Orthomolekulare Medizin

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. September 2017
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Die orthomolekulare Medizin nach Linus Pauling ist eine alternativmedizinische Methode. Sie versucht, durch hoch dosierte Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente Krankheiten zu vermeiden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Orthomolekulare Medizin?

Die orthomolekulare Medizin wurde maßgeblich durch Linus Pauling geprägt, der heute als ihr Entwickler gilt. Sie geht davon aus, dass ein biochemisches Ungleichgewicht im Körper Krankheiten verursacht.

Um dieses Ungleichgewicht zu vermeiden, muss der Körper jederzeit mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen in ausreichender Menge versorgt werden. Ist er das, ist das Ungleichgewicht unwahrscheinlich und Krankheiten lassen sich nach Auffassung der orthomolekularen Medizin vermeiden. Da es keinen Nachweis über die Richtigkeit dieser Annahme gibt, handelt es sich um eine Sparte der Alternativmedizin. Die orthomolekulare Medizin beruht im Wesentlichen auf der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, die die enthaltenen Spurenelemente teils sehr hoch dosieren.

Es wäre natürlich auch möglich, diese hohen Dosen an Vitaminen und Mineralstoffen durch die Nahrung aufzunehmen, praktisch umsetzbar ist das aber in der Regel nicht. Befürworter der orthomolekularen Medizin greifen in der Praxis daher meist auf Nahrungsergänzung zurück.

Funktion, Wirkung & Ziele

Die orthomolekulare Medizin existiert mittlerweile seit einigen Jahrhunderten. Deswegen hatte sie auch schon verschiedenste Anwendungsgebiete. Eine der frühen Anwendungen war die sogenannte Megavitamintherapie, bei der sehr hoch dosierte Mengen von B-Vitaminen psychisch kranken Patienten bei Krankheitsbildern wie Depressionen oder Schizophrenie verschrieben wurden.

Heute dagegen wird die orthomolekulare Medizin jedem Menschen von der Alternativmedizin ans Herz gelegt, der gegen Krankheiten aller Art aktiv etwas unternehmen will. Der Ansatz geht schließlich davon aus, dass jede Krankheit grundsätzlich etwas mit Mangelerscheinungen und biochemischem Ungleichgewicht zu tun hat. Die orthomolekulare Medizin soll sich dabei auch vorbeugend bei schweren Krankheiten wie Krebs auswirken können. Gerade aufgrund dieser Behauptung steht sie allerdings auch in der Kritik, denn eine Reihe von Studien hat bereits keine Zusammenhänge zwischen der Behandlung von Krebs und der Gabe von hohen Dosen von Vitaminen feststellen können.

Nicht vollkommen verkehrt ist die orthomolekulare Medizin dagegen in der Supplementierung bei schwangeren Frauen oder Frauen mit Kinderwunsch. Da diese Frauen einen erhöhten Bedarf an Folsäure, Iod und später auch an Eisen haben, wird ihnen in dieser Zeit gerne hochdosierte Nahrungsergänzung verordnet, die aus dem Bereich der orthomolekularen Medizin stammen darf. Sie erhalten diese allerdings nicht unkontrolliert und auf Dauer, sondern in engmaschiger Kontrolle durch ihren begleitenden Gynäkologen, um eine Überdosierung insbesondere von Eisen zu vermeiden. Der heute übliche Einsatz der orthomolekularen Medizin besteht in der orthomolekularen Ernährung, bei der der Patient darauf achtet, Vitamine und Mineralstoffe in weit höheren Mengen als von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen einzunehmen.

Diese Richtlinie gilt nicht nur für einige, sondern für mehrere oder gar alle Mikronährstoffe. Hierzu behilft sich der Patient mit eigens darauf abgestimmten Nahrungsergänzungsmitteln aus der Apotheke, da es fast nicht möglich ist, durch die Nahrung allein die erforderlichen Mengen zu sich zu nehmen. Weiterhin kann die orthomolekulare Medizin auch bei schon bestehenden Krankheiten zum Einsatz kommen, wobei nun meist einzelne Mikronährstoffe in besonders hoher Dosis verordnet und eingenommen werden.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Die orthomolekulare Medizin überprüft selten, ob der Mensch bereits gut mit Mikronährstoffen versorgt ist. Sie geht vielmehr von einem allgemein vorherrschenden Mangel an Mikronährstoffen aus, der allerdings durch Studien nicht bestätigt werden konnte.

In Dritte-Welt-Ländern mag diese Annahme zutreffen, in industrialisierten Ländern gibt es aber nur noch wenige Mangelerscheinungen. Da die orthomolekulare Medizin jedoch ohne größere Untersuchungen Nahrungsergänzung empfiehlt, kann es sein, dass dies zu einer Überdosis führt. Obwohl die Annahme vorherrscht, man könne Vitamine nur schwer überdosieren, kann das durchaus passieren. Die Folgen scheinen sich Erkenntnissen aus mehreren Studien nach eher langfristig zu zeigen. Personen, die Vitamine über längere Zeit überdosierten, zeigten in diesen Studien beispielsweise eine erhöhte Sterblichkeit. Die Überdosis selbst kann diesen Erkenntnissen nach also erst zu Erkrankungen führen - obwohl die orthomolekulare Medizin behauptet, das Risiko der Erkrankung durch die hohe Dosierung zu senken.

Bei Mineralstoffen ist eine Überdosis viel schneller gefährlich, eine Überdosierung kann so schon relativ schnell ernste Symptome nach sich ziehen. Glücklicherweise werden Symptome meist schnell auf die Ursache zurückgeführt, wenn der Patient beim Arztbesuch angibt, sich nach der orthomolekularen Medizin zu richten. Eine weitere Gefahr sind die Behauptungen der orthomolekularen Medizin in Fällen von schweren Krankheiten wie etwa Krebs. Durch die Gabe verschiedener Vitamine und Mineralstoffe will sie die Erkrankung beeinflussen und eine etwaige Chemotherapie in manchen Fällen weniger toxisch machen können. Derartige Effekte wurden allerdings nicht nachgewiesen.

Wie bei vielen Formen der Alternativmedizin, die erkrankten Menschen bei schweren und potenziell lebensbedrohlichen Krankheiten helfen können wollen, sprechen sie den Menschen in einem psychisch sehr gefährlichen Moment an. Auf der Suche nach Hoffnung sind Menschen eher bereit, sich auf die Alternativmedizin einzulassen. Sie gefährden damit unter Umständen aber die Wirkung der Medikation, die ihnen wirklich helfen kann. Schlimmstenfalls lehnen sie diese sogar gänzlich ab, beenden die tatsächlich wirksame Therapie und ermöglichen damit ein schnelleres Voranschreiten der Erkrankung, da sie während einer alternativmedizinischen Behandlung de facto unbehandelt bleiben.

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Quellen

  • Ernst, E.: Praxis Naturheilverfahren. Springer, Berlin 2005
  • Federspiel, F., Herbst, V.: Die andere Medizin. Stiftung Warentest, Berlin 2005
  • Kraft, K., Stange, R. (Hrsg): Lehrbuch Naturheilverfahren. Hippokrates, Stuttgart 2010

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