Orthopoxvirus variola

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. August 2017
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Das Virus Orthopoxvirus variola ist der Auslöser der Pocken, einer gefährlichen Infektionskrankheit, die es vermutlich schon seit Jahrtausenden gibt. Der Name Pocken bedeutet Blase oder Tasche und bezieht sich auf die Hautveränderungen, die eines der deutlichsten Symptome dieser Krankheit sind.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Orthopoxvirus variola?

Das humane Pockenvirus (Orthopoxvirus variola) wurde vermutlich um 1906 durch den mexikanisch deutschen Impfarzt Enrique Paschen erstmals nachgewiesen. Ihm gelang es, in der Lymphflüssigkeit eines infizierten Kindes mit Hilfe eines Lichtmikroskopes die sogenannten Elementarkörperchen zu entdecken, die nach ihm als Paschensche Körperchen benannt wurden.

Jedoch haben bereits die alten Ägypter diese Krankheit gekannt. Sie nannten sie Uhedu Krankheit. Im alten China sprach man zur Zeit des Baues der Großen Mauer von den Hunnenpocken und die alten Römer nannten die Pocken Antoninische Pest.

Neben den Echten Pocken (variola major oder variola vera) gibt es noch die Weißen Pocken (variola minor) und die Ostafrikanischen Pocken, auch als Schwarze Blattern bekannt. Neben diesen humanen Pockenviren existieren außerdem noch verschiedene Tierpocken-Viren wie zum Beispiel die Affenpocken, die Kuhpocken und Kamelpocken, die über die betreffenden Zwischenwirte auch auf den Menschen übertragen werden können.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Die Pocken haben in der Vergangenheit immer wieder verheerende Epidemien ausgelöst, an denen Millionen Menschen starben. Sie galten als eine der biblischen Plagen, wüteten im Römischen Reich Jahrzehnte lang, rotteten Teile der Ureinwohner Amerikas, Afrikas und Australiens aus und kamen vermutlich mit den Kreuzrittern auch nach Europa. Damals starben hier geschätzt über 400.000 Menschen jährlich an den Folgen der Erkrankung. Zeitweise überstieg die Zahl der Pockenkranken und Todesopfer sogar die Zahlen der Pest- oder der Cholera-Toten.

Berühmte Persönlichkeiten der Geschichte wie Luis XV, König von Frankreich und Navarra oder der russische Zar Peter II. starben daran. Beethoven wurde vermutlich durch die Pocken taub, das Gesicht Josef Haydns wurde von Pockennarben entstellt.

Ab Anfang des 19. Jahrhunderts gab es Pockenschutzimpfungen mit Lebendimpfstoffen, wodurch es gelang, die Pocken schnell zurückzudrängen. Die Zahl der Neuinfektionen sank. 1967 begann die Weltgesundheitsorganisation WHO einen weltweiten Feldzug zur Ausrottung der Pocken, eine allgemeine Impfpflicht wurde eingeführt und 1980 wurde von der WHO festgestellt, dass das Pockenvirus praktisch als ausgestorben gelten kann. Daraufhin wurden die allgemeinen Pockenimpfungen wieder abgeschafft. Es gibt allerdings in vielen Ländern der Welt (auch in Deutschland) immer noch einen Vorrat an Impfstoffen zur Vorbeugung möglicher Pockenausbrüche und zur Frühbehandlung eventuell gefährdeter oder infizierter Personengruppen.

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Krankheiten & Beschwerden

Die letzten registrierten Fälle von Menschenpocken traten 1975 in Bangladesh, 1978 in Birmingham und in Somalia auf. Allerdings gibt es, zumindest in den USA und in Russland, auch heute noch Forschungseinrichtungen, in denen Pockenviren lagern.

Seit dem Wegfall der Pockenschutzimpfungen hat sich vor allem in Afrika die Zahl der Menschen erhöht, die zum Beispiel an den Affenpocken (orthopoxvirus simiae) oder Kuhpocken (orthopoxvirus bovis) erkranken. Bisher traten diese Pockenarten bei geimpften Personen nicht auf, da ein sogenannter "Überkreuz-Infektionsschutz" gegeben ist. Außerdem befürchten einige Forscher, dass die Tier-Pockenarten im Laufe der Zeit auch mutieren könnten und dadurch eine Übertragung von Mensch zu Mensch wahrscheinlicher wird.

Das humane Pockenvirus ist theoretisch übertragbar durch Tröpfcheninfektion beim Husten und Niesen, aber auch durch Einatmen von Staub aus infiziertem Bettzeug, Bekleidung, Geschirr oder anderen Gegenständen, mit denen der Erkrankte Kontakt hatte. Auch Laborunfälle sind möglich.

Die Affenpocken können auf den Menschen übertragen werden, wenn infizierte Nagetiere, Ratten oder Affen Menschen beißen, kratzen oder die Menschen das Fleisch infizierter Tiere verzehren. Kuh- und Kamelpocken werden zum Teil beim Melken übertragen.

Die Inkubationszeit der Pockenviren beträgt durchschnittlich 2 Wochen. Beim Ausbruch der Krankheit kommt es zu einem schweren Krankheitsgefühl. Die Betroffenen haben hohes Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen, Halsentzündungen und geschwollene Lymphknoten. Das Fieber verläuft allgemein in zwei Schüben, nach dem zweiten Fieberschub kommt es zu den für Pocken typischen Hautveränderungen. Die Pusteln und Hautblasen breiten sich vor allem im Gesicht, am Hals, auf der Brust, der Leistenregion und den Füßen aus.

Wenn die Pocken nach Wochen austrocknen und abfallen, hinterlassen sie häufig Hautdellen oder Pockennarben. Bei besonders schwerem Krankheitsverlauf kann es auch zu schlimmen Folgeschäden wie Lähmungen, Hirnschäden und Erblindung kommen. Aber auch leichtere Verläufe kommen häufig vor. Die Ansteckungsgefahr bei Pocken ist sehr hoch. Die Behandlungsmöglichkeiten beschränken sich auf strenge Bettruhe, fiebersenkende Mittel und Schmerzmittel, sowie die Behandlung von Sekundär-Erkrankungen.

Früher starb ein Großteil der an Pocken erkrankten Menschen. Im 20. Jahrhundert lag die Mortalitätsrate bei etwa 30 Prozent. Besonders Patienten mit geschwächtem Immunsystem, ältere Menschen und Kinder trifft die Krankheit sehr stark. Bei den mit Tierpocken infizierten Menschen ist die Sterblichkeitsrate deutlich geringer und liegt etwa bei einem Prozent. Wer Pocken übersteht, ist anschließend resistent und somit ein Leben lang vor der Krankheit geschützt.

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