Orthostatische Dysregulation

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. September 2017
Startseite » Krankheiten » Orthostatische Dysregulation

Als orthostatische Dysregulation wird eine Regulationsstörung des Blutdrucks bezeichnet. Sie entsteht, wenn die betroffene Person eine aufrechte Körperhaltung annimmt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine orthostatische Dysregulation?

Die orthostatische Dysregulation ist in der Medizin auch als Orthostase-Syndrom oder orthostatische Hypotonie bekannt. Gemeint ist damit eine Regulationsstörung des Blutdrucks, wenn der Mensch in eine aufrechte Körperposition wechselt.

Der Begriff Orthostase entstammt dem Griechischen und bedeutet „aufrechter Stand“. Die orthostatische Dysregulation wird zu den Formen der Arterielle arteriellen Hypotonie gerechnet. Dabei besteht eine Fehlfunktion der Orthostase-Reaktion, die bei gesunden Menschen dafür sorgt, dass es auch in aufrechter Stellung zu einer einwandfreien Arbeit des Herz-Kreislaufsystems kommt.

Die orthostatische Hypotonie hat jedoch Beschwerden wie Herzrasen, Schwächegefühle, Schwindel und Übelkeit zur Folge, wenn der Mensch eine aufrechte Körperhaltung einnimmt. Setzt oder legt der Betroffene sich wieder hin, lassen die Symptome schnell wieder nach.

Die Medizin teilt die Regulationsstörung in drei Formen ein:

  • die sympathikotone orthostatische Hypotonie
  • die asympathikotone orthostatische Hypotonie
  • das posturale orthostatische Tachykardiesyndrom.

Ursachen

Während mit dem Begriff Hypotonie niedriger Blutdruck gemeint ist, bezeichnet eine orthostatische Hypotonie einen abrupt einsetzenden Abfall des Blutdrucks nach dem Aufstehen. Bei diesem Vorgang kommt es zum Abfluss des Blutes vom Kopf in Richtung Füße. Als Reaktion auf diesen Vorgang fällt der Herzschlag schneller aus und es erfolgt das Zusammenziehen der Blutgefäße, sodass der Blutdruck rasch ansteigt.

Der Organismus kann das Blut in kurzer Zeit zum Kopf zurückbefördern. Setzt diese Reaktion jedoch zu langsam ein, bewirkt dies kurzfristig einen unzureichenden Zufluss des Blutes in Richtung Gehirn, wodurch sich der Betroffene benommen fühlt. Eine lebensbedrohliche Störung ist die orthostatische Dysregulation nicht, sie kann jedoch mitunter zu einem Bewusstseinsverlust und sogar zu einem Sturz führen, der mit einer Verletzung einhergeht.

Nicht selten ist ein erhöhtes Lebensalter für eine orthostatische Dysregulation verantwortlich. So büßt der Körper im Laufe der Jahre die Fähigkeit zur Orthostase-Reaktion teilweise ein. Aber auch bestimmte Krankheiten gelten als Risikofaktor für ein Orthostase-Syndrom. Dazu gehören in erster Linie die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) sowie Erkrankungen, von denen die Nerven in Mitleidenschaft gezogen werden, die für die Blutdruckregulation von Bedeutung sind.

Eine weitere mögliche Ursache für eine orthostatische Dysregulation ist die Einnahme von bestimmten Medikamenten. Dabei handelt es sich um Arzneimittel, die gegen Bluthochdruck wirken und für eine Gefäßerweiterung sorgen. Neben Blutdruckmitteln kommen außerdem Diuretika, Zytostatika, Medikamente gegen die Parkinson-Krankheit, Hypnotika.

Aber auch Tranquilizer, trizyklische Antidepressiva, Opiate, Psychopharmaka, Insulin, Muskel-Relaxantien sowie Alkohol und Drogen wie Marihuana kommen als Auslöser eines Orthostase-Syndroms infrage. Weitere denkbare Ursachen sind Herz- und Blutgefäßerkrankungen wie eine Herzinsuffizienz oder eine Herzbeutelentzündung.

Auch eine Verengung der Aorta oder Störungen beim Herzschlag, Infektionen, eine Schilddrüsenunterfunktion, Fehlfunktionen von Hypophysenvorderlappen und Nebennierenrinde, dauerhafter Bewegungsmangel, längere Bettlägerigkeit sowie ein Mangel an Flüssigkeit.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die orthostatische Dysregulation ist durch unspezifische Symptome gekennzeichnet. In der Regel zeigen sie sich nach einem plötzlichen Lagerungswechsel des Körpers, was vor allem das Aufstehen nach dem Liegen betrifft. Steht der Betroffene über einen längeren Zeitraum, können sich die Beschwerden noch verstärken.

Als allgemeine Symptome gelten ein Gefühl der Kälte, Übelkeit, Blässe, Schweißausbrüche und innere Unruhe. Außerdem kommt es häufig zu Herzrasen, einem Gefühl der Beklemmung, Schwindelanfällen, Kopfschmerzen, Benommenheit, Unsicherheiten beim Gehen und Stehen, Ohrensausen, Augenflimmern sowie ein Gefühl der Leere im Kopf.

Aufgrund der Beschwerden ist der Patient dazu gezwungen, sich wieder zu setzen oder hinzulegen. In diesem Fall verschwinden die Symptome meist rasch wieder. In manchen Fällen ist aber auch eine kurze Ohnmacht möglich, durch die das Risiko eines schweren Sturzes und damit verbundenen Verletzungen besteht.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Verdacht auf eine orthostatische Dysregulation ergibt sich zumeist schon durch die Krankengeschichte des Patienten. Um die Diagnose abzusichern, führt der behandelnde Arzt meist eine Kipptischuntersuchung oder einen Schellong-Test durch. Beim Schellong-Test bleibt der Patient für fünf bis zehn Minuten auf einer Untersuchungsliege, während sein Blutdruck und Puls gemessen werden.

Anschließend soll er schnell aufstehen und fünf bis zehn Minuten stehenbleiben. Auch in diesem Zeitraum werden Puls und Blutdruck kontrolliert. Beim Kipptisch-Test schnallt der Arzt den Patienten auf einem Tisch fest, der sich kippen lässt. Nach einer Ruhephase von zwanzig Minuten kippt er den Tisch und richtet den Patienten damit auf.

Nachdem er zwanzig Minuten eine stehende Position eingenommen hat, wird der Tisch wieder zurückgekippt und der Vorgang wiederholt. In den meisten Fällen nimmt die orthostatische Dysregulation einen positiven Verlauf. So bessern sich die Beschwerden bei rund 80 Prozent aller Patienten wieder.

Komplikationen

In den meisten Fällen kommt es bei dieser Krankheit nicht zu besonderen Komplikationen und in der Regel auch nicht zu einem lebensgefährlichen Zustand. Die Symptome und Beschwerden können bei verschiedenen Patienten dabei unterschiedlich stark auftreten. In der Regel leiden die meisten Betroffenen bei dieser Krankheit allerdings an Blässe und Übelkeit. Es kommt zu Kopfschmerzen und zu einem Schleiersehen nach dem Wechsel der Position.

Auch ein Augenflimmern oder ein Ohrensausen kann dabei auftreten. Beim Gehen kommt es zu einer Unsicherheit und die Betroffenen wirken benommen und verwirrt. Meistens verschwinden die Beschwerden relativ schnell wieder, wenn sich der Patient hinlegt oder hinsetzt. Besondere Komplikationen treten dabei nicht auf. Allerdings kann es in schwerwiegenden Fällen eine Bewusstlosigkeit beim Patienten einsetzen, wobei sich dabei gegebenenfalls verletzt.

Eine Behandlung der Erkrankung ist nur in schwerwiegenden Fällen notwendig. Diese erfolgt mit Hilfe von Medikamenten und führt nicht zu weiteren Komplikationen. Sollte eine andere Grunderkrankung für diese Beschwerden verantwortlich sein, so muss diese zuerst behandelt werden. In der Regel wird die Lebenserwartung des Betroffenen krankheitsbedingt nicht eingeschränkt.

Behandlung & Therapie

Soweit möglich, sollte die Therapie der orthostatischen Dysregulation ohne die Gabe von Medikamenten erfolgen. Nur in schweren Fällen erhält der Patient Alpha-Adrenozeptor-Agonisten. Um der Hypotonie, die zumeist in den Morgenstunden auftritt, entgegenzuwirken, wird empfohlen, beim Aufstehen Übungen für den Kreislauf durchzuführen.

So lässt sich der venöse Rückstrom durch das Aktivieren der Unterschenkelmuskeln schon im Liegen stimulieren. Bevor der Betroffene aufsteht, kann er auch zuvor zwei Minuten sitzen bleiben. Als hilfreich gilt außerdem eine kühle Umgebung, da die Kälte ebenfalls den venösen Rückstrom steigert. Oftmals schafft auch schon eine starke Tasse Kaffee Abhilfe.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Um Beschwerden durch die orthostatische Dysregulation vorzubeugen, wird ein langsames und nicht zu schnelles Aufstehen empfohlen. Als sinnvoll gilt zudem das Schlafen mit erhöhtem Oberkörper.

Bücher über orthostatische Dysregulation und niedrigen Blutdruck

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: