Ohrmuschel

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. November 2016
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Die Ohrmuschel ist das bei jedem Menschen individuell geformte äußere Teil des Ohres. Sie besitzt sowohl funktionell wichtige als auch funktionslose Anteile (zum Beispiel Ohrläppchen). Erkrankungen der Ohrmuscheln sind häufig das Ergebnis von mechanischen Einwirkungen, Verletzungen, Piercings, Insektenstichen oder Operationen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Ohrmuschel?

Die Ohrmuschel kennzeichnet den äußerlich sichtbaren Teil des Ohres. Ihre lateinische Bezeichnung lautet Auricula auris. Sie besteht weitgehend aus mit Haut überdecktem Knorpelgewebe. Ihre Aufgabe ist die Aufnahme von Schall, der durch die Trichterwirkung zum inneren Ohr hin konzentriert wird.

Der elastische Knorpel prägt die Form der Ohrmuschel, die mit dem Schädel verwachsen und einer Gewebsschicht (Periost) überzogen ist. Die Empfindungen in der Auricula auris werden durch vier verschiedene Nerven gesteuert. Das funktionslose Ohrläppchen ist allerdings weitgehend schmerzunempfindlich und wird daher oft zur Blutentnahme für Laboruntersuchungen genutzt.

Wie die Ohrmuskulatur und der Darwin-Ohrhöcker übt heute auch das Ohrläppchen keine Funktion mehr aus. Die gesamte Morphologie der Ohrmuschel ist genetisch bedingt und besitzt daher für jeden Menschen spezifische Merkmale.

Anatomie & Aufbau

Jeder Mensch hat individuell geformte Ohrmuscheln aus einem mit Haut überzogenen Knorpelgewebe. Ihr Hauptmerkmal ist das auffällige Relief mit Auffaltungen und Vertiefungen. Dabei wird der äußere Rand der Ohrmuschel Helix genannt. Die Helix verläuft parallel zur sichelförmigen Anthelix. Beide sind getrennt durch die Scapha, eine sichelförmige Einziehung. Dieses Relief fungiert als wichtiges Filtersystem für den auftreffenden Schall.

Die Reliefkanten bewirken dabei die Brechung und in Abhängigkeit von seiner Frequenz auch die unterschiedliche Dämpfung des Schalls. Die Form und Größe der Ohrmuscheln bestimmt des Weiteren den optischen Gesamteindruck des Gesichtes, was zwar keine physiologische, in vielen Fällen jedoch eine psychologische Bedeutung besitzt. Während die meisten Tiere ihre Ohren in Richtung der Schallquellen bewegen können, ist ihre Beweglichkeit beim Menschen sehr reduziert.

Die dafür verantwortliche Ohrmuskulatur hat beim Menschen jegliche Bedeutung verloren und stellt nur noch ein Rudiment dar. Auch die fleischigen Hautläppchen (Ohrläppchen) im unteren Teil der Auricula auris sind funktionslos geworden. Jeder Mensch besitzt jedoch individuell gestaltete Ohrläppchen. Insgesamt ist die menschliche Ohrmuschel genauso einmalig wie ein Fingerabdruck und kann in der Kriminalistik zu Identifikationszwecken verwendet werden.

Funktion & Aufgaben

Wie bereits erwähnt, sorgt das Reliefsystem der Ohrmuscheln für die Filterung des eintreffenden Schalls. Durch die Brechung und die von der Frequenz abhängige Dämpfung der Schallwellen gewinnt das Gehirn die Informationen über dessen räumliche Herkunft. Die Erhebungen und Vertiefungen innerhalb der Ohrmuscheln verleihen dem Schall in Abhängigkeit von seinem Ursprung eine eigene Klangfarbe.

Anhand dieser Klangfarbe kann das Gehirn bestimmen, ob der Schall von vorne, von hinten, von unten oder von oben kommt. Die Feststellung, ob die Schallquelle rechts oder links liegt, wird allerdings durch andere Mechanismen vermittelt. Dazu analysiert das Gehirn unter anderem die Laufzeitdifferenz des Schalls. Eine andere Möglichkeit besteht in der Beurteilung der Lautstärke, wobei die dem Ohr zugewandte Schallquelle in der Regel am lautesten ist. Im Tierreich gibt es häufig die Möglichkeit, die Ohren nach der entsprechenden Schallquelle aktiv auszurichten.

Das wird über die Ohrmuskulatur vermittelt. Diese Fähigkeit existiert beim Menschen weitestgehend nicht mehr. In rudimentärer Weise können einige Menschen zwar mit den Ohren wackeln, was aber keine physiologische Bedeutung mehr hat. Deshalb werden die Ohrmuscheln fälschlicherweise manchmal als überflüssige Organe angesehen. Das ist jedoch keineswegs der Fall, da ohne die Funktion der nach vorn gerichteten Ohrmuscheln das Richtungshören nicht möglich wäre.

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Krankheiten & Beschwerden

Erkrankungen der Ohrmuscheln werden häufig durch äußere Reize ausgelöst. So führen Verletzungen, Piercings, Insektenstiche, Erfrierungen oder auch Operationen zuweilen zu einem Othämatom. Das Othämatom ist ein blutig-seröser Erguss zwischen dem Knorpel der Ohrmuschel und dem darüberliegenden Bindegewebe (Perichondrium). Manchmal reicht es schon aus, auf einer umgeklappten Ohrmuschel zu liegen.

Oftmals spielt auch Gewalteinwirkung eine Rolle. Das Othämatom äußert sich als rötliche Schwellung auf der Vorderseite der Auricula auris. Schmerzen treten meist nicht auf. Allerdings kann sich das Bindegewebe in der Folge des Ergusses umorganisieren, was bisweilen zu einer erheblichen Veränderung der Ohrmuschel führt. Wenn das Othämatom nicht behandelt wird, kann es zu einer Ohrmuschelperichondritis kommen. Dabei treten Entzündungsreaktionen innerhalb der Ohrmuschel durch Infektion mit Pseudomonas aeruginosa oder seltener mit Staphylococcus aureus auf.

Diese Infektionen sind sehr ernst zu nehmen, weil sie das Knorpelgewebe vollständig zerstören können. Die Erkrankung geht einher mit starken Schmerzen und Abszessbildung. Das Ohrläppchen kann zwar gerötet sein, unterliegt jedoch nicht den schmerzhaften Entzündungsprozessen. Behandelt wird die Ohrmuschelperichondritis mit Alkoholumschlägen und Antibiotika. Häufig erkranken die Ohrmuscheln auch an der sogenannten Chondrodermatitis nodularis helicis.

Diese Erkrankung ist gekennzeichnet durch Knötchenbildung auf der Helix oder der Anthelix. Diese Knötchen sind sehr schmerzhaft und vergrößern sich schnell auf einen Durchmesser von 5-8 mm. Danach bleiben sie stabil. Die Ursachen für diese Erkrankung sind unbekannt. Neben diesen erworbenen Erkrankungen gibt es noch die angeborenen Fehlbildungen der Ohrmuscheln. Diese Fehlbildungen äußern sich als Ohrzysten, Ohranhänger, Ohrfisteln oder Ohrmuscheldysplasien.

Ohrzysten stellen Hohlräume im Bereich des Ohres dar. Bei Ohranhängseln handelt es sich um lappenartige Hautausstülpungen am Ohr. Ohrmuscheldysplasien bezeichnen strukturelle Veränderungen der Ohrmuscheln, die je nach Ausprägung rein kosmetische bis funktionelle Auswirkungen haben können.

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