Paläocortex

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. Juni 2017
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Der Paläocortex ist Teil des Großhirns. Gemeinsam mit dem Archicortex bildet er den Allocortex. Er verantwortet die olfaktorische Verarbeitung im Gehirn.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Paläocortex?

Der Paläocortex bzw. Paleocortex gehört zur Großhirnrinde, dem Cortex cerebri. Das Wort „Paleo“ bedeutet übersetzt „urzeitlich“. Entwicklungsgeschichtlich besteht das Großhirn aus dem Striatum, dem Paläocortex, dem Archicortex und dem Neocortex.

Der Paläocortex ist aus phylogenetischer Sicht seinem Namen entsprechend der älteste Teil der Großhirnrinde. Er bildet gemeinsam mit dem Archicortex den Allocortex. Mit seinen Strukturen formt er das Riechhirn. Darüber hinaus nimmt er einen kleinen Teil des frontobasal gelegenen Großhirns ein. Der Paläocortex ist in drei Schichten aufgeteilt. Zu seinen Aufgaben gehören der Empfang und die Weiterleitung aller olfaktorischen Impulse von den Riechnerven. Über das Riechhirn werden die Geruchseindrücke verarbeitet und diskriminiert. Zu dem Paläocortex gehört der Riechkolben. Dieser erinnert optisch an einen Schmetterlingsfühler.

Aus evolutionärer Sicht stellt der Geruchssinn eine wichtige Informationsquelle dar. Andere Sinneseindrücke wie das Schmecken sind stark mit ihm verbunden. Darüber hinaus warnt dieses System sehr eindringlich vor Gefahrensituationen. Anatomisch zeigt sich die Besonderheit in der Form, dass die Informationen des Geruchs anders als bei den anderen Sinneseindrücken von der Nase direkt zur Hirnrinde geleitet werden. Die sonst vorhandene Umschaltung im Thalamus entfällt hier vollständig.

Anatomie & Aufbau

Die Großhirnrinde bzw. der Cortex cerebri ist ein Teil des Endhirns. Dieses wird als Telencephalon bezeichnet und besteht histologisch aus dem Isocortex und dem Allocortex.

Gemeinsam mit dem Archicortex bildet der Paläocortex den Allocortex. Beide stellen über 50% des Rindenvolumens. Im Laufe der Evolution hat er kontinuierlich an Umfang und Bedeutung verloren. Der Allocortex besteht aus drei Schichten. Im Einzelnen sind das die Lamina molecularis oder Stratum moleculare genannt. Sie entällt die apikalen Dendriten der Pyramidenzellen. Die zweite Schicht bildet die Lamina pyramidalis oder auch Stratum pyramidale genannt. Sie beinhaltet die Zellkörper der Pyramidenzellen. Die letzte Schicht ist die Lamina multiformis oder Stratum oriens. In ihr befinden sich die basalen Dendriten der Pyramidenzellen.

Der Paläocortex wird auch als der olfaktorische Cortex bezeichnet. Zu ihm zählen die Riechbahn und die Riechrinde. Im Einzelnen besteht der Paläocortex aus dem Bulbus olfactorius sowie dem Tractus olfaktorius. Weiterhin zählen das Tuberculum olfactorium, das Septum mit der Stria diagonalis und der präpiriforme Cortex zu ihm. Ebenso werden kortikale Anteile des Corpus amygdaloideum dem Paläocortex zugeordnet. Ein Teil der Riechrinde wird zur Amygdala gezählt.

Funktion & Aufgaben

Vom Paläocortex werden olfaktorische Informationen an verschiedene vegetative Zentren sowie den Thalamus weitergeleitet. Der Thalamus leitet die Signale anschließend an frontobasale Neocortexareale weiter. Diese bilden den sogenannten sekundären olfaktorischen Cortex. Dort werden die wahrgenommenen Informationen analysiert, interpretiert und erkannt.

Das Riechsystem reguliert eine wichtige Funktion bei der Erkennung von Gefahrensituationen. Dazu zählen Situationen wie Feuer, aber auch giftiges Essen. Damit steuert der Paläocortex in Gefahrensituationen lebenserhaltende Appetenz- und Abwendungsbewegungen. Der Paläocortex verantwortet Verhalten wie Brechreiz bei ekelerregenden Gerüchen. Ebenso werden angenehme Gerüche von ihm interpretiert und lösen vegetative Reaktionen aus. Positive Reize wie der Geruch von schmackhaften Speisen bewirken durch seine Tätigkeit Vorgänge wie den Speichelfluss. Bei der Fortpflanzung nimmt der Paläocortex eine Art Auswahlfunktion der Partnerwahl ein.

Der Geruch des Partners ist entscheidend beim Paarungsverhalten und Elementen wie der Familienplanung. Über den Körpergeruch prüft der Organismus automatisch und damit unbewusst, ob der potentielle Partner hinsichtlich seiner immungenetischen Ausstattung für die Arterhaltung ausreichend geeignet ist. Evolutionär bedingt finden sich Paare mit dem Ziel, dass der mögliche Nachwuchs die optimale genetische Ausstattung erhalten soll. Nur mit einem stabilen Immunsystem und starkem Körperbau kann die Abwehr von Krankheiten und damit der Erhalt der Art gewährleistet werden.

Das Corpus amygdaloideum befindet sich im vorderen Drittel des Temporallappens und hat Faserbeziehungen zu wichtigen Zentren des limbischen Systems. Hier spielen sie eine essenzielle Rolle bei der emotionalen Modulation vegetativer Parameter. Diese sind bedeutend bei der Steuerung von Verhalten, das durch Angst und Wut ausgelöst wird.

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Krankheiten

Beeinträchtigungen und Läsionen im Paläocortex führen zu einem Verlust wichtiger sozialer wie emotionaler Funktionen.

Bereits eine Erkältung lässt vermuten, welche Wirkungen Läsionen im Paläocortex haben können. Der Geruch wird von den Rezeptorzellen in der Nasenschleimhaut aufgenommen. Sind diese durch Schwellungen nicht voll funktionsfähig, hat das Einfluss auf die Verarbeitung von Gerüchen. Sie können dazu führen, dass kein Geruch mehr wahrgenommen und interpretiert werden kann. Darüber hinaus hat es Auswirkungen auf den Geschmackssinn. Der Geruchs- und der Geschmackssinn stehen in unmittelbarer Verbindung zueinander. Speisen und Getränke verlieren an Geschmack, sobald der Geruchssinn beeinträchtigt ist.

Die Funktionstätigkeit des Paläocortex kann durch die Einnahme von Medikamenten beeinflusst werden. So verändert sich beispielsweise bei der Einnahme von Verhütungsmitteln wie der Antibabypille der Geruchssinn. Dies hat Auswirkungen bei der Partnerwahl und damit bei der Fortpflanzung.

Der Paläocortex übernimmt eine wichtige Funktion bei dem Erlernen von emotionalen Gedächtnisinhalten. Erinnerungen werden detaillierter und länger im Gedächtnis gespeichert, wenn sie an Gerüche gebunden sind. Dies führt dazu, dass positive Gerüche schneller erkannt und vor gefährlichen Gerüchen ein größerer Abstand gehalten wird. Bei Erkrankungen kann dieser Vorgang nicht mehr ausreichend stattfinden.

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