Orthorexia nervosa

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 21. August 2017
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Nicht jede Beschäftigung mit gesundem Essen ist sofort als Essstörung zu bewerten. Bei der als Orthorexia nervosa bezeichneten Erkrankung leiden die Betroffenen unter einer übertriebenen Obsession nach gesundem Essen und missionieren zudem ihr Umfeld. Bei offensichtlichem Untergewicht sollten Familienangehörige an diese Erkrankung denken und den Betroffenen ermutigen, Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Orthorexia nervosa?

Orthorexia nervosa ist eine Essstörung, die 1997 von Dr. Steve Bratman erstmals beschrieben wurde. Die Betroffenen streben nach möglichst gesundem Essen und verbieten sich im Laufe der Erkrankung immer mehr Lebensmittel, die sie als ungesund einstufen.

Es kommt dabei weniger auf die Essensmenge als vielmehr auf deren Zusammensetzung an. Patienten mit Orthorexia nervosa können jedoch trotzdem Mangelzustände erleiden, weil sie auf immer mehr Lebensmittel verzichten, sodass es in der Folge auch zu lebensbedrohlichem Gewichtsverlust, ähnlich wie bei der Anorexie, kommen kann. Die Patienten fühlen sich allen Personen, die ein normales Essverhalten zeigen, überlegen und verbringen immer mehr Zeit mit der Auswahl und der Zubereitung sowie der Einnahme ihrer Mahlzeiten.

Manchmal beschäftigen sie sich mehrere Stunden am Tag mit dem Thema Essen, sodass sie auch ihr soziales Umfeld vernachlässigen. Bei der Zusammensetzung ihrer Mahlzeiten setzen sie sich dabei zunehmend engere Grenzen.

Ursachen

Menschen mit Orthorexia nervosa sind besessen von dem Gedanken an Nahrungsmittel und deren Kategorisierung in gesund und ungesund. Häufig beginnt die Störung schleichend als Prozess, um eine andere Erkrankung zu kurieren oder das allgemeine Befinden zu verbessern.

Berichte aus den Medien über Massentierhaltung, verschiedene Lebensmittelskandale und der diskutierte Einsatz von Gentechnik zur Herstellung von Lebensmitteln können zum Auslöser dieser Erkrankung werden.

Bei der Orthorexia nervosa geht das Gesundheitsbewusstsein jedoch weit über das Normalmaß hinaus, bestimmte Lebensmittel eine Zeit lang zu meiden.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Die Diagnose der Orthorexia nervosa stellt ein Arzt oder ein Psychologe nach einem ausführlichen Gespräch mit dem Patienten. Möglicherweise fallen dabei bereits Mangelerscheinungen auf. Da sich die Betroffenen jedoch für besonders gesund halten, besteht meist keine Einsicht erkrankt zu sein.

Es kann im Verlauf zu Konzentrationsstörungen, Antriebslosigkeit und Untergewicht kommen. Auffällig ist zudem, dass Betroffene versuchen, ihr soziales Umfeld zu missionieren und zu einem gesünderen Essverhalten zu animieren. Oft bringen Betroffene von Orthorexia nervosa zu Feierlichkeiten unter bestimmten Vorwänden ihr eigenes Essen mit, da sie nicht mehr in der Lage sind, an einem gemeinsamen Essen teilzunehmen.

Komplikationen

Orthorexia nervosa kann eine einseitige Ernährung begünstigen. Mögliche körperliche Komplikationen, die daraus entstehen können, sind Untergewicht und Mangelerscheinungen wie Eisen- oder Vitamin-B-12-Mangel. Obwohl Orthorexia nervosa keine abgrenzbare und diagnostizierbare Essstörung darstellt, kann sie mit anderen Essstörungen einhergehen.

Zum Beispiel ist es möglich, dass eine magersüchtige Person nicht nur die Kalorienmenge einschränkt, die sie zu sich nimmt, sondern auch alle ungesunden Lebensmittel aus ihrer Ernährung verbannt. Orthorektiker betrachten ihren Zustand oft nicht als Krankheit, sondern als freie Entscheidung. In dieser Hinsicht gleichen sie vielen Magersüchtigen.

Wie bei Magersüchtigen, so ist auch bei Orthorektikern die Behandlung zu Beginn oft sehr schwierig, wenn das Krankheitsbewusstsein fehlt. Verschiedene psychische Erkrankungen und Syndrome können als Komplikation von Orthorexia nervosa entstehen oder mit ihr einhergehen. Zu den häufigsten gehören depressive Störungen.

Orthorexia nervosa kann jedoch auch ohne körperliche und psychische Komplikationen verlaufen. Die Unterschiede zwischen einzelnen Betroffenen und ihren Essgewohnheiten sind zu groß, um eine allgemeine Aussage zu treffen. Die häufigste Komplikation ist die soziale Isolation, die sich absichtlich oder unabsichtlich entwickeln kann. Orthorektiker ziehen sich oft von anderen Menschen zurück, da sie sich missverstanden fühlen oder aufgrund ihrer Essgewohnheiten auf Spott stoßen.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung der Orthorexia nervosa ist die einer Essstörung und erfolgt ambulant oder in schweren Fällen stationär. Wenn das Untergewicht lebensbedrohlich ist, muss gegebenenfalls eine Magensonde gelegt werden, um die Ernährung zu sichern.

Sobald sich der Betroffene stabilisiert hat, sollte sich eine psychologische Betreuung anschließen. Der Patient wird ermutigt, zunächst zu einer Krankheitseinsicht zu finden und anschließend ein normales Essverhalten zu erlernen. Es geht vor allem darum, dass die Betroffenen die Mahlzeiten wieder entspannt erleben und dabei auch genießen können. Auch das Denken an Nährwerttabellen und die Gesundheitsaspekte der einzelnen Nahrungsmittel müssen sich beim Patienten so verändern, dass er sich auch ehemals verbotene Nahrungsmittel gönnt, weil sie ihm schmecken.

Hier ist eine stationäre Therapie möglich. Es gibt jedoch auch ambulante Möglichkeiten. Eine psychologische Betreuung oder eine Psychotherapie kann dabei den Behandlungserfolg festigen und alte Denkmuster wirkungsvoll verändern. Grundsätzlich muss der Patient bei der Orthorexia nervosa unbedingt an seiner Genesung mitwirken, da ansonsten alle Maßnahmen zur Gewichtszunahme verpuffen und er sofort nach der Entlassung aus der Therapie zu den gewohnten Denkmustern zurückkehren wird.

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Vorbeugung

Maßnahmen zur Vorbeugung der Orthorexia nervosa gibt es nur bedingt. Sobald die Beschäftigung mit der Ernährung ein normales Maß überschreitet und sich beispielsweise auf die Ausübung der täglichen Pflichten auswirkt oder zur dauerhaften Vernachlässigung der sozialen Kontakte führt, sollte das persönliche Essverhalten selbstkritisch beurteilt werden. Je früher einer Orthorexia nervosa entgegengewirkt wird, desto einfacher lässt sie sich letztlich langfristig behandeln.

Bücher über Mangelernährung

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015
  • Möller, H.-J., Laux, G., Deister, A.: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2015

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