Ovarialinsuffizienz

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 18. September 2017
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Eine Ovarialinsuffizienz ist eine Funktionsstörung der Ovarien (Eierstöcke), die auf verschiedene Ursachen zurückgeführt werden kann und sich in unterschiedlichen Ausprägungen manifestiert. Unbehandelt mündet eine ovarielle Funktionsstörung oftmals in einer Sterilität (Unfruchtbarkeit) der betroffenen Frau und einem unerfülltem Kinderwunsch.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Ovarialinsuffizienz?

Als Ovarialinsuffizienz wird eine Funktionsstörung der Eierstöcke infolge einer hormonell bedingten Fehlregulation der Follikelreifung oder eines vorzeitig aufgebrauchten Follikelvorrats in den Ovarien bezeichnet.

In ihrer leichteren Ausprägung äußert sich eine Ovarialinsuffizienz anhand einer Corpus luteum Insuffizienz (Gelbkörperschwäche), bei welcher zwar Ovulationen (Eisprünge) stattfinden, aber eine eingeschränkte Progesteronsynthese vorliegt. Prämenstruelle Schmierblutungen, Brustspannen und/oder Ödeme (Wassereinlagerungen) sind Anzeichen dieser leichten Form.

Eine stärker ausgeprägte Ovarialinsuffizienz zeichnet sich durch Anovulation (fehlender Eisprung) aus und führt zu einem vollständigen Ausbleiben der Progesteronproduktion. Der weibliche Organismus ist einem Überschuss an Östrogenen ausgesetzt, was langfristig zu Veränderungen des Endometriums (Gebärmutterschleimhaut), Dauerblutungen und einem Endometriumkarzinom führen kann.

Bei der schwersten Variante einer Ovarialinsuffizienz liegt eine Amenorrhoe (ausbleibende Regelblutung) mit komplett fehlender Follikelreifung vor, wodurch die Östrogensynthese so stark nachlässt, dass ein Mangel des Sexualhormons entsteht, der Osteoporose, Herz-Kreislauferkrankungen sowie klimakterische Symptome (u.a. Schlafstörungen, Hitzewallungen) bedingen kann.

Ursachen

Eine Ovarialinsuffizienz wird in Abhängigkeit von der zugrundeliegenden Ursache in verschiedene Formen unterteilt. Bei einer primären Ovarialinsuffizienz liegt entweder eine genetisch bedingte Funktionsstörung (Turner-Syndrom, Gonadendysgenesien, Swyer-Syndrom) oder ein vorzeitig erschöpfter Follikelvorrat infolge chemo- bzw. strahlentherapeutischer Maßnahmen, Nikotinkonsums, schwerer Infektions- oder Autoimmunerkrankungen in den Ovarien selbst vor.

Die sekundären Formen einer Ovarialinsuffizienz sind auf Beeinträchtigungen der Hypophysen- oder Hypothalamusfunktion zurückzuführen. So besteht bei der hypophysären Ovarialinsuffizienz aufgrund einer Hypophysenfehlfunktion, die u.a. durch Prolaktinome (benigne Hypophysengeschwulste), eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) oder Stress bedingt werden kann, eine erhöhte Prolaktinkonzentration.

Die hyperandrogenämische Ovarialinsuffizienz charakterisiert ein erhöhter Testosteronspiegel, der eine gestörte Follikelreifung nach sich zieht und durch PCO (polyzystische Ovarien), Hyperthecosis ovarii oder ein adrenogenitales Syndrom verursacht wird.

Die hypothalamische Variante wird in der Regel durch Essstörungen (Bulimie, Anorexie), Leistungssport, psychischen Stress oder genetisch durch das sogenannte Kallmann-Syndrom hervorgerufen und geht mit einer fehlregulierten Gonadoliberinausschüttung aus dem Hypothalamus einher, wodurch die Synthese von Gonadotropinen (u.a. FSH) gestört ist.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Der Verdacht auf eine Ovarialinsuffizienz leitet sich in den meisten Fällen aus einem unregelmäßigen Menstruationszyklus ab. Zur Bestimmung der spezifisch vorliegenden Form werden u.a. die Hormonwerte im Serum bestimmt.

So ist bei einer primären Ovarialinsuffizienz der LH- und FSH-Wert, bei der hypophysären die Prolaktin- und bei der hyperandrogenämischen die Testosteron- und DHEAS-Konzentration im Serum erhöht. Zudem können bei Letzterer oftmals polyzystische Ovarien im Sonogramm (Ultraschallbild) nachgewiesen werden. Bei der hypothalamischen Ovarialinsuffizienz sind hingegen sämtliche Hormonkonzentrationen (LH, FSH, Progesteron, Östradiol) erniedrigt oder im Normbereich.

Weitere erniedrigte Hormonwerte (Gonadotropine, Insulin, Prolaktin) weisen auf ein Kallmann-Syndrom. Prognose und Verlauf hängen bei einer Ovarialinsuffizienz maßgeblich von der zugrundeliegenden Ursache ab. Während für die primäre Form bisher keine erfolgversprechenden Therapiemaßnahmen existieren und ein Kinderwunsch oftmals unerfüllt bleibt, hängt der Therapieerfolg bei den sekundären Formen der Ovarialinsuffizienz meist von der Mitwirkung der Betroffenen sowie der kausalen Therapie ab.

Komplikationen

Bei der Ovarialinsuffizienz treten in der Regel dann Komplikationen auf, wenn die Erkrankung unbehandelt bleibt. In diesem Fall kann es zu einer vollständigen Unfruchtbarkeit der Frau kommen, sodass ein Kinderwunsch nicht mehr auf herkömmlichen Wege erfüllt werden kann. Dabei kann es weiterhin zu verschiedenen psychischen Beschwerden und möglicherweise auch zu Depressionen kommen.

Die Lebensqualität der Patienten wird von der Ovarialinsuffizienz deutlich eingeschränkt. Ebenso leiden die betroffenen Frauen an Schmierblutungen und auch an Zyklusstörungen. Dadurch treten auch oft Stimmungsschwankungen oder Wassereinlagerungen an unterschiedlichen Stellen des Körpers auf. Durch die Unfruchtbarkeit kann es möglicherweise auch zu Komplikationen oder Spannungen mit dem eigenen Partner kommen. In der Regel kann die Ovarialinsuffizienz nicht kausal behandelt werden.

Falls die Frau schon unfruchtbar ist, kann auch diese Beschwerde leider nicht mehr behandelt werden. Weiterhin kann diese Insuffizienz durch Hormone therapiert werden. Komplikationen treten dabei nicht auf. Auch dem Kinderwunsch kann mit Hilfe einer passenden Behandlung nachgegangen werden. Die Lebenserwartung der Betroffenen wird von der Ovarialinsuffizienz nicht beeinflusst. Sollte die Ovarialinsuffizienz allerdings aufgrund einer anderen Grunderkrankung oder durch eine Essstörung auftreten, so muss diese Erkrankung zunächst diagnostiziert und behandelt werden.

Behandlung & Therapie

Die therapeutischen Maßnahmen richten sich bei ovariellen Insuffizienzen nach der spezifisch vorliegenden Form. Eine primäre Ovarialinsuffizienz ist in der Regel irreversibel und kann bei Kinderwunsch nicht therapiert werden.

Betroffenen Frauen unter 40 Jahren wird eine hormonelle Substitutionstherapie zur Kompensation des Östrogenmangels empfohlen. Die Therapie der hypophysären Ovarialinsuffizienz zielt auf eine Normalisierung des Prolaktinspiegels durch Medikamente, die die Prolaktinsynthese hemmen und so den Menstruationszyklus wiederherstellen. Liegt der Fehlfunktion ein Prolaktinom zugrunde, wird dieses medikamentös durch Dopaminagonisten behandelt.

Ein operativer Eingriff ist lediglich dann angezeigt, wenn benachbarte Strukturen durch dieses beeinträchtigt werden. Die hyperandrogenämische Variante kann hormonell durch eine antiandrogene Pille behandelt werden. Besteht ein Kinderwunsch, ist standardmäßig eine zusätzliche Stimulationstherapie der Ovarien indiziert. Die Therapie der hypothalamischen Ovarialinsuffizienz zielt auf die kausale Behandlung der individuell zugrundeliegenden Ursache.

Begleitend wird betroffenen Frauen bei fehlendem Kinderwunsch eine Hormonersatztherapie zur Vermeidung von Osteoporose und Herz-Kreislauferkrankungen empfohlen. Bei Bestehen eines Kinderwunsches kann die gestörte Gonadoliberinausschüttung durch eine kleine Mikropumpe, die am Körper getragen wird, simuliert und so ein Schwangerschaftseintritt induziert werden.

Geht die Ovarialinsuffizienz auf Essstörungen oder psychischen Stress zurück, sollten die betroffenen Frauen zusätzlich psychologisch bzw. psychiatrisch betreut werden.

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Vorbeugung

Einer Ovarialinsuffizienz kann lediglich bedingt vorgebeugt werden. Der Verzicht auf Nikotinkonsum, ein Vermeiden von Unter- oder Übergewicht, das Erlernen von Stressbewältigungstechniken sowie eine konsequente Therapie von Erkrankungen, die das hormonelle Gleichgewicht beeinträchtigen können, minimiert das Risiko für ovarielle Funktionsstörungen.

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Quellen

  • Goerke, K., Steller, J., Valet, A.: Klinikleitfaden Gynäkologie. Urban & Fischer, München 2003
  • Kaufmann, M., Costa, S.-D., Scharl, A. (Hrsg.): Die Gynäkologie. Springer, Berlin 2013
  • Weyerstahl, T., Stauber, M.: Gynäkologie und Geburtshilfe, duale Reihe. Thieme, Stuttgart 2013

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