Orthograde Darmspülung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. September 2017
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Die Orthograde Darmspülung ist eine Vorbereitungsprozedur zur Darmreinigung, damit daran anschließend eine Darmspiegelung durchgeführt werden kann. Auch wenn es um die Vorbereitung für bestimmte operative Eingriffe des Bauchraumes geht, ist die Orthograde Darmspülung medizinischer Standard.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Orthograde Darmspülung?

Orthograde Darmspülungen dienen der Vorbereitung von Darmuntersuchungen, damit der Arzt während einer Darmspiegelung uneingeschränkte Sicht auf die Darmschleimhaut hat. Insbesondere Stuhlreste können die freie Sicht auf die Schleimhaut erschweren oder ganz unmöglich machen, die entsprechenden Darmabschnitte können dann nicht diagnostisch beurteilt werden. In der Regel wird die Orthograde Darmspülung am Morgen vor der Untersuchung oder am Vortag durchgeführt.

Die Orthograde Darmspülung ist als Darmreinigungsprozess zu verstehen, bei der es erforderlich ist, dass der Patient während eines definierten Zeitraums nicht unerhebliche Mengen an verschiedenen Flüssigkeiten zur vollständigen Darmentleerung oral zuführen muss. Die meisten Patienten empfinden diesen Trinkprozess aber auch die anschließende Darmentleerung als eher unangenehm, denn es kann durchaus zu schweren Durchfällen kommen.

Bereits etwa eine Stunde nach dem Beginn der oralen Aufnahme der Spüllösung ist mit den ersten Entleerungen zu rechnen. Die Spüllösungen und Medikamente müssen jeweils auf das Körpergewicht und den Allgemeinzustand eines Patienten abgestimmt werden.

Funktion, Wirkung & Ziele

Eine Orthograde Darmspülung beginnt mit der Verabreichung von einer Polyethylenglykol-Lösung, PEG. ES handelt sich um 3 bis 5 Liter Lösung, welche innerhalb nur weniger Stunden komplett getrunken werden sollen. Die PEG-Lösung ist mit Aroma- und Geschmackszusätzen versehen. Während der Darmreinigung darf ansonsten nichts gegessen oder getrunken werden, außer klares Wasser ohne Kohlensäure.

Um Gefühlen von Übelkeit vorzubeugen, kann zusätzlich ein Zäpfchen mit dem antiemetischen Wirkstoff Dimenhydrinat verabreicht werden. Die Orthograde Darmspülung soll von den Patienten so lange durchgeführt werden, bis nur noch eine goldgelbe, möglichst klare Flüssigkeit ohne feste Bestandteile ausgeschieden wird. Um die Darmperistaltik noch besser anzuregen, kann zusätzlich zur Spülung ein Abführmittel verabreicht werden. Sollten Patienten unter einer chronischen Verstopfung infolge eines Laxantienabusus leiden, dann ist die zusätzliche Gabe eines Abführmittels obligat, denn anderenfalls kann das Ziel der vollständig gereinigten Darmschleimhaut kaum erreicht werden.

Orthograde Darmspülungen dienen der Vorbereitung von Darmuntersuchungen, damit der Arzt während einer Darmspiegelung uneingeschränkte Sicht auf die Darmschleimhaut hat.

Manche Patienten können auch nicht derart große Flüssigkeitsmengen in so kurzer Zeit zu sich nehmen. In diesen Fällen besteht die Möglichkeit, die Spüllösungen per Magensonde zu verabreichen, eine Variante, die von manchen Patienten sogar bevorzugt wird. Kurz vor der Untersuchung kann zusätzlich ein sogenannter hoher Einlauf erforderlich sein, dem das Abführmittel Bisacodyl beigefügt ist. Dieses Laxans wirkt unmittelbar abführend und entfernt so letzte Stuhlreste aus dem After. Die Orthograde Darmspülung dient insbesondere der Vorbereitung bei großen Bauchoperationen, zur Vorbereitung auf einen sogenannten Kolon-Kontrasteinlauf sowie zur vollständigen Darmentleerung vor einer Koloskopie, Jejunostoma und Ileoskopie.

Zur den vorbereitenden Handlungen für eine Orthograde Darmspülung gehört auch die ärztliche Aufklärung über Sinn und Zweck sowie Risiken. Die Risiken der Orthograden Darmspülung selbst sind sehr gering, ungleich höher sind die Risiken der sich daran anschließenden Untersuchungen. Im Arztgespräch werden auch alle Fragen des Patienten zum Ablauf und zur Durchführung der Orthograden Darmspülung genau besprochen. Die Orthograde Darmspülung gehört zu den dokumentationspflichtigen, medizinischen Untersuchungen, der Arzt hat daher eine umfangreiche Aufklärungspflicht.

Das Ergebnis des Gespräches wird schriftlich mit den Unterschriften des Arztes und des Patienten dokumentiert. Zur Vorbereitung gehört auch eine körperliche Untersuchung mit Feststellung des Ausgangsgewichtes. Zu den benötigten Materialien bei einer stationär durchgeführten Orthograden Darmspülung gehören ein Toilettenstuhl, ein sogenanntes Steckbecken sowie ein Bilanzbogen über die zugeführte Flüssigkeit. Neben der eigentlichen Spülflüssigkeit kann der Patient zusätzlich bis zu 12 Liter isotonische Kochsalzlösung trinken, was in der Regel zu einem gewollten osmotischen Durchfall führt.

Auch die Nachbereitung nach Abschluss der Untersuchung ist wichtig. Der Patient muss weiterhin beobachtet, sowie seine Vitalzeichen, sein Bewusstsein und seine Flüssigkeitsbilanzierung für einen vom Arzt individuell definierten Zeitraum überwacht werden. Die Orthograde Darmspülung kann auch bei inkontinenten Patienten durchgeführt werden, wenn vorher sogenannte Inkontinenzclips angelegt werden. Alle verwendenden Materialien müssen fachgerecht entsorgt werden.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Bei bestimmten Kontraindikationen kann eine Orthograde Darmspülung wegen zu hoher Risiken nicht durchgeführt werden. Zu den absoluten Kontraindikationen gehören mechanischer und paralytischer Ileus, Darmstenosen sonstiger Genese, Blutungen sowie schwere Entzündungen des Gastrointestinaltraktes außerdem schwere Herz- und Niereninsuffizienz.

Denn sind Herz oder Nieren schwer erkrankt, dann kann die große Flüssigkeitsmenge bei der Orthograden Darmspülung schnell zu erheblichen, auch lebensbedrohlichen Komplikationen führen. Der Grad einer Leistungsschwäche von Herz oder Nieren ergibt sich aus dem medizinischen Vorbefund durch körperliche Untersuchung, bildgebende Verfahren und Laborwerten. In jedem Einzelfall muss daher ärztlich entschieden werden, ob eine Orthograde Darmspülung durchgeführt werden kann oder nicht.

Die Orthograde Darmspülung wird immer wieder mit dem Einlauf verwechselt. Dieser dient jedoch nicht diagnostischen Zwecken, sondern einzig der schnellen Beseitigung einer Stuhlverstopfung. Es kommt immer wieder vor, dass eine Orthograde Darmspülung vorzeitig abgebrochen werden muss. Bei nicht bekannten oder nicht erkannten Vorerkrankungen kann es plötzlich zu Vitalzeichenveränderungen durch Kreislaufprobleme kommen, die einen sofortigen Abbruch der Spülprozedur zur Folge haben. Auch wenn der Patient nach Eingabe der Spüllösungen unter starken Bauchkrämpfen oder Schmerzen leidet, muss die Orthograde Darmspülung vorzeitig abgebrochen werden.

Die Gabe von Schmerzmitteln während einer laufenden Orthograden Darmspülung ist nicht üblich und Ausnahmefällen vorbehalten.zur Folge haben. Auch wenn der Patient nach Eingabe der Spüllösungen unter starken Bauchkrämpfen oder Schmerzen leidet, muss die Orthograde Darmspülung vorzeitig abgebrochen werden. Die Gabe von Schmerzmitteln während einer laufenden Orthograden Darmspülung ist nicht üblich und Ausnahmefällen vorbehalten.

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Quellen

  • Brühl, W., Wienert, V., Herold, A.: Aktuelle Proktologie. Uni-Med, Bremen 2011
  • Kraft, K., Stange, R. (Hrsg): Lehrbuch Naturheilverfahren. Hippokrates, Stuttgart 2010
  • Winkler, R., Otto, P., Schiedeck, T.: Proktologie. Thieme, Stuttgart 2011

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