Okulomotoriusparese

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 18. August 2017
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Eine Okulomotoriusparese bezeichnet die Lähmung (Parese) des sogenannten Nervus oculomotorius (III. Hirnnerv). Die Okulomotoriusparese zählt zu den Hirnnervenstörungen und ist eine äußerst selten vorkommende Erkrankung. Sie tritt bei beiden Geschlechtern mit etwa gleicher Häufigkeit auf.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Okulomotoriusparese?

Der Nervus oculomotorius innerviert einen großen Anteil der äußeren Augenmuskeln über motorische Fasern und darüber hinaus zwei Drittel der inneren Augenmuskeln. Aus diesem Grund kann eine Störung des Nervus oculomotorius je nach Lokalisation und Ausmaß sehr komplexe Beeinträchtigungen bei der Augenbeweglichkeit sowie der Wahrnehmungsfähigkeit verursachen.

Abhängig davon, welche Muskeln die Parese betrifft, wird in eine innere und eine äußere Okulomotoriusparese unterschieden. Diese kann in Form einer einseitigen oder beidseitigen Lähmung in Erscheinung treten. Auch kann sie sich zentral im Kerngebiet befinden oder peripher angesiedelt sein. Zudem kann die Okulomotoriusparese nur teilweise oder komplett und in Kombination mit anderen Lähmungen der Augenmuskeln vorkommen.

Ursachen

Die Ursachen für eine Schädigung des Nervus oculomotorius können sehr verschieden sein. Bei Beeinträchtigungen im Bereich des Kerngebietes (medizinisch Nucleus nervi oculomotorii) müssen in vielen Fällen supranukleäre Störungen in Betracht gezogen werden. Dazu zählen etwa Tumore im Hirnstamm, Durchblutungsstörungen oder auch Aneurysmen. Schädigungen, die sich im peripheren Verlauf befinden, können zudem durch Kompressionsmechanismen, raumfordernde Prozesse oder Traumen verursacht werden.

Dies kann etwa beim sogenannten Clivuskanten-Syndrom der Fall sein. Oftmals handelt es sich bei der Okulomotoriusparese auch um ein Begleitsymptom im Rahmen eines ausgeprägteren Krankheitskomplexes, wie etwa dem Nothnagel-Syndrom, Weber-Syndrom oder Benedikt-Syndrom. Zudem kommen in etlichen Fällen Kombinationsstörungen bei gleichzeitigem Befall weiterer Hirnnerven vor, die ebenso an der Innervation der äußeren Augenmuskeln mitwirken. Dies kann etwa beim sogenannten Sinus-cavernosus-Syndrom zutreffen.

Dabei können Kombinationslähmungen des Nervus oculomotorius sowie des Nervus abducens einigermaßen sicher diagnostiziert werden. Andererseits ist etwa eine gleichzeitige Störung am Nervus trochlearis weniger einfach festzustellen wird demzufolge leichter übersehen. Auch in Verbindung mit Diabetes mellitus tritt eine Okulomotoriusparese mit erhöhter Häufigkeit auf.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Zu den wichtigsten Symptomen einer Okulomotoriusparese zählt eine weite, lichtstarre Pupille beziehungsweise die sogenannte absolute Pupillenstarre. Auch die Fähigkeit zur optischen Naheinstellung (Akkomodation des Auges) ist nur eingeschränkt möglich. Bei Vorliegen einer isolierten, inneren Okulomotoriuslähmung, bei der die äußeren Augenmuskeln nicht beteiligt sind, wird die Erkrankung als Ophthalmoplegia interna bezeichnet.

Zudem wird in zwei Formen der Okulomotoriusparese differenziert, die sich jeweils hinsichtlich ihrer Symptome voneinander unterscheiden. Die Symptome bei Vorliegen einer kompletten Okulomotoriusparese werden durch den Totalausfall der entsprechenden Augenmuskeln geprägt. Sie äußern sich in einer Störung der Akkomodation sowie der Pupillenreaktion und einer Mydriasis (Weitstellung der Pupille) sowie einer Ptosis (Herabhängen des Augenlids). Zudem ist das betroffene Auge nach außen und nach unten gerichtet.

Die zweite Form der Okulomotoriusparese ist die partielle Parese des Nervus okulomotorius. Diese wird nochmals in eine innere sowie eine äußere Parese differenziert. Im Rahmen der äußeren Parese tritt eine Lähmung des Nervus oculomotorius auf, was eine Störung der Beweglichkeit bei den äußeren Augenmuskeln zur Folge hat. Auch hier ist das Auge nach unten sowie nach außen gerichtet. Die innere Parese des Nervus okulomotorius äußert sich in einer Störung der Akkomodation sowie dem Auftreten einer Mydriasis. Jedoch tritt in diesem Fall keine Augenfehlstellung in Erscheinung.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei der Diagnose von Lähmungen der Augenmuskeln können zahlreiche unterschiedliche diagnostische Mittel zum Einsatz kommen. Im Rahmen der Diagnostik einer Okulomotoriusparese kommt der Überprüfung der Blickrichtung eine große Bedeutung zu. Bei diesem Verfahren wird mit simplen Maßnahmen geprüft, inwieweit der Patient in der Lage ist, den acht Blickrichtungen folgen zu können.

Hierbei wird der Patient meist aufgefordert, dem sich bewegenden Finger des Arztes mit den Augen zu folgen und gleichzeitig den Kopf bewegungslos zu halten. Anstelle des Fingers kann der Test auch mittels Stift oder Stab durchgeführt werden. Wenn eine der Blickrichtungen nicht möglich ist, kann auf den betroffenen beeinträchtigten Augenmuskel und den jeweiligen gestörten Nerv geschlossen werden.

Komplikationen

Die Okulomotoriusparese betrifft den paarig angelegten Nervus oculomotorius, der auch als dritter Hirnnerv oder Augenbewegungsnerv bezeichnet wird. Weil der Nerv mehrere äußere und zwei innere Augenmuskeln sowie den Lidheber motorisch versorgt, kommt es bei einem Ausfall oder einem Teilausfall der motorischen Fasern zu komplexen Bewegungsausfällen der Augen und der Augenlider.

Zu erwartende Komplikationen mit oder ohne Behandlung hängen weitestgehend von den Ursachenfaktoren ab und davon, ob die Okulomotoriusparese isoliert oder zusammen mit anderen Erkrankungen auftritt. Meist tritt eine Okulomotoriusparese durch eine Kompression des Nervus oculomotorius auf. Derartige Kompressionen können durch raumfordernde Prozesse wie wachsende Tumore oder Aneurysmen verursacht werden, die auf den Nerv drücken.

Ein weiterer Verursachungsfaktor kann eine Mangelversorgung des Nervs sein, weil die versorgenden Gefäße arteriosklerotisch verengt sind oder aus anderen Gründen die Durchblutung gestört ist. Eine genaue Diagnose der Faktoren, die die Parese oder Teilparese des Nervs hervorgerufen haben, ist von elementarer Bedeutung, um sie möglichst frühzeitig einer zielführenden Behandlung zuzuführen.

Unbehandelt kann die Prognose im Falle eines malignen Tumors oder eines Aneurysmas in einem der versorgenden Gefäße zu unmittelbar lebensbedrohlichen Komplikationen führen. Selbst nach einer Behandlung, die den Ursachenfaktor beheben konnte, ist eine Prognose über Heilungschancen oder über weiter auftretende Komplikationen kaum zu stellen. Inwieweit der Augenbewegungsnerv bereits irreversibel geschädigt wurde, lässt sich vorher nicht mit Sicherheit prognostizieren.

Behandlung & Therapie

Da es sich um eine neurologische Störung handelt, muss die Therapie nach geklärter Ursache durch einen Neurologen erfolgen. Bei Okulomotoriusparesen, bei denen der Auslöser Tumore, Traumen oder Aneurysmen sind, sind die Prognosen in vielen Fällen ungünstig. Während des Regenerierungsprozesses treten oftmals Fehlinnervationen auf. Andererseits sind die Heilungschancen bei Durchblutungsstörungen als Ursache positiver.

Wenn sich die Situation nach circa einem Jahr nicht merklich verbessert hat, wird eventuell eine Schieloperation erforderlich. Dieser operative Eingriff hat das Ziel, das Feld des Einfachsehens in die ursprüngliche Position ohne Einnahme von Kopfzwangshaltungen zu verlagern und eventuell zu vergrößern. Je nach Vorliegen der Befunde werden vorrangig die betroffenen Muskeln operiert. Für den Fall, dass es sich lediglich um gering ausgeprägte Paresen handelt, können die Anpassung von Prismengläsern die Situation des betroffenen Patienten verbessern.

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Vorbeugung

Direkte Maßnahmen zur Vorbeugung einer Okulomotoriusparese gibt es nicht. Von umso größerer Bedeutung ist es, bei auftretenden Symptomen und Störungen des Sehapparates umgehend einen Arzt zu konsultieren. Dies ist insbesondere deshalb essentiell, weil die Okulomotoriusparese auch auf ernsthafte Erkrankungen wie etwa Hirntumore hinweisen kann.

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Quellen

  • Burk, A. et al.: Checkliste Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Lang, G. K.: Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2014

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