Osteoidosteom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. September 2017
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Unter einem Osteoidosteom wird eine gutartige Tumorveränderung im Skelett verstanden. Beschwerden entstehen durch den benignen Knochentumor eher selten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Osteoidosteom?

Osteoidosteom ist die Bezeichnung für einen Tumor, dessen Ursprung in den Osteoblasten (speziellen Knochenzellen) liegt. Der Knochentumor bringt es auf einen Durchmesser von bis zu zwei Zentimetern. Besonders häufig kommt er an Röhrenknochen vor. Dazu gehören in erster Linie der Oberschenkelknochen (Femur) sowie das Schienbein (Tibia).

Das Osteoidosteom rangiert in der Häufigkeit von gutartigen (benignen) Knochenveränderungen auf dem dritten Platz hinter dem Osteom und dem nichtossifizierenden Fibrom. Der Knochentumor zeigt sich vorwiegend im Jugendalter. Besonders betroffen ist der obere Abschnitt des Oberschenkelknochens. Aber auch Schienbein und Wirbelsäule sind nicht selten von den Veränderungen betroffen.

Der Anteil des Osteoidosteoms an Knochentumoren liegt bei rund 14 Prozent. In den meisten Fällen zeigt es sich bei männlichen Jugendlichen im Alter zwischen 10 und 20 Jahren. Mitunter tritt der Tumor auch vor dem 10. Lebensjahr auf. Ab dem 30. Lebensjahr ist er nur noch sehr selten zu verzeichnen.

Ursachen

Seinen Ursprung nimmt das Osteoidosteom an der äußeren harten Rinde des Knochengewebes. Wodurch der gutartige Knochentumor verursacht wird, ließ sich bislang nicht herausfinden. Ein Osteom wird in manchen Fällen vererbt. In der Diskussion über die Auslöser des Tumors stehen äußere physikalische und chemische Einflüsse. Auch Verletzungen sowie nukleare Strahlen gelten als denkbare auslösende Faktoren.

Gutartige Knochentumore zeigen sich oftmals bei einem zu rasanten Wachstum der Knochen. Als möglicher Risikofaktor gelten zudem Wachstumshormone. Die Medizin unterscheidet bei Knochentumoren zwischen Osteoidosteomen, Osteomen und Osteoblastomen, die von den Knochenzellen ausgehen, Osteochondromen, Chondroblastomen und Chondromen, deren Ursprung im Knorpelgewebe liegt, Osteoklastomen und Knochenfibromen, deren Ausgang sich im Bindegewebe befindet, sowie Knochenhämangiomen, deren Ursprung das Gefäßgewebe ist.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

In vielen Fällen ruft ein Osteoidosteom keine Beschwerden hervor. Bei einigen Patienten kann es jedoch zu Schmerzen kommen, die vor allem in den Nachtstunden auftreten. Sie setzen meist plötzlich ein und zeigen sich am Knie, an der Hüfte oder im Rücken. Eindeutig auf ein Osteoidosteom weisen die Beschwerden jedoch nicht hin.

Sie treten unabhängig von Bewegung auf und kommen aus der Tiefe. Meist bessern sich die Schmerzen nach der Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS). Gelegentlich kann der gutartige Tumor sogar ertastet werden, der sich als lokale Schwellung bemerkbar macht.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Führen die Schmerzen durch das Osteoidosteom den jungen Patienten zu einem Arzt, befasst dieser sich erst einmal mit der Krankengeschichte (Anamnese). Dabei erkundigt sich der Mediziner danach, seit wann, wie oft und an welcher Stelle die Schmerzen auftreten. Im Anschluss an die Befragung wird eine körperliche Untersuchung vorgenommen. Gelegentlich kann der Arzt den Tumor dabei ertasten.

Um weitere Aufschlüsse zu erhalten, kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz. Dazu gehört vor allem das Anfertigen von Röntgenaufnahmen. Auf den Bildern lässt sich meist eine Auftreibung der Kortikalis (Knochenrinde) erkennen. Des Weiteren besteht eine bindegewebige Verdichtung, die eine Größe von wenigen Zentimetern aufweist. Im Zentrum der Verdichtung ist ein runder aufhellender Herd zu erkennen, der als Nidus bezeichnet wird.

Mithilfe einer Computertomographie (CT) lässt sich das Ausmaß des Tumors ermitteln. Eine weitere Diagnosemethode stellt das Knochenszintigramm dar. Bei diesem Verfahren werden radioaktive Stoffe in das Knochengewebe verabreicht. Der Arzt kann dadurch die vermehrte Aufnahme von Technetium feststellen. Zur Sicherung der Diagnose findet eine Knochenbiopsie (Entnahme von Gewebe) statt.

Anschließend wird die entnommene Probe in einem Labor unter einem Mikroskop feingeweblich untersucht. Als Hinweis auf ein Osteoidosteom gilt Bindegewebe, das gut durchblutet und von einem sklerotischen Knochen umgeben wird. Blutuntersuchungen eignen sich eher zum Ausschluss von anderen Erkrankungen, weil das Osteoidosteom keinerlei Veränderungen im Blut hervorruft.

Ein Osteoidosteom nimmt einen positiven Verlauf. So kommt es nicht zur Entstehung von Metastasen (Tochtergeschwülsten). Ebenso gilt ein bösartiges Entarten als ausgeschlossen. Wird der gutartige Knochentumor durch eine Operation entfernt, erfolgt dadurch normalerweise eine Heilung.

Komplikationen

Das Osteoidosteom selbst verursacht in der Regel keine Komplikationen. Es handelt sich um einen gutartigen Knochentumor, welcher keine Tendenz zur Entartung besitzt. Die Erkrankung macht sich aber mit Schmerzen bemerkbar, die meist nachts auftreten. Da die Schmerzen häufig chronisch werden, müssen diese unbedingt behandelt werden.

Unbehandelt können sie jedoch Auslöser von verschiedenen Komplikationen wie Wachstumsstörungen, Arthrosen oder Skoliosen sein. Die Schmerzen verursachen Haltungsschäden durch ständiges Vermeidungsverhalten. Diese Folgeschäden können zu eingeschränkter Beweglichkeit und zusätzlichen chronischen Schmerzen führen. Als weitere Folgen können natürlich psychische Probleme wie Depressionen auftreten, wenn beim Patienten das Gefühl entsteht, nicht mehr am täglichen Leben teilnehmen zu können.

Das ist für die betroffenen Personen besonders gravierend, weil die Erkrankung meist in einer besonders sensiblen und stürmischen Phase des Wachstums im Alter von 11 bis 20 Jahren auftritt. Um diese schwerwiegenden Auswirkungen zu vermeiden, wird bei vorhandenem Osteoidosteom zunächst versucht, die Schmerzsymptomatik medikamentös durch die Gabe von ASS zu mildern. In manchen Fällen hilft das allerdings nicht.

Dann ist eine chirurgische Entfernung des Tumors angesagt. Auch eine Abtragung (Ablation) des Nidus mit Hilfe toxischer Substanzen oder Radiofrequenztherapie ist möglich. Das früher häufige Verfahren der Kürettage wird heute nicht mehr durchgeführt, weil es hier durch unvollständiges Abtragen häufig zu Rezidiven kam.

Behandlung & Therapie

Nicht immer ist eine Behandlung des Osteoidosteoms notwendig, sofern keine Beschwerden vorliegen und der Knochen stabil ist. Außerdem muss die Diagnose gesichert sein. Das Ziel einer Therapie besteht darin, die Schmerzen zu beseitigen und den Knochen wieder zu stabilisieren.

Die Therapie eines Osteoidosteoms findet operativ statt. So muss der Knochentumor komplett entfernt werden, um Beschwerdefreiheit zu erreichen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass er sich später erneut bildet. Das Vorgehen bei einem chirurgischen Eingriff richtet sich danach, an welcher Körperstelle sich der Tumor befindet.

Ist er in einem Bereich lokalisiert, in dem nur geringe körperliche Belastungen stattfinden, operiert ihn der Chirurg blockartig aus dem betroffenen Knochenbereich heraus, wobei er gleichzeitig den Randsaum entfernt. Nimmt der Tumor hingegen eine ungünstige Position ein und besteht deswegen Knochenbruchgefahr, wird zunächst die Knochenrinde soweit abgetragen, bis sich der Nidus im Operationsbereich erkennen lässt.

Dessen Abtragung erfolgt mit einer chirurgischen Kürette. Allerdings hat diese Methode den Nachteil, dass sich der Tumor möglicherweise nicht vollständig entfernen lässt. Dies gilt besonders bei schwer zugänglichen Operationsbereichen. Ein Vorteil des Verfahrens liegt dagegen in der Belastungsstabilität des Knochengewebes sowie in der geringeren Knochenbruchgefahr.

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Vorbeugung

Einem Osteoidosteom vorzubeugen ist nicht möglich. So sind die verantwortlichen Ursachen nach wie vor unbekannt.

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Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014
  • Pfeifer, B., Preiß, J., Unger, C. (Hrsg.): Onkologie integrativ. Urban & Fischer, München 2006

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