnostik stehen bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomographie (MRT)oder Computertomographie (CT) zur Verfügung.

Komplikationen

Eine Vielzahl verursachender Faktoren kann für eine Entzündung der gebündelten Sehnerven an ihrer Austrittsstelle aus dem Augapfel, der Papille, verantwortlich gemacht werden. Nicht immer wird die genaue Ursache der Papillitis, wie die Nervenentzündung genannt wird, erkannt. Hauptverursacher sind Infektionen und Entzündungsherde nahe gelegener Gewebe, Vergiftungen, Allergien oder Autoimmunreaktionen des Immunsystems. Ebenso können Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus eine Papillitis auslösen.

Komplikationen, die sich im Rahmen der Papillitis einstellen, sind zentrale Gesichtsfeldausfälle, die bei Nichtbehandlung der verursachenden Grunderkrankung bis zur Erblindung des betroffenen Auges führen kann. In den Fällen, in denen die Grunderkrankung auch ohne Behandlung ausheilt, bauen sich auch die Komplikationen der Papillitis ohne Behandlung quasi von selbst ab.

Besonderer Fokus liegt auf verursachenden Faktoren wie Diabetes mellitus und Autoimmunerkrankungen, die sich unbehandelt verschlimmern. Beispielsweise ist es von enormer Wichtigkeit, dass bei einem Diabetes des Typs 2 oder 1 der Blutzuckerspiegel gut kontrolliert und gesteuert wird, um eine Papillitis und Gefäßwandschäden der Arterien und Arteriolen zu vermeiden.

Zur Vermeidung weiterer Komplikationen ist auch der Verlauf von Autoimmunerkrankungen wichtig für gezielte therapeutische Maßnahmen. Beispielsweise ist der Abbau der Myelinscheiden der gebündelten Sehnerven durch eine Autoimmunerkrankung im fortgeschrittenen Stadium nicht reversibel, so dass in diesem Fall keine vollständige Wiederherstellung der Sehkraft möglich ist.

Therapie & Behandlung

Die Behandlung einer Papillitis orientiert sich am Auslöser des Entzündungsprozesses. Abhängig von der jeweiligen Ursache oder zugrunde liegenden Primäerkrankung finden etwa neurologische oder internistische Begleitmaßnahmen statt. Die medikamentöse Therapie mit entzündungshemmenden Kortikosteroiden (zum Beispiel Cortison) beschleunigt das Abklingen der Entzündung und ist bei einem schweren Entzündungsverlauf zur Prävention von Langzeitschäden oft unabdingbar.

Für eine hochdosierte, medikamentöse Behandlung mit Kortikosteroiden dürfen jedoch keine anderen Erkrankungen wie Tuberkulose, Magengeschwüre, Diabetes Mellitus oder Bluthochdruck vorliegen. Die Verabreichung der Entzündungshemmer erfolgt oral, ist aber im Rahmen hoher Dosierungen und für eine schnellere Wirksamkeit auch intravenös möglich. Die Einnahme von Cortison kann Nebenwirkungen zur Folge haben und ist deshalb je nach Grunderkrankung nicht ungefährlich.

Zu den Nebenwirkungen gehören Gewichtszunahme, Osteoporose, Wassereinlagerungen und ein geschwächtes Immunsystem. Wenn als Auslöser für die Papillitis infektiöse Ursachen feststehen, werden die entsprechenden Erreger mit Antibiotika oder Virostatika behandelt. Generell sind Heilungschancen bei einer raschen Behandlung der Ursachen und Symptome der Entzündung gut. Bei einer verzögert eingeleiteter Therapie ist allerdings mit einer länger andauernden Entzündung, größeren Komplikationen und dadurch letztlich mit einer schlechteren Prognose zu rechnen.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Da die Auslöser einer Papillitis in den meisten Erkrankungsfällen ungeklärt bleiben, gibt es auch keine eindeutig zu benennende, effektive Präventionsmaßnahme. Bei entsprechenden Grunderkrankungen bieten sich aber regalmäßige augenärztliche Kontrolluntersuchungen an.

Bücher über Sehstörungen

Quellen

  • Augustin, A.J.: Augenheilkunde. Springer, Berlin 2007
  • Burk, A. et al.: Checkliste Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Lang, G. K.: Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2014

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: