Oto-spondylo-megaepiphysäre Dysplasie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 25. Oktober 2016Geprüfte Qualität
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Die oto-spondylo-megaepiphysäre Dysplasie ist eine mutationsbedingte Skelettdysplasie. Die Patienten leiden leitsymptomatisch an Defekten des Knochen- und Knorpelgewebes sowie Innenohrschwerhörigkeit. Die Behandlung erfolgt rein symptomatisch und beinhaltet meist Schmerztherapie.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine oto-spondylo-megaepiphysäre Dysplasie?

Skelettdysplasien sind angeborene Störungen der Knochen oder des Knorpelgewebes und werden auch als Osteochondrodysplasien bezeichnet. Eine Unzahl von Erkrankungen fällt in die Gruppe der Skelettdysplasie. Eine davon ist die oto-spondylo-megaepiphysäre Dysplasie (OSMED), ein angeborener und vererbbarer Gewebsdefekt.

Die Erkrankung ist auch als Dysplasia spondyloepiphysaria bekannt und manifestiert sich bereits in der Neugeborenen-Zeit durch Symptome wie Innenohrschwerhörigkeit und Skelettanomalien. Die Prävalenz der Erkrankung wird mit weniger als einem Fall auf 1 000 000 Menschen angegeben. Damit zählt die oto-spondylo-megaepiphysäre Dysplasie zu den seltenen Erbkrankheiten und kann sowohl in einer homozygoten, als auch in einer heterozygoten Form auftreten.

Die homozygote Form der Erkrankung wird als Nance-Sweeney-Syndrom, Insley-Astley-Syndrom, OSMED (autosomal-rezessiv) oder OSMED (homozygot) bezeichnet. Für die heterozygote Form stehen die Bezeichnungen OSMED (autosomal-dominant), OSMED (heterozygot) sowie Pierre-Robin-Syndrom mit fetaler Chondrodysplasie, Stickler-Syndrom Typ III und Weissenbacher-Zweymüller-Syndrom (WZS). Bislang wurde in der Literatur von nur etwa 30 Fällen der oto-spondylo-megaepiphysären Dysplasie berichtet.

Ursachen

Der oto-spondylo-megaepiphysären Dysplasie liegen Mutationen im COL11A2-Gen zugrunde. Die Ursache der Erkrankung liegt demnach in den Genen. Die ursächlichen Mutationen liegen im Gen-Locus 6p21.32 oder betreffen das COL2A1-Gen in Locus 12q13.11. Demzufolge mutiert im Kontext der Erkrankung genau das Genmaterial, das an der Bildung von Knorpelkollagen beteiligt ist.

Die genannten Gene kodieren für ein Protein, das speziell für die Bildung von Typ-XI-Kollagen eine entscheidende Rolle spielt. Mutationen in den Genen führen zu Defekten im Aufbau des Proteins, die mit einem Funktionsverlust einhergehen. Aufgrund dieses Funktionsverlustes kann im Körper der Patienten kein physiologisch gesundes Typ-XI-Kollagen hergestellt werden. Aus diesem Grund zählt die oto-spondylo-megaepiphysäre Dysplasie zu den Typ-XI-Kollagenopathien.

Ein Großteil der bisher dokumentierten Fälle basiert auf homozygoten Mutationen im COL11A2-Gen auf Locus 6p21.3, das im Einzelnen für die Alpha-2-Kette von Typ-XI-Kollagen kodiert. Abhängig von der Form wird die Erkrankung entweder im autosomal-dominanten oder im autosomal-rezessiven Erbgang weitergegeben. Klinisch ergibt sich für die Dysplasie eine wesentliche Überlappung mit anderen Syndromen, die auf einer Mutation des beschriebenen Gens basieren.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Patienten mit oto-spondylo-megaepiphysärer Dysplasie leiden an unterschiedlichen Symptomen, die zum Großteil das Knorpel- und Knochengewebe betreffen. Leitsymptomatisch findet sich an den Betroffenen in der Regel eine Schallempfindungsschwerhörigkeit. Darüber hinaus liegen meist Knochenanomalien wie vergrößerte Epiphysen vor.

Es kommt zu Skelettdysplasien mit unproportioniert verkürzten Extremitäten. Neben Wirbelkörperanomalien treten häufig charakteristische Gesichtszüge auf. Typisch fasziale Merkmale sind neben einem unterentwickelten Mittelgesicht eine auffällig kurze Nase mit antevertiertem Nares, ein flacher Nasenrücken und ein langes Philtrum. Daneben fallen in vielen Fällen Gaumenspalten, Mikrogenie oder Hypertelorismus ins Auge.

Meist manifestiert sich die Erkrankung im zweiten Lebensjahrzehnt in Form von Gelenkschmerzen, die häufig eingeschränkte Beweglichkeit nach sich ziehen. Das betrifft vor allem die Metacarpo-phalangeal-Gelenke, wobei gleichzeitig mit diesen Symptomen in vielen Fällen Osteoarthritis auftritt. Die Schallempfindungsschwerhörigkeit ist meist nicht-progredient. Im Einzelfall können weitere Symptome auftreten, die sich häufig mit anderen Syndromen überschneiden.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose einer oto-spondylo-megaepiphysären Dysplasie erfolgt nach klinischen Merkmalen. Der erste Verdacht entsteht meist blickdiagnostisch. Die Blickdiagnose wird durch typische Röntgenbefunde wie verkürzt lange Knochen zu großen Epiphysen, ausgeweiteten Metaphysen und koronaren Spaltwirbeln oder Platyspondylie unterstützt.

OSMED überlappt klinisch besonders häufig mit dem Weissenbacher-Zweymuller-Syndrom (WZS) oder dem Stickler-Syndrom. Die differentialdiagnostische Abgrenzung zum Stickler-Syndrom begründet sich im Fehlen der Augensymptomatik. Eine differentialdiagnostische Abgrenzung von OSMED und WZS stellt sich als schwierig heraus, da dem WZS ebenfalls ebenfalls heterozygote COL11A2-Mutationen zugrunde liegen. Die Prognose für Patienten mit oto-spondylo-megaepiphysärer Dysplasie hängt von den klinischen Symptomen im Einzelfall ab, so vor allem von der Schwere der Osteoarthritis.

Behandlung & Therapie

Eine kausale Behandlung steht für Patienten mit oto-spondylo-megaepiphysärer Dysplasie bislang nicht zur Verfügung. Da es sich um einen genetischen Defekt handelt, könnten Fortschritte im Bereich der Gentherapie in den nächsten Dekaden ursächliche Therapiewege eröffnen. Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt haben gentherapeutische Ansätze die klinische Phase allerdings nicht erreicht.

Aus diesem Grund wird die oto-spondylo-megaepiphysäre Dysplasie rein symptomatisch behandelt. Nicht alle Symptome der Erkrankung sind ohne Weiteres behandelbar. Die faszialen Auffälligkeiten lassen sich durch invasive Verfahren aber oft korrigieren. In einer Operation kann zum Beispiel ein Verschluss der Gaumenspalte erreicht werden.

Darüber hinaus lässt sich gegen die moderate Innenohrschwerhörigkeit vorgehen. In diesem Zusammenhang ist eine Audiometrie inklusive der Anpassung eines Hörgeräts indiziert. Falls sich trotz dieser Maßnahmen keine Besserung der Schwerhörigkeit erzielen lässt, erhalten die Patienten eine supportive Therapie und erlernen beispielsweise Gebärdensprache.

Um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern, werden etwaige Gelenkschmerzen gelindert. Hierzu kommen in der Regel konservativ medikamentöse Behandlungen zum Einsatz. Die sporadische Gabe von Schmerzmitteln reicht oft nicht aus, um den chronischen Schmerz dauerhaft zu stillen. Daher kann den Betroffenen im Rahmen einer Schmerztherapie zum Beispiel eine Pumpe mit schmerzstillenden Substanzen implantiert werden.

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Vorbeugung

Bislang lässt sich der oto-spondylo-megaepiphysären Dysplasie nur in begrenztem Umfang vorbeugen. Da es sich um eine erbliche Erkrankung handelt, konzentriert sich die Prävention vor allem auf genetische Beratung in der Phase der Familienplanung.

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