Oligohydramnion

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 30. September 2017
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Das Oligohydramnion zählt zu den möglichen Komplikationen während einer Schwangerschaft. Dabei verfügt die Fruchtblase über zu wenig Fruchtwasser.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Oligohydramnion?

Von einem Oligohydramnion ist die Rede, wenn es während der Schwangerschaft zu einer Verringerung des Fruchtwassers innerhalb der Fruchtblase auf unter 500 Milliliter kommt. Diese Schwangerschaftskomplikation zeigt sich bei rund 0,5 bis 4 Prozent aller schwangeren Frauen. Im letzten Drittel der Schwangerschaft, dem Trimenon, ist bei 3 bis 5 Prozent sämtlicher Schwangerschaften eine zu geringe Fruchtwassermenge zu verzeichnen.

Die Produktion des Fruchtwassers findet ab dem 12. bis 14. Schwangerschaftstag statt. Zusammengesetzt wird es zunächst aus Wasser, das von der Mutter stammt. Ab der 20. Schwangerschaftswoche dient dann der Urin des Fötus als Hauptbestandteil. Für das ungeborene Kind ist das Fruchtwasser lebenswichtig, da es für die Entwicklung der Organe gebraucht wird und für den Schutz vor Stößen sorgt. Aus diesem Grund sollte die Schwangere die Menge ihres Fruchtwassers in regelmäßigen Abständen kontrollieren lassen.

Ursachen

Die Ursachen eines Oligohydramnions liegen entweder bei der Mutter oder beim Kind. Geht die Verringerung des Fruchtwassers auf das Baby zurück, sind zumeist Fehlbildungen an den Nieren oder den ableitenden Harnwegen wie Fehlbildungen der Harnröhre oder dem Harnleiter dafür verantwortlich. Eine häufiger auftretende Fehlbildung der Nieren stellt das Potter-Syndrom dar. Dabei sind die Nieren nicht mehr zur Bildung von Urin in der Lage.

Mitunter bilden sich beim Potter-Syndrom sogar überhaupt keine Nieren aus. Ebenso können polyzystische Nieren sowie Verengungen an Harnröhre oder Harnleiter ein Oligohydramnion hervorrufen. Die Fehlbildungen führen dazu, dass das Kind keinen Urin produzieren kann oder sich der Urin nicht in Form von Fruchtwasser in die Fruchthöhle ausscheiden lässt. Durch den Verlust an Urin kommt es zur Abnahme des Fruchtwassers. Nicht selten tritt ein Oligohydramnion im Rahmen von eineiigen Zwillingsschwangerschaften und Mehrlingsschwangerschaften auf.

Grund dafür ist ein Ungleichgewicht beim Blutaustausch zwischen den Kindern. So erhält ein Kind zu wenig Blut, wodurch sich nicht genug Fruchtwasser bildet, während das andere ein Übermaß an Blut bekommt und deswegen zu viel Fruchtwasser entsteht. Zu den mütterlichen Ursachen für ein Oligohydramnion gehört in erster Linie Bluthochdruck. Dieser führt zu einer Schädigung des Mutterkuchens. Dieser ist dann nicht mehr imstande, seine Funktion zu erfüllen.

Gynäkologen sprechen in solchen Fällen von einer Plazentainsuffizienz. Als weitere mögliche Ursache kommt ein vorzeitiger Blasensprung infrage. Dieser geht mit dem Verlust von Fruchtwasser einher. Eine andere mütterliche Ursache des Oligohydramnions kann das Austrocknen der Mutter sein, wodurch auch das Kind weniger Flüssigkeit erhält und weniger Urin produziert wird.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bemerkbar macht sich ein Oligohydramnion oftmals durch verminderte Bewegungsmöglichkeiten des ungeborenen Kindes. So verspürt die Mutter seltener Bewegungen ihres Babys, was auf die reduzierte Menge an Fruchtwasser zurückzuführen ist. Darüber hinaus wird der Bauch der Schwangeren kaum noch größer. Mögliche Folgen eines Oligohydramnions können eine intrauterine Zwangshaltung, ein Hackenfuß oder ein Schiefhals sein. Außerdem besteht ein erhöhtes Geburtsrisiko.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Spürt die Mutter weniger Bewegungen ihres Kindes, ist es ratsam, den Frauenarzt aufzusuchen. Dieser stellt bei der Untersuchung zumeist fest, dass die Gebärmutter für die Schwangerschaftswoche zu klein ist. Durch eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) lässt sich eine Reduzierung des Fruchtwassers ermitteln. Dabei ist es wichtig, einen Blasensprung, der schon längere Zeit zurückliegt, als Ursache für das Oligohydramnion auszuschließen.

Bei einem Auftreten der Komplikation zwischen der 14. und der 26. Schwangerschaftswoche sucht der Arzt mithilfe einer Sonographie nach möglichen Fehlbildungen des Kindes, da diese den Fruchtwassermangel auslösen können. Als Maß für die Menge an Fruchtwasser dient der Fruchtwasserindex. So gilt ein Wert zwischen 8 und 18 Zentimetern als normal. Bei einem niedrigeren Wert muss jedoch von einem Oligohydramnion ausgegangen werden. Der Verlauf eines Oligohydramnions richtet sich nach dem Ausmaß des Fruchtwasserverlustes. In den meisten Fällen lassen sich die Komplikationen medizinisch gut behandeln oder sogar beheben.

Komplikationen

In der Regel handelt es sich beim Oligohydramnion schon um eine Komplikation. Diese kann sich sehr negativ auf eine Schwangerschaft und auch auf die weitere Entwicklung des Kindes auswirken. Aus diesem Grund ist bei dieser Krankheit eine frühzeitige Diagnose und Behandlung notwendig, um weitere Komplikationen zu vermeiden. Das Risiko einer Fehlgeburt steigt aufgrund des Oligohydramnions enorm an, sodass das Kind im schlimmsten Falle bei der Geburt sterben und dabei auch das Leben der Mutter in Gefahr bringen kann.

Ebenso kann das Oligohydramnion zur Ausbildung verschiedener Fehlbildungen führen, sodass die Betroffenen an einem Hackenfuß oder an einem Schiefhals nach der Geburt leiden. In den meisten Fällen kann das Oligohydramnion relativ gut behandelt werden. Komplikationen treten dabei nicht auf. Falls die Beschwerde früh genug diagnostiziert wird, können in der Regel alle Fehlbildungen des Kindes vermieden werden.

Die Geburt selbst erfolgt dabei meistens durch einen Kaiserschnitt. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn die vaginale Geburt zu riskant für das Leben des Kindes wäre. Bei einer erfolgreichen Behandlung und Geburt treten keine weiteren Beschwerden oder Komplikationen auf und auch die Lebenserwartung des Kindes und der Mutter wird krankheitsbedingt nicht verringert.

Therapie & Behandlung

Eine spezielle Behandlung des Oligohydramnions ist nicht möglich. Normalerweise lassen sich die auslösenden Ursachen nicht mehr rückgängig machen. Für den Fall, dass nur eine geringe Fruchtwassermenge fehlt, kann es oft schon ausreichen, der Mutter mehr Flüssigkeit wie Wasser zuzuführen. Bei einem Verlust an größeren Mengen an Fruchtwasser gibt es ebenfalls Behandlungsmöglichkeiten. Dazu gehört die Amnioninfusion, das Auffüllen der Fruchtblase mit einer Lösung aus Zucker und Kochsalz.


Zu diesem Zweck punktiert der Arzt die Bauchdecke der Schwangeren mit einer Nadel, die er vorsichtig über einen Katheter bis zur kindlichen Fruchtblase vorschiebt. Dabei kontrolliert er den Verlauf der Nadel mithilfe von Ultraschall. Hat sich das Kind bereits weit genug entwickelt, um außerhalb des Körpers der Mutter überleben zu können, wird eine baldige Geburt vorbereitet. Je nachdem, wie weit die Schwangerschaft bereits fortgeschritten ist, findet eine Lungenreifungsinduktion statt.

Bei einer normalen Geburt auf vaginalem Wege treten durch den Fruchtwassermangel meist Veränderungen bei den Herztönen des Kindes auf. Aufgrund der engeren Raumbedingungen drückt das Baby seine eigene Nabelschnur ab. Deswegen kommt es zu einer Unterbrechung des Blutflusses zwischen Mutterkuchen und Kind. Ist eine vaginale Geburt nicht möglich oder zu riskant, erfolgt das Vornehmen eines Kaiserschnitts.

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Vorbeugung

Es ist schwer möglich einem Oligohydramnion vorzubeugen. Da allerdings häufig Schwangere betroffen sind, die rauchen, wird von Tabakkonsum während der Schwangerschaft abgeraten.

Bücher über Geburt & Schwangerschaft

Quellen

  • Beckermann, M.J.: Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Schwabe, Basel 2004
  • Feige, A., Rempen, A., Würfel, W., Jawny, J., Rohde, A. (Hrsg.): Frauenheilkunde – Fortpflanzungsmedizin, Geburtsmedizin, Onkologie, Psychosomatik. Urban & Fischer, München 2005
  • Stauber, M., Weyerstrahl, T.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

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