Osgood-Schlatter

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 21. September 2017
Startseite » Krankheiten » Osgood-Schlatter

Morbus Osgood-Schlatter ist eine Störung der Ossifikation (Verknöcherungsprozess knorpeliger Strukturen) im Kniebereich, von welcher in erster Linie Jugendliche zwischen neun und fünfzehn Jahren, insbesondere im Zusammenhang mit Wachstumsschüben, betroffen sind. Jungen sind mit einem Verhältnis von 3:1 bis zu 7:1 häufiger von Osgood-Schlatter betroffen als Mädchen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Osgood-Schlatter?

Als Osgood-Schlatter bzw. Morbus Osgood-Schlatter wird eine vergleichsweise häufige aseptische (nicht infektiöse) Osteochondrose der Tuberositas tibiae bezeichnet, die als rauer Knochenfortsatz der vorderen Schienbeinkante den Patellarsehnenansatz (Schienbeinrauhigkeit) bildet.

Durch die gestörte Ossifikation kann es zudem bei Überlastung des Knies zu abgelösten Ossikeln (kleine Knochensegmente) kommen, die im weiteren Verlauf absterben können (Osteonekrose). Infolge der Irritation der Patellarsehne manifestiert sich Osgood-Schlatter anfänglich anhand bewegungs- sowie druckbedingter Schmerzen im Bereich der Schienbeinrauhigkeit.

Ferner kann die Erkrankung ausgeprägte Schwellungen bedingen, die bei Zugbelastung über die Patellarsehne zu ausgeprägten Schmerzen führen. Im fortgeschrittenen Stadium kann ein Morbus Osgood-Schlatter Vorwölbungen im betroffenen Kniebereich verursachen, die sich teilweise verschieben lassen.

Ursachen

Die genaue Ätiologie des Morbus Osgood-Schlatter ist bislang ungeklärt. Vermutet wird, dass die aseptische Osteochondrose durch eine Überlastung des betroffenen Kniebereichs hervorgerufen wird.

Die Überlastung entsteht durch eine Diskrepanz zwischen Belastbarkeit und tatsächlicher Belastung des knorpeligen Kernes der Tuberositas tibiae aufgrund trainingsbedingter Mikroverletzungen oder Übergewicht. Die Diskrepanz zieht wiederum eine gestörte Ossifikation des Knorpelkernes sowie eine beeinträchtigte Verschmelzung desselben mit dem angrenzenden Schienbeinknochen nach sich.

Auch die hormonelle Umstellung während der Pubertät kann eine reduzierte Belastbarkeit der Tibia (Schienbein) und somit eine ungleich verteilte Belastung im Knie sowie einen verstärkten Patellarsehnenzug nach sich ziehen. Daneben wird angenommen, dass lokal begrenzte Durchblutungsstörungen einen Osgood-Schlatter bedingen können.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Charakteristische Symptome wie belastungsabhängige Schmerzen und eine ausgeprägte Druckempfindlichkeit in den typischen Kniearealen geben erste Hinweise auf einen Morbus Osgood-Schlatter.

Im Rahmen sonographischer und röntgenologischer Untersuchungen kann anhand der Auflockerung der knöchernen Strukturen sowie abgelöster Ossikel die für Osgood-Schlatter typische Verschmelzungsstörung des Kernes der Tuberositas tibiae mit den angrenzenden Knochenstrukturen nachgewiesen werden. Zudem sollte die Erkrankung differenzialdiagnostisch von einem Iliotibialband-Syndrom (Läuferknie) abgegrenzt werden.

Gegebenfalls wird in uneindeutigen Fällen die Diagnose durch eine Kernspintomographie und/oder Szintigraphie, die gleichzeitig Aussagen über mögliche Stoffwechselstörungen ermöglicht, abgesichert. Wird ein Morbus Osgood-Schlatter frühzeitig diagnostiziert und konsequent therapiert, weist die Erkrankung in aller Regel eine gute Prognose auf und heilt fast immer spätestens nach Abschluss der Wachstumsphase folgenlos aus.

Komplikationen

Bei dieser Krankheit leiden die Betroffenen in den meisten Fällen an Knochenbeschwerden. Es kommt dabei zu einer sehr starken Verknöcherung, die sich sehr negativ auf die Lebensqualität des Betroffenen auswirkt. In der Regel leiden dabei vor allem Kinder, sodass auch das Wachstum und die Entwicklung des Kindes durch die Krankheit deutlich verzögert sind. Dabei kann sich die Krankheit auch auf das Erwachsenenalter sehr negativ auswirken und zu Komplikationen führen.

Die Patienten leiden dabei an Schmerzen, die vor allem an den Knien auftreten können. Auch das Anspannen der Muskeln ist in den meisten Fällen mit Schmerzen verbunden, sodass die Kinder auch an Sportarten nicht ohne Weiteres teilnehmen können. An den Beinen selbst kommt es dabei ebenfalls zu starken Schmerzen, die auch ohne Belastung in Form von Ruheschmerzen auftreten können. Auch sind die Regionen in vielen Fällen angeschwollen oder mit Blutergüssen behaftet.

Die Behandlung dieser Krankheit erfolgt ohne Komplikationen mit Hilfe von Krankengymnastik. Dabei können die Beschwerden eingeschränkt werden. Auch eine Stoßwellentherapie kann zur Heilung betragen. Ob allerdings eine vollständige Heilung eintreten wird, kann nicht vorausgesagt werden. Die Lebenserwartung des Patienten wird krankheitsbedingt allerdings nicht verringert.

Behandlung & Therapie

Da ein Morbus Osgood-Schlatter auf eine Überbelastung zurückgeführt wird, zielen die therapeutischen Maßnahmen vor allem auf eine Entlastung der betroffenen Strukturen. Hierzu ist im Frühstadium in aller Regel eine Belastungskarenz durch Schonung, entzündungshemmende Schmerzmittel (Antiphlogistika), Kühlung und Krankengymnastik angezeigt.

Knie- oder Kniescheibenstraps können zusätzlich zur Schmerzlinderung beitragen. Darüber hinaus werden betroffene Kinder und Jugendliche gegebenenfalls vom Schulsport befreit. Liegen schwerwiegendere Veränderungen bzw. ein fortgeschritteneres Erkrankungsstadium vor, kann eine Ruhigstellung des Knies durch einen Gipstutor (Gipsverband), der die Rotation des Kniegelenks einschränkt, indiziert sein. Dieser Gipstutor wird individuell an das betroffene Knie angepasst, um den Druck auf die Patella (Kniescheibe) und ein potenzielles Abrutschen zu vermeiden.

In einigen Fällen werden auch Unterarmstützen zur vollständigen Entlastung des betroffenen Knies empfohlen. Unterstützend können lokal applizierte Salben zum Einsatz kommen. Ebenso kann ein Negativabsatz (Absatzerniedrigung) der Schuhsohle zur Kniescheibenentlastung beitragen. Seit kurzer Zeit wird zudem die extrakorporale Stoßwellentherapie zur Heilungsbeschleunigung angewandt, obgleich noch nicht geklärt werden konnte, welche Faktoren für den individuellen Therapieerfolg bzw. –misserfolg verantwortlich sind.

In Ausnahmefällen kann bei abgelösten Ossikeln wie Sequestern (abgestorbenes und demarkiertes Knochengewebe), Gelenkmäusen (freie Gelenkkörper) oder Knochenausziehungen, die die Bänder reizen und die Beweglichkeit des Kniegelenks einschränken, ein operativer Eingriff angezeigt sein. Die chirurgische Ossikelentfernung sollte hierbei erst nach Abschluss der Wachstumsphase durchgeführt werden. Ferner sollte bei von Morbus Osgood-Schlatter betroffenen Kindern, die zusätzlich eine Adipositas aufweisen, eine Gewichtsreduzierung angestrebt werden.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Da die zugrundeliegende Ätiologie für einen Morbus Osgood-Schlatter bisher nicht vollständig geklärt ist, existieren keine prophylaktischen Maßnahmen in Bezug auf die Erkrankung. Die Vermeidung von Übergewicht sowie einer einseitigen Belastung der die Kniegelenk unterstützenden Muskulatur kann allerdings einem Osgood-Schlatter vorbeugen bzw. die Beschwerden minimieren.

Bücher über Osgood-Schlatter

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: