Obstruktive Defäkationsstörung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. September 2017
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Das obstruktive Defäkationssyndrom ist eine Entleerungsstörung im Enddarm und manifestiert sich besonders bei Frauen. Symptomatisch macht sich die Erkrankung in anhaltendem Stuhldrang mit meist unvollständiger Entleerung und der Erfordernis von starkem Pressen bemerkbar. Konservative und operative Therapieschritte kommen infrage.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das obstruktive Defäkationssyndrom?

Als Entleerungsstörungen des Enddarms werden verschiedene Krankheiten und Symptome zusammengefasst, die die Defäkation betreffen. Die obstruktive Defäkationsstörung ist eine dieser Krankheiten. Als häufigstes Symptom der Erscheinung ist die chronische Verstopfung zu nennen. Die Patienten empfinden meist anhaltenden Defäkationsdrang und haben auch nach einem Stuhlgang das Gefühl, nur eine unvollständige Defäkation erreicht zu haben.

Das obstruktive Defäkationssyndrom ist eine relativ häufige Erscheinung. Frauen sind häufiger von dem Syndrom betroffen als Männer. Vor allem Frauen nach mehreren Geburten oder einer zurückgelegenen Entfernung der Gebärmutter haben ein erhöhtes Risiko für obstruktive Defäkationsstörungen. Das verbreitetste Alter für die Erkrankung ist in etwa das sechste Lebensjahrzehnt.

Veränderungen von Darmabschnitten werden in Zusammenhang mit dem Syndrom fast in allen Fällen beobachtet. Diese Veränderungen können altersbedingt sein oder auf Primärerkrankungen wie chronische Verstopfung zurückzuführen sein.

Ursachen

Durch die häufige Vergesellschaftung der obstrukiven Defäkationssörung mit vorausgegangenen Geburten oder einer Gebärmutterentfernung liegt ein Zusammenhang der Phänomene nahe. Damit wäre auch die Geschlechterpräferenz der Erkrankung erklärt. Die Entleerungsstörung des Enddarms kann nach aktueller medizinischer Anschauung auf zwei verschiedene Darmveränderungen zurückzuführen sein.

Zum einen kann eine ventrale Rektozele vorliegen. Dabei handelt es sich um eine innere Ausbuchtung im Enddarm, die nach vorne weist. Zum anderen kann die Ursache der Beschwerden ein innerer Rektumprolaps sein. Bei diesem Phänomen stülpt sich ein Teil des Enddarms in sich ein. Das Phänomen wird auch als rektoanal innere Intussuszeption bezeichnet. Die ventrale Rektozele ist die häufigste Veränderung, die sich im Zusammenhang mit der Defäkationsstörung beobachten lässt.

Meist ist diese Rektozele mit anderen Funktionsstörungen im Bereich des Beckenbodens vergesellschaftet, wie sie nach Geburten oder Gebärmutteroperationen auftreten können. Die definitive Ursache der obstruktiven Defäkationsstörung hängt zwar vom Einzelfall ab, aber Beckenbodenstörungen gelten so als mitunter häufigste Primärursache.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das obstruktive Defäkationssyndrom kann sich klinisch in unterschiedlichster Art und Weise manifestieren. Typischerweise geben die Betroffenen in der Anamnese an, Tag für Tag an vergeblichen, lange andauernden Toilettenbesuchen zu leiden, bei denen sie zur Defäkation entweder stark pressen müssen oder überhaupt keine Erfolge zu verzeichnen haben. Sie haben dauerhaft das Gefühl der unvollständigen Entleerung.

Zusätzlich leiden sie wegen des vermehrten Drucks auf den Beckenbodenbereich oft unter Missempfindungen oder sogar Schmerzen. Im Rahmen der anhaltenden Verstopfung können Bauchschmerzen oder Übelkeit auftreten. Aus der Defäkationsstörung kann sich im Verlauf eine Stuhlinkontinenz im Sinne einer Stuhlhalteschwäche entwickeln, die am Anfang einem Stuhlschmieren entspricht und davon ausgehend oft progredient fortschreitet.

Oft wird anamnestisch von der Verwendung bestimmter Abführmittel oder Einläufe berichtet. Auch eine Stuhlentleerung gebunden an die Zuhilfenahme der Finger kann charakteristisch sein. Neben einem allgemeinen Druckgefühl treten in Einzelfällen Blutungen auf, die meist auf das intensive Pressen zurückzuführen sind. Das Pressen kann in der Spätfolge außerdem zu vergrößerten Hämorrhoiden führen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei der Anamnese entwickelt der Arzt einen ersten Verdacht auf das obstruktive Defäkationssyndrom. Zur anschließenden Basisdiagnostik zählt eine körperlicher Untersuchung mit einer Enddarmspiegelung und einem Ultraschall des Schließmuskels. Oft findet auch eine Druckmessung am Schließmuskel statt.

Als zusätzlich diagnostisches Verfahren kommt eine Defäkographie als Röngtenuntersuchung unter Kontrastmittelgabe infrage, die die Veränderungen des Darms verdeutlicht. Differentialdiagnostisch muss der Arzt Erkrankungen wie die chronische Obstipation, die Kolontransportstörung, die segmentäre Transportstörung und die funktionelle Störungen ausschließen.

Die Einordnung der Darmveränderungen ist das mit entscheidendste Moment der Diagnostik, da sich nur mit der Identifizierung des eigentlich ursächlichen Problems eine erfolgsversprechende Therapie erarbeiten lässt. Die Prognose für Patienten einer obstruktiven Defäkationsstörung gilt als günstig.

Komplikationen

Eine obstruktive Defäkationsstörung sollte immer behandelt werden, da sich ihre Symptomatik aufgrund der vorliegenden Bindegewebsschwäche immer weiter verschlimmert ansonsten. Meist kommt es dadurch zwar nicht zu lebensgefährlichen Komplikationen. Aber die Lebensqualität leidet stark darunter. Vor allem bei dem Bemühen, die Defäkation durch starkes Pressen zum Erfolg zu führen, können Komplikationen auftreten.

So hilft starkes Pressen zwar meist nicht, vergrößert aber den nach außen sichtbaren Rektumprolaps und kann Blutungen aufgrund der weiteren Ausprägung der Hämorrhoiden hervorrufen. In der weiteren Folge ist die Entwicklung einer Stuhlinkontinenz möglich. Bei einigen Frauen kann auch eine sogenannte Zystozele auftreten. Eine Zystozele stellt den Vorfall der Blase in die vordere Scheidewand dar. Es kommt zu dauernden Harnwegserkrankungen, Harnverhaltung oder gar zu Harninkontinenz.

Ohne Behandlung findet ein ständiges Fortschreiten der Symptomatik mit starker Einschränkung der Lebensqualität statt. Das kann auch psychische Erkrankungen zur Folge haben. Chronische Schmerzen, das Gefühl der unvollständigen Entleerung sowie Stuhl- und Harninkontinenz können zu Schlafstörungen, psychosomatischen Erkrankungen oder gar zu Depressionen führen.

In seltenen Fällen führt eine unbehandelte obstruktive Defäkationsstörung auch zu einer Enterozele. Hierbei handelt es sich um einen Vorfall von Dünndarmabschnitten in die taschenförmige Einsenkung des Bauchfells zwischen Uterus und Rektum (Douglasraum). Bei einer Enterozele besteht immer die Gefahr der Entstehung eines Darmverschlusses.

Therapie & Behandlung

Patienten mit obstruktivem Defäkationssyndrom können sowohl konservativ, als auch operativ behandelt werden. Wenn keine Veränderungen des Darms vorliegen, erfolgt eine konservativ symptomatische Therapie. Zu dieser Behandlung zählt vor allem eine Ernährungsumstellung, die meist mit der Gabe von stuhlaufweichenden Medikamenten kombiniert wird.

Wenn dagegen Veränderungen des Darms vorliegen, findet meist eine operativ kausale Therapie statt. Die Beschwerden werden im Rahmen dieser Therapie idealerweise also nicht symptomatisch behandelt, sondern ursächlich behoben. Damit gilt die Defäkationsstörung als heilbare Erkrankung. Zur operativen Behandlung kommt zum Beispiel das Verfahren der transanalen Resektion am unteren Enddarm infrage, das auch als STARR-Operation bekannt ist.

Dieses Verfahren beruht auf zwei Zirkularstaplern und entspricht einer eher jüngeren Behandlungsmöglichkeit des Defäkationssyndroms. Die Behandlungsmöglichkeit wurde für Ursachen wie den inneren Rektumprolaps oder die ventrale Rektozele entwickelt und soll die gesunde Anatomie des Enddarms widerherstellen.

Die rektale Muskelwand erhält durch die Operation wieder Kontinuität, sodass auch etwaige Stuhlhaltestörungen durch die Operation behoben werden können. Das Rektum findet wieder zur durchschnittlich normalen Kapazität. Anatomisch wird bei dem Verfahren die Rektozele oder der Rektumprolaps nachhaltig korrigiert.

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Vorbeugung

Eine erfolgsversprechende Vorbeugemaßnahme für die obstruktive Defäkationsstörung ist vor allem eine geeignete Ernährung, die dem Stuhl eine normal weiche Konsistenz verleiht und damit chronischen Verstopfungen entgegenwirkt. Auch Beckenbodentraining kann das Risiko für die Defäkationsstörung unter Umständen verringern. Gegen alterdbedingte Veränderungen existieren abgesehen davon kaum Vorbeugemaßnahmen.

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Quellen

  • Brühl, W., Wienert, V., Herold, A.: Aktuelle Proktologie. Uni-Med, Bremen 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Winkler, R., Otto, P., Schiedeck, T.: Proktologie. Thieme, Stuttgart 2011

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