Orale Transportphase

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. Januar 2017
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Der Schluckakt besteht aus einer Vorbereitungsphase und drei Transportphasen. Die erste Phase entspricht der oralen Transportphase des Nahrungsbreis, bei dem der Schluckreflex ausgelöst wird. Schluckreflektorische Störungen der oralen Transportphase stehen oft mit neurogenen Erkrankungen oder Muskel- und Bindegewebserkrankungen in direktem Zusammenhang.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die orale Transportphase?

Täglich schluckt der Mensch zwischen 1000 und 3000 Mal. Beim Schlucken wird der Nahrungsbrei durch den Rachen und die Speiseröhre in den Magen abtransportiert. Zur selben Zeit reinigt der Schluckakt die Speiseröhre und beseitigt zum Beispiel hineingelangte Reste von Magensäure, die die sensible Schleimhaut der Speiseröhre schädigen könnten.

Der Schluckakt besteht aus unterschiedlichen Phasen. Die Vorbereitung des Schluckvorgangs findet unter willkürlicher Kontrolle statt, so zum Beispiel das Kauen. Durch eine Reizung des Zungengrunds wird der Schluckreflex aktiviert. Über einen Reflexbogen kommt es zum Schluckakt, der durch die orale Transportphase eröffnet wird. Alle daran anschließenden Vorgänge entziehen sich der willentlichen Einflussnahme.

Insgesamt sind am Schluckakt 26 Muskelpaare beteiligt. Neben den anatomischen Strukturen der Mundhöhle und deren Begrenzungen spielen die Rachen-, Kehlkopf-, Speiseröhren- und Magenstrukturen für das Schlucken eine Rolle. Für die orale Transportphase des Schluckens spielen die Mundhöhle und ihre angrenzenden Strukturen die Hauptrolle.

Koordiniert werden alle Schluckbewegungen und das Zusammenspiel der beteiligten Muskelpaare vom sogenannten Schluckzentrum des Gehirns. Dieses Zentrum liegt im Hirnstamm und bezieht höher suprabulbäre sowie kortikale Hirnbereiche mit ein.

Funktion & Aufgabe

In der engeren Definition besteht jeder Schluckakt aus drei Phasen, die auch als Transportphasen bezeichnet werden. Den drei Transportphasen geht die Nahrungsaufnahme voraus. Die erste Transportphase entspricht der oralen Transportphase durch die Mundstrukturen. Anschließend findet eine Rachentransportphase und eine Speiseröhrentransportphase statt. Die orale Transportphase des Schluckens entzieht sich in weiten Teilen der willkürlichen Kontrolle. Nur ein geringfügiger Teil der beteiligten Bewegungen läuft willkürlich ab und ist bewusst steuerbar. Nach Abschluss der oralen Vorbereitungsphase schließen sich die Lippen. Auf diese Weise kann aus dem Mund kein Speichel mehr entweichen. Außerdem verhindert der Lippenschluss das Eindringen von Luft in den Mund, damit keine Luft heruntergeschluckt wird.

Anschließend kontrahieren die Wangenmuskeln. Am Anfang des eigentlichen Schluckvorgangs drückt sich die Zunge gegen den harten Gaumen. Auf diese Weise dient der harte Gaumen innerhalb des Schluckvorgangs als Widerlager. Der Brei aus zerkauter Nahrung wandert jetzt Richtung Rachen. Diese Wanderung erfolgt mittels nach hinten gerichtet wellenförmiger Bewegungen, die vom Musculus styloglossus und dem Musculus hyoglossus unterstützt werden.

Der Schluckakt besteht aus einer Vorbereitungsphase und drei Transportphasen. Die erste Phase entspricht der oralen Transportphase des Nahrungsbreis, bei dem der Schluckreflex ausgelöst wird.

Die beiden Muskeln ziehen die Zunge vom harten Gaumen aus wellenförming weiter nach hinten. Diese Bewegung schiebt den Nahrungsbrei über die Enge des Rachens in den Rachen hinein.

Der Nahrungsbrei berührt schließlich den Zungengrund oder die Hinterwand des Rachens. In diesen Strukturen sitzen sensible Sinneszellen aus der Gruppe der Mechanorezeptoren. Die Sinneszellen registrieren den Berührungsreiz und leiten den Reiz über afferente Nervenbahnen ans zentrale Nervensystem weiter. Im zentralen Nervensystem wird die Erregung auf motorische Nerven umgeschaltet und reist diese Nerven entlang zu den Muskeln, die den eigentlichen Schluckvorgang realisieren.

Ab der Berührung des Speisebreis am Zungengrund oder der Rachenhinterwand ist der Schluckvorgang innerhalb der oralen Phase nicht mehr willkürlich kontrollierbar. Die später ausgelösten Muskelbewegungen sind reflektorisch und entziehen sich damit der willkürlichen Steuerung.

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Krankheiten & Beschwerden

Schluckstörungen werden unter dem Begriff der Dysphagie zusammengefasst. Vor allem für Störungen der oralen Transportphase im Sinne eines eingeschränkten oder ausbleibenden Schluckreflexes sind neurogene Zusammenhänge und Erkrankungen die häufigste Ursache. Infolge eines Schlaganfalls, einer Schädel-Hirn-Verletzung, einer Hirnhautentzündung oder einer degenerativen Gehirnerkrankung wie der Parkinson-Krankheit kann der Schluckreflex in der oralen Transportphase gestört werden. Ebenso häufig treten derartige Dysphagien im Rahmen der Autoimmunerkrankung Multiple Sklerose auf.

Die genannten Erkrankungen und Phänomene führen vorwiegend dann zu Schluckstörungen, wenn sie Gewebe des Schluckzentrums verletzen. Gewebeverletzungen im Gehirn führen in den meisten Fällen zu bleibenden Schäden. Das Hirngewebe ist hochspezialisiert und kann sich oft nicht vollständig von Schädigungen erholen. Außerdem lassen Verletzungen im Rahmen der genannten Erkrankungen und Ereignisse Narben zurück. Im Bereich dieser Narben sind die Nervenzellen des Gehirns nicht mehr voll funktionsfähig.

Nicht immer muss einer Störung der oralen Transportphase allerdings eine neurogene Ursache zugrunde liegen. Auch Muskelerkrankungen wie der Muskelschwund oder Bindegewebserkrankungen wie Sklerodermie rufen Schluckprobleme hervor. Dasselbe gilt für Tumore im Rachen- und im Rückenmarks- oder Gehirnbereich.

Die orale Transportphase kann außerdem durch angeborene Fehlbildungen erschwert werden, so zum Beispiel durch eine Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte. Ebenso gut können Operationen oder schwere Verletzungen im Mundbereich negative Auswirkungen auf die orale Transportphase zeigen.

Bei älteren Menschen sind Störungen der oralen Transportphase oft als altersphysiologisches Phänomen ohne Krankheitswert zu interpretieren. In vielen Fällen schlucken Personen ab einem bestimmten Lebensalter nicht mehr effizient. Hierbei ist häufig auch von Presbyphagie die Rede. Je älter Menschen werden, desto mehr verzögert sich die Reaktionszeit ihrer Muskeln und Nerven. Auch verringerte Muskelkraft durch natürlichen Muskelabbau im Alter, altersbedingter Zahnverlust, altersphysiologisch trockene Schleimhäute und eine Verknöcherung des Kiefers stören den Schluckakt. Darüber hinaus können gerade im Alter Koordinationsstörungen auftreten, die das Schlucken und die Phase des oralen Transports erschweren. Durch gezieltes Schlucktraining können sich Dysphagien oft verbessern.

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