Obstipationsprophylaxe

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. September 2017
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Obwohl die Häufigkeit der Darmentleerung individuell verschieden ist, kann eine Verstopfung schnell zu gesundheitlichen Problemen führen. Erfolgt über einen längeren Zeitraum kein Stuhlgang, wird der Kot im Extremfall in den Magen zurücktransportiert und von dort aus erbrochen.

Das ist beispielsweise bei einem Darmverschluss der Fall. Kann die Darmwand dem Druck des Darminhalts nicht mehr standhalten, ergießt sich der Kot in den Bauchraum und führt dort zu lebensbedrohlichen Infektionen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Obstipationsprophylaxe?

Die Obstipationsprophylaxe umfasst sämtliche Maßnahmen, die dazu dienen, einer Darmverstopfung vorzubeugen. Sie liegt dann vor, wenn die Darmentleerung nicht spätestens alle 3 Tage erfolgt oder beim Stuhlgang übermäßiges Pressen notwendig ist.

Außerdem ist sie mit einem harten Unterbauch und Schmerzen beim Druck auf den Unterbauch verbunden. Riecht der Atem nach Kot oder kommt es gar zum Erbrechen von Stuhlgang, ist eine ärztliche Sofort-Intervention notwendig (Verdacht auf Darmverschluss!). Die Obstipationsprophylaxe soll die natürliche Darmbewegung fördern und für häufigere Darmentleerung sorgen, damit sich der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten/Pflegebedürftigen verbessert. Vor ihrer Einleitung sollte überprüft werden, welche Ursache die Verstopfung hat.

Bei manchen Patienten sind bestimmte Medikamente daran Schuld. Schlaf, Beruhigungs- und Schmerzmittel wirken sich häufig verdauungshemmend aus. Bei Pflegebedürftigen und Krankenhauspatienten kommt oft noch die Scham hinzu, in eine Bettpfanne koten oder auf die Toilette direkt neben den Mitpatienten gehen zu müssen. Nach einer nicht per Endoskop vorgenommenen Bauchoperation und bei gestörtem Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt kommt es ebenfalls oft zu eingeschränktem Stuhlgang.

Auch Erkrankungen wie Lähmungen, Parkinson, Hämorrhoiden, Darmkrebs und Depressionen können Darmverstopfung verursachen. Die Obstipationsprophylaxe umfasst eine Vielzahl an Maßnahmen. Erst dann, wenn natürliche Mittel nicht den gewünschten Erfolg erzielen, sollten Abführmittel verabreicht werden.

Funktion, Wirkung & Ziele

Ziel der Obstipationsprophylaxe ist es, einer (chronischen) Verstopfung entgegenzuwirken. Mitunter reichen schon wenige Maßnahmen aus, die Darmentleerung zu fördern.

Generell gilt, dass der Patient mindestens 2 Liter Flüssigkeit täglich zu sich nehmen sollte, um den Stuhl aufzuweichen. Ausreichend Bewegung fördert ebenfalls die natürliche Darmbewegung. Eine faserreiche Ernährung führt zu größerem Kot-Volumen und regt die Peristaltik an. Dazu gehören Vollkorn-Produkte, Nüsse, Gemüse und Obst. Zu diesen Nahrungsmitteln sollte unbedingt viel getrunken werden, da sie stark aufquellen. Außerdem empfiehlt es sich, immer ausreichend Zeit für den Stuhlgang zu haben: Verspürt der Betreffende einen Bauch-Druck, sollte sich unbedingt sofort zur Toilette begeben, da ein aufgeschobener Stuhlgang zur Verhärtung des Darminhalts führt.

Die Obstipationsprophylaxe umfasst sämtliche Maßnahmen, die dazu dienen, einer Darmverstopfung vorzubeugen.

Am besten gewöhnt er sich eine regelmäßige Toiletten-Zeit an. Auch ein geregelter Lebensrhythmus und Mahlzeiten, die immer zur gleichen Zeit eingenommen werden, helfen. Unterstützend wirken auch Leinsamen, indische Flohsamen und Weizenkleie, die mit viel Flüssigkeit eingenommen werden. Ist es dem verstopften Patienten nicht möglich, auf verdauungshemmende Medikamente zu verzichten, empfiehlt es sich, ein mildes Abführmittel in niedriger Dosierung einzunehmen. Zu den speziellen Maßnahmen, die Darmentleerung herbeizuführen, gehören feuchtwarme Bauchumschläge, Bauchübungen, tiefe Bauchatmung und Darmmassagen.

Die Bauchpresse wird nach dem Aufwachen 5-mal hintereinander durchgeführt: Der Patient zieht 10 Sekunden lang den Bauch ein und dehnt ihn dann langsam wieder aus. Bei der Kolon-Massage massiert der liegende Patient/die Pflegekraft 5 Minuten lang den Dickdarm, wobei er/sie rechts auf dem Unterbauch anfängt. Helfen auch diese speziellen Obstipationsprophylaxe Maßnahmen nicht, müssen dem Patienten/Pflegebedürftigen orale Abführmittel oder Zäpfchen verabreicht werden. Alternativ kann auch ein Darmeinlauf oder - in ganz schweren Fällen - eine Darmausräumung vorgenommen werden.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Tritt eine Verstopfung auf, wenn der Betroffene ein regelmäßiges Leben mit gesunder Ernährung und ausreichend Bewegung führt, ist sie mitunter Symptom einer ernsthaften Erkrankung.

Daher sollte der Betroffene möglichst bald einen Arzt seines Vertrauens konsultieren. Bei Menschen mit eingeschränkter Mobilität (Körperbehinderte, Bettlägerige) ist das Risiko einer chronischen Verstopfung besonders hoch. Bei ihnen sollte die Pflegekraft darauf achten, dass der Darm so oft entleert wird, wie es vor der Krankenhaus oder Heimeinweisung der Fall war. Der Stuhl sollte außerdem regelmäßig auf Auffälligkeiten bei Farbe, Konsistenz und eventuell Zusammensetzung überprüft werden. Eine Überlauf-Inkontinenz - kleine Kot und Schleimmengen treten unkontrolliert aus dem Darm aus - sollte unbedingt vermieden werden.

Andere Anzeichen einer chronischen Verstopfung können übler Mundgeruch, eine belegte Zunge und Appetitlosigkeit sein. Besonders kritisch wird es, wenn der Atem nach Kot riecht oder Kot erbrochen wird. Dann sollte unbedingt der Notarzt geholt werden. Bei Heimbewohnern, die sich noch selbsttätig bewegen können, besteht die Obstipationsprophylaxe meist darin, sie darüber zu informieren, welche Lebensmittel sie zur Verhinderung von Verstopfung besser meiden und welche sie bevorzugt essen sollten. Die Pflegekräfte sollten darauf achten, dass Patienten nicht "vergessen", viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen - was bei älteren Menschen häufig passiert - und sie dazu ermuntern, regelmäßig die Toilette aufzusuchen.

Täglich zur selben Zeit durchgeführtes Toiletten-Training hilft, an die notwendige Darmentleerung zu denken. Bei immobilen Patienten kann die Mobilisierung im Bett erfolgen (Bauchmuskeltraining, Bettgymnastik). Menschen mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit und Patienten, die öfter "vergessen" zu trinken, sollten grundsätzlich keine Leinsamen, indischen Flohsamen und Weizenkleie verabreicht werden, da sie die Verstopfung sonst noch fördern. Stattdessen empfiehlt es sich, Joghurt, Buttermilch, zerkleinerte Trockenpflaumen und Milchzucker zu geben. Dieser süßt die Speisen und wirkt zugleich abführend.

Bücher über den Darm & Verdauungsprobleme

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Messmann, H.: Klinische Gastroenterologie. Thieme, Stuttgart 2012

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