Orthomolekulare Psychiatrie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. September 2017
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In der orthomolekularen Psychiatrie (OMP) sollen psychische Erkrankungen mittels konzentrierter Verabreichung von Vitaminen, Zink und anderen Substanzen geheilt werden, die auf natürliche Weise im menschlichen Körper vorkommen. Auf diese Weise will sie optimale molekulare Bedingungen für einen gesunden Geist und Verstand schaffen beziehungsweise erhalten. In der medizinischen Praxis hat sich die orthomolekulare Psychiatrie jedoch nicht wie erhofft etablieren können. Sie vermochte bis heute keinen ausreichenden Nachweis ihrer Wirksamkeit zu erbringen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die orthomolekulare Psychiatrie?

Als Begründer dieser umstrittenen Theorie gelten der Kanadier Abram Hoffer und der Brite Humphry Osmond. Beide Ärzte verordneten an Schizophrenie erkrankten Patienten hohe Dosen von Niacin (Vitamin B3). Die Menge erreichte bis zu 17 Gramm pro Tag.

In den 1950er Jahren stellten Hoffer und Osmond ihre Theorie auf, dass schizophrene Menschen einen von Adrenalin abgeleiteten Körperstoff (Adrenochrom) bilden können, der wie bekannte Drogen halluzinogen wirkt. Ihren Überlegungen lag die Erkenntnis zu Grunde, dass die Vitaminmangelkrankheit Pellagra mit der Zufuhr von Niacin erfolgreich zu behandeln ist. Der US-Amerikaner Carl C. Pfeiffer baute auf diesem Konzept auf und brachte ein System von „Biotypen der Schizophrenie“ hervor. Es basierte auf der Annahme, dass verschiedene Erscheinungen der psychischen Krankheit mit dem Mangel an Histamin, Zink und Vitamin B6 sowie einer Glutenallergie und generellen Fehlernährung zu tun haben können.

Als Pfeiffer im Jahr 1988 starb, kamen die OMP-Forschungen weitgehend zum Erliegen. Seither wurde im Gegenteil deutlich, dass hochdosierte Vitamingaben die allgemeine Gesundheit der Patienten sogar gefährden können. Nur wenige Vitaminpräparate sind heutzutage beispielsweise ein Deutschland als Arzneimittel zugelassen. Sie befinden sich in der Regel als Nahrungsergänzungsmittel im Handel und dürfen keine Heilungsversprechen abgeben. In hohen Dosen sind sie wegen möglicher toxischer Wirkungen für Körper und Geist nicht zulässig.

Funktion, Wirkung & Ziele

Die orthomolekulare Medizin ist durch die Definition des US-amerikanischen Biochemikers und Nobelpreisträgers Linus Pauling (1901-1994) geprägt worden. Das aus dem Griechischen stammende Wort orthomolekular bedeutet sinngemäß die Verwendung der richtigen Nährstoffe (Moleküle) in den richtigen Mengen.

Pauling präzisierte die Bezeichnung und sprach von der Erhaltung guter Gesundheit und der Behandlung von Krankheiten durch die Veränderung der Konzentration von Substanzen, die normalerweise im Körper des Menschen vorhanden und für die Gesundheit erforderlich sind. Im Jahr 1968 hatte Pauling sein Konzept der orthomolekularen Psychiatrie vorgestellt. Mit der richtigen Konzentration körpereigener Wirkstoffe sollte die Ernährung des Menschen derart gestaltet werden, dass sie präventiv und therapeutisch gegen akute und chronische Krankheiten hilft. Ernährung solle das Ziel haben, postulierte Pauling, nicht mehr nur einem Nährstoffmangel vorzubeugen, sondern für eine individuelle und bedarfsgerechte Versorgung mit Vitalstoffen zu sorgen.

In Fortsetzung der Arbeit von Hoffer und Osmond entdeckte Pauling die Wirksamkeit von Vitamin B1 gegen Depression und B12 gegen Psychosen. In der modernen Allgemeinmedizin werden auf orthomolekularer Grundlage wirksame Vitaminpräparate zum Beispiel gegen Xerophthalmie (Augenaustrocknung), perniziöse Anämie (Blutarmut), Osteoporose und Rachitis eingesetzt. Nicotinsäure zeigt Wirkung gegen einen zu hohen Cholesterinspiegel und Fluor ist ein anerkanntes Mittel zur Kariesprophylaxe. Die Orthomolekularmedizin beschäftigt sich ebenso mit der gesundheitlichen Relevanz von Mineralien, Spurenelementen, essentiellen Fett- und Aminosäuren.

Dahingehend hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass für den Stoffwechsel und die Immunabwehr des Menschen nicht die minimale, sondern die optimale Menge eines Nährstoffs am besten ist. Diese Qualität soll es dem Organismus ermöglichen, von selbst die optimale Zusammensetzung der körpereigenen Stoffe herzustellen. Zum Beispiel brachten diverse Optimierungstests den möglichen Einsatz von Omega-3-Fettsäuren bei der Linderung von Herzkrankheiten ins Gespräch. Das Prinzip der orthomolekularen Medizin lautet: Vordergründig sollen im Körper des Menschen vorhandene Stoffe die Ursache einer Erkrankung beseitigen, ehe künstlich hergestellte Medikamente nur die Symptome unterdrücken.

Im Idealfall regen diese orthomolekularen Substanzen die Selbstheilungskräfte des Menschen so stark an, dass Arzneimittel mit mehr oder wenigen unerwünschten Nebenwirkungen möglichst überflüssig werden. Deren Einsatz soll nur im wirklichen Bedarfsfall erfolgen. Bedeutsam in der orthomolekularen Medizin ist das Übergangsmetall Zink. Als essentieller Wirkstoff im Körper ist es hauptverantwortlich für das Immunsystem. Viele Erkältungskrankheiten und Infekte hängen ursächlich mit Zinkmangel zusammen, werden aber oft voreilig allein mit Antibiotika bekämpft. Erheblich wirksamer ist nach der Theorie der orthomolekularen Medizin dagegen eine bessere Versorgung mit Zink.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Die orthomolekulare Psychiatrie nimmt auf der Grundlage dieser Prinzipien an, dass vergleichbare Mängel an körpereigenen Stoffen auch psychische Störungen verstärken können. Stehen diese Substanzen in ausreichender Menge zur Verfügung, können sie die Folgen solcher Erkrankungen abmildern. Größere Defizite verschiedener Mikronährstoffe und Aminosäuren sind unter Umständen verantwortlich für Beeinträchtigungen der Gehirnfunktion.

Auch die aktuelle Konzentration der einzelnen Stoffe ist hier entscheidend. Sie kann deutlich von jener Konzentration abweichen, welche durch die Ernährung sowie die genetische Ausstattung eines konkreten Menschen zur Verfügung steht, stellte Linus Pauling fest. Psychische Symptome in Folge dieser Vitalstoffmängel zeigen sich unter Umständen früher als körperliche, meinen OMP-Spezialisten. Das könnte auf Stoffwechselanomalien zurückzuführen sein, beispielsweise eine geschwächte Durchlässigkeit der sogenannten Blut-Hirn-Schranke. Dann ist zwar das Vorkommen körpereigener Stoffe im normalen Bereich, jedoch kommt es im zentralen Nervensystem auf geringerem Niveau an. Bei Kindern kann sich dies in Konzentrationsmängeln und Lernstörungen, aber auch in Hyperaktivität äußern.

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Quellen

  • Ernst, E.: Praxis Naturheilverfahren. Springer, Berlin 2005
  • Federspiel, F., Herbst, V.: Die andere Medizin. Stiftung Warentest, Berlin 2005
  • Möller, H.-J.: Therapie psychischer Erkrankungen. Thieme, Stuttgart 2006

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