Orofaziale Störung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 19. September 2017
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Eine Funktionsstörung des Mundes wird auch als orofaziale Störung bezeichnet. Die orofaziale Störung beeinträchtigt die Atmung, die Kommunikation sowie die Nahrungsaufnahme des Betroffenen. Aus diesen Gründen ist es wichtig, so schnell wie möglich eine Therapie zu beginnen, damit etwaige Komplikationen und Beeinträchtigungen behandelt werden können.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Orofaziale Störung?

Der Mediziner bezeichnet als orofaziale Störung etwaige Störungen, die im Rahmen der Mundmuskulatur sowie der Gesichtsmuskulatur auftreten (orale sowie faziale Störungen). Vor allem Kinder, die unter Bewegungsstörungen leiden, sind häufig von orofazialen Störung betroffen. Dabei handelt es sich oftmals um Schädigungen oder auch Funktionsstörungen des kindlichen Gehirns; klassisch ist etwa das Auftreten der orofazialen Störung bei Kinderlähmung.

Ursachen

Die Ursachen einer orofazialen Störung sind multifaktoriell. Das bedeutet, dass es nicht nur funktionelle, sondern auch organische Ursachen sein können, welche eine orofaziale Störung auslösen. Zu den klassischen Ursachen zählen - neben der Kinderlähmung - chronische beziehungsweise dauerhafte Entzündungen sowie auch Vergrößerungen der Gaumenmandeln (Tonsillen) oder auch häufige Infekte der Atemwege.

Auch Allergien, ein verkürztes Zungenbändchen oder genetisch bedingte Skelettanomalien können eine orofaziale Störung begünstigen oder auslösen. Mitunter sind aber auch psychische Belastungen und Stressfaktoren jeglicher Art mögliche Ursachen, die eine orofazialen Störung hervorrufen können. Auch sehr langes Daumenlutschen, Lippenlecken sowie die lange Verwendung eines Schnullers begünstigen eine orofazialen Störung.

Mitunter können auch ein erworbenes Fehlverhalten - etwa durch „falsche Flaschensauger“ oder Haltungsprobleme und eine fehlerhafte Körperspannung dafür sorgen, dass eine orofaziale Störung hervorgerufen wird. Mitunter kann die orofaziale Störung auch durch taktik-kinästhetische Störungen ausgelöst werden; ein Auftreten im Rahmen allgemeiner Entwicklungsbehinderungen (etwa auf Grund des Down-Syndroms) ist ebenfalls möglich.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Im Regelfall äußert sich die orofaziale Störung dadurch, dass die betroffenen Kinder nicht durch ihre Nase atmen können. Dies deshalb, da der Mundschluss fehlt. Mitunter können auch Schluckbeschwerden auftreten. Weitere Symptome sind auch Kommunikationsbeeinträchtigungen oder auch Probleme, die Nahrung richtig aufzunehmen. Die Symptome sind relativ leicht zu erkennen; sollte der Verdacht einer orofazialen Störung gegeben sein, sollte ein Mediziner kontaktiert werden.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Treten erste Symptome auf, die mitunter auf eine orofaziale Störung schließen lassen, sollte so schnell wie möglich ein Mediziner aufgesucht werden. Dies deshalb, da - je früher die Behandlung beginnt - der Verlauf der Störung positiv beeinflusst werden kann. Im Rahmen der Behandlung ist zuerst ein Anamnesegespräch vorgesehen; auch möchte der behandelnde Arzt Informationen über den Entwicklungsverlauf erfahren.

Selbst mögliche Ursachen spielen für die Diagnose eine Rolle, sodass die Eltern nicht nur über etwaige begünstigende Faktoren (Daumenlutschen), in Kenntnis sein sollten, sondern auch die Essgewohnheiten sowie die Ernährung des Kindes wissen müssen. Danach erfolgt die routinemäßige Lautüberprüfung und Überprüfung der Mundhöhle sowie des Zahnstatus.

In weiterer Folge überprüft der Mediziner die Wahrnehmung und Beweglichkeit jener Muskeln, die für den Schluckvorgang benötigt werden. Der Schluckvorgang wird im Rahmen der „Payne-Technik“ untersucht. Dabei klassifiziert der Mediziner auch den Einsatz von sogenannten „Lippenhaltern“.

Komplikationen

Bei dieser Krankheit kommt es in der Regel zu verschiedenen Komplikationen und Beschwerden an Mundraum des Betroffenen. In den meisten Fällen ist dadurch die Kommunikation des Patienten erheblich gestört, sodass es auch zu sozialen Problemen kommen kann. Dabei können vor allem Kinder oder Jugendliche an Mobbing und an Hänseleien leiden und dadurch auch psychische Beschwerden oder Depressionen entwickeln.

Weiterhin ist auch die Einnahme von Nahrung und Flüssigkeit für den Betroffenen nicht mehr ohne Weiteres möglich, sodass es zu Untergewicht oder zu verschiedenen Mangelerscheinungen kommen kann. Die Lebensqualität des Betroffenen wird durch diese Erkrankung erheblich verringert. Auch Schluckbeschwerden treten dabei oft auf und erschweren den Alltag des Patienten.

Weiterhin sind oft auch die Eltern und die Angehörigen des Patienten von dieser Krankheit betroffen und leiden damit an Depressionen oder an weiteren psychischen Beschwerden. Die Behandlung dieser Störung ist in den meisten Fällen nicht mit Komplikationen verbunden. In der Regel erfolgt diese mit Hilfe verschiedener Therapien. Ein Erfolg kann allerdings nicht garantiert werden. Möglicherweise wird der Betroffene damit sein gesamtes Leben lang auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen sein.

Therapie & Behandlung

Im Rahmen der orofazialen Störung wird eine ganzheitliche Therapie angewandt. Der Mediziner versucht im Rahmen der Behandlung, dass er ein muskuläres Gleichgewicht schafft, das natürlich vorwiegend im orofazialen Bereich vorhanden ist. Jenes Gleichgewicht basiert auf der sogenannten gesamtkörperlichen Balance; dazu zählen die Erdung, die Symmetrie, der Tonus, die Atmung und auch die Aufrichtung sowie Haltung des Patienten.

Zuerst erfolgt die KOST - dabei handelt es sich um die „körperorientierte Sprechtherapie“ nach Codoni. Der Mediziner erarbeitet dabei eine manuelle Sprech- und Stimmtherapie, versucht Elemente aus der sensorischen Integration zu fördern und achtet vorwiegend darauf, dass eine craniosakrale Therapie erfolgt.

Nach Durchführung und Erstellung der KOST, wird versucht, dass verschiedene begünstigende Faktoren abgewöhnt werden. Dazu zählen etwa Daumenlutschen oder die ständige Verwendung eines Schnullers. In weiterer Folge wird das Hauptaugenmerk auf das Muskeltraining gelegt. Dabei trainiert der Betroffene die Muskulatur der Zunge, der Lippe sowie der Kiefer- und auch Kaumuskeln.

Nur so ist es möglich, dass ein orofaziales Gleichgewicht erreicht wird. Danach erfolgt das Training der physiologischen Zungenruhelage, die Nasenatmung sowie auch das physiologische Schluckmuster. Wichtig ist, dass die Therapie der orofazialen Störung nach der Reihe erfolgt; der Mediziner muss die Schritte - gemeinsam mit dem Patienten - von Anfang an durchgehen, sodass ein maximaler Erfolg erzielt werden kann.

Auf Grund der Tatsache, dass jeder Patient individuelle Probleme hat beziehungsweise die orofazialen Störung auch stärker oder schwächer ausgeprägt sein kann, ist es wichtig, dass auch ein Face-Former sowie Ballovents angewandt werden. Jene können bei individueller Problematik ebenfalls hilfreich sein.

Weitere Methoden, die im Rahmen der Therapie einfließen können, sind etwa die ganzheitlichen Therapien nach S. Codoni, etwaige myofunktionelle Therapien nach A. Kittel sowie auch die orofaziale Regulationstherapie sowie PNF und die manuelle Therapie der Stimme. Des Weiteren werden auch Elemente aus der sogenannten sensorischen Integrationstherapie angewandt; abschließend erfolgt eine neurolinguistische Programmierung.

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Vorbeugung

Die orofaziale Störung kann nur bedingt vorgebeugt werden. So können Eltern darauf achten, dass ihre Kinder nicht oder nur wenig am Daumen lutschen oder mit dem Schnuller beschäftigt sind. Tritt die orofaziale Störung aber auf Grund einer Erkrankung auf (zum Beispiel Kinderlähmung), sind vorbeugende Maßnahmen im Regelfall nicht möglich.

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Quellen

  • Greten, H., Rinninger, F., Greten, T. (Hrsg.): Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2010
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015

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