Palmaraponeurose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. November 2016
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Die Palmaraponeurose ist zusammen mit der Haut verantwortlich für die Festigkeit der Handfläche. Sie ist ein wichtiger Bestandteil des Greifapparates.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Palmaraponeurose?

Der Begriff Palmaraponeurose setzt sich zusammen aus den Begriffen Palma manus für die Handfläche und Aponeurose, mit dem eine Sehnenplatte bezeichnet wird. Ausgehend von der üblichen Funktionsbezeichnung für eine Sehne als Ursprungs- und Ansatzteil eines Muskels kann es hier bei der Bezeichnung zu Definitionsproblemen kommen.

Zwar kann die Palmaraponeurose als fächerförmige Fortsetzung der Sehne des Musculus palmaris longus betrachtet werden, aber leider kommt dieser Muskel bei 20% der Menschen nicht vor. Der Musculus palmaris brevis übernimmt in dem Fall allein die muskuläre Verbindung zu der Sehnenplatte. Histologisch gesehen ist die Palmaraponeurose aber dem Sehnengewebe zuzuordnen, welches den umgebenden Faszienstrukturen sehr ähnlich ist.

Manche Autoren bezeichnen deshalb den Gesamtkomplex der verbundenen Sehnen und Faszien der Handfläche als Palmarfaszie oder als palmaren Faszienkomplex. Die Palmaraponeurose im engeren Sinne stellt die dreieckige Sehnenplatte dar, deren Spitze sich im Bereich des Handgelenkes befindet, während der breitere Teil zu den Strahlen der Finger II – V zieht.

Anatomie & Aufbau

Ausgehend vom Handgelenk fächern sich die die 4 längsverlaufenden Faserzüge auf und ziehen zu den Fingern, wo so in die Sehnenscheiden der Fingerbeuger einstrahlen. Sie werden verstärkt von querverlaufenden Faserbündeln, die funktionell Schwimmhäuten ähnlich sind. Im Bereich des Handgelenks kommt die Sehne des M. palmaris longus an und beginnt sich zu verbreitern.

Dieser Bereich ist verbunden mit dem Retinaculum flexorum, eine feste Bandverbindung, die die langen Beugersehnen im sogenannten Karpaltunnel festhält. Die Fasern dieses Systems verstärken den dünnen Anteil der Palmaraponeurose. Weitere Querverdichtungen befinden sich in der Region der Mittelhandknochen, als Ligamentum metacarpale transversum bezeichnet, und als Fasciculi transversale im Bereich der Fingergrundgelenke.

Seitlich geht die Palmaraponeurose in die Faszien der Muskulatur des Groß- und Kleinfingerballens über. Der M. palmaris brevis strahlt von der Kleinfingerseite kommend in das Sehnengewebe ein. Er ist ein Hautmuskel, was bedeutet, dass sein Ursprung keinen Knochenkontakt hat. Die Palmaraponeurose ist mit einem dichten Netz bindgewebiger Fasern mit der Haut verwachsen, in das die dazwischen liegende Fettschicht fest eingebunden ist.

Funktion & Aufgaben

Die Haut in Verbindung mit der Palmaraponeurose und der dazwischen eingeschlossenen Fettschicht bildet eine feste und dennoch weiche Polsterschicht, die Schutz bietet vor äußeren Einflüssen. Insbesondere Druckbelastungen beim Aufstützen oder dem kräftigen Halten von Gegenständen können so effektiv abgepuffert werden.

Gleichzeitig wird die Haut durch diese Vernetzung verfestigt und die Verschieblichkeit limitiert. Damit wird eine kontrollierte Kontaktaufnahme beim Greifen und Festhalten gewährleistet und die Empfindlichkeit herabgesetzt. Maßgeblich unterstützt wird diese Funktion durch die beiden Muskeln, die in die Palmaraponeurose einstrahlen. Bei einer Hohlhand wird die Handfläche insgesamt angenähert und rein passiv kann die Spannung verloren gehen. Dem wirken die Musculi palmares longus et brevis entgegen, indem sie kontrahieren und die gesamte bindegewebige Struktur verspannen. Subjektiv wird die Festigkeit und Spannung der Handfläche beim Händeschütteln bemerkbar, auch die individuellen Unterschiede.

Die Strukturen, die unterhalb der Palmaraponeurose verlaufen, werden von dieser vor Schädigungen geschützt, die von außen auf sie einwirken können. Zu diesen Strukturen gehören die Sehnen der langen und kurzen Fingerbeuger, wie auch die Gefäße und Nerven, die teilweise die Sehnenplatte durchstoßen und zu ihren Versorgungsgebieten ziehen.

Das straffelastische Gewebe der Palmaraponeurose wird wie die Sehnen der Fingerflexoren bei der Streckung gedehnt. Diese Vorspannung erzeugt eine potentielle Energie, die für die Kraftentwicklung zu Beginn der Beugung der Finger ausgenutzt werden kann. Diesen mechanischen Vorteil nutzen Sportler, wenn sie zum Schlag ausholen, wie beim Schmettern im Volleyball.

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Krankheiten

Die Beschaffenheit der Palmaraponeurose hängt wie die des gesamten Bindegewebes von den konstitutionellen Gegebenheiten des Einzelnen ab. Bei Menschen mit einer Bindegewebsschwäche ist die Festigkeit geringer, die gesamte Struktur fühlt sich weicher an. Andererseits wird durch jahrelange schwere körperliche Arbeit nicht nur die Haut an der Oberfläche verändert, sondern auch die Straffheit der darunter liegenden Schichten.

Verletzungen der Handfläche oder der Sehnen, die diese spannen, können sehr schmerzhafte Auswirkungen haben und die Eigenschaften der Palmaraponeurose zeitweise verändern. Häufig kommen Schnittverletzungen in diesem Bereich vor, die Menschen sich bewusst oder unbewusst zufügen.

In der Handfläche können Glasscherben solche Schnitte hinterlassen, die nicht selten schlecht verheilen. Durchtrennungen der Sehnen, die in Handgelenksnähe am Unterarm entlang laufen, kommen bei missglückten Suizidversuchen vor, wenn die Schnittführung quer zur Längsachse läuft. Davon kann auch der M. palmaris longus und damit die Spannung der Palmaraponeurose betroffen sein. Eine spezifische Erkrankung, die speziell die Palmaraponeurose befällt ist die Dupuytren-Kontraktur.

Der langsame Verlauf beginnt mit knotigen und strangförmigen Verhärtungen der Sehnenplatte, die zwar tastbar sind, aber zunächst keine Beschwerden oder Funktionseinschränkungen hervorrufen. Bei einer Verschlimmerung werden auch die Übergänge zu den Sehnenscheiden der Fingerbeuger befallen. Meistens werden durch diesen Prozess der Klein- und der Ringfinger zur Handfläche gezogen und unbeweglich, die anderen Finger können, müssen aber nicht folgen. Die Ursache dieser Erkrankung ist noch unbekannt. Hingegen ist gesichert, dass die Häufigkeit bei vermehrtem Tabak- und Alkoholabusus, sowie bei Diabetes größer ist.

Eine Therapieoption ist die operative Ausräumung der Verhärtungen, um die Fingerbeweglichkeit wieder herzustellen. Die Rezidivgefahr ist aber sehr hoch.

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