Obliquus-superior-Myokymie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 23. August 2017
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Bei einer Obliquus-superior-Myokymie handelt es sich um ein Augenzittern, welches in dieser Form sehr selten vorkommt. Daher wird es diagnostisch oft auch nicht erkannt. Die Symptome werden von den Betroffenen sehr intensiv empfunden, obwohl die Prognose der Erkrankung in der Regel günstig ist.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Obliquus-superior-Myokymie?

Die Obliquus-superior-Myokymie stellt ein äußerst seltenes Augenleiden dar, bei welchem ein Mikrotremor am Auge auftritt. Das Augenzittern tritt episodisch und einseitig auf und wird oft nur vom Betroffenen selber bemerkt. Die Augenbewegungen können oft nur mit einer speziellen Apparatur ausgemacht werden. Der Patient sieht jedoch im Moment des Anfalls Doppelbilder.

Diese Form des Augenzitterns darf jedoch nicht mit einem Nystagmus verwechselt werden. Bei einem Nystagmus ist das Gleichgewichtsorgan beschädigt. Eine Obliquus-superior-Myokymie wird durch die unkontrollierte Aktivität des Nervus trochlearis hervorgerufen. Als vierter Hirnnerv innerviert der Nervus trochlearis den Augenmuskel Musculus obliquus superior.

Dieser Muskel ist für die Senkung des Auges mit dessen Rollung nach innen verantwortlich. Bei einer Obliquus-superior-Myokymie handelt es sich um eine gutartige Augenerkrankung, die für die betroffene Person jedoch äußerst störend ist.

Ursachen

Die Ursache für eine Obliquus-superior-Myokymie ist noch nicht vollständig bekannt. Es wird vermutet, dass es sich um eine Kompression des Nervus trochlearis durch die Hirnschlagader (Arteria cerebri posterior) handelt. Eindeutig wurde das aber bisher noch nicht nachgewiesen. In der medizinischen Literatur wurde das Auftreten einer Obliquus-superior-Myokymie bei einer Bleivergiftung und bei einer Adrenoleukodystrophie beschrieben.

Die Adrenoleukodystrophie ist eine erblich bedingte neurologische Erkrankung. Auch ein zeitgleiches Zusammentreffen einer Obliquus-superior-Myokymie mit einer Epilepsie wurde beschrieben. Möglicherweise haben diese Erkrankungen jedoch nichts mit der Auslösung des Augenzitterns zu tun. So wird auch ein zufälliges Zusammentreffen vermutet.

Mittels MRT wurde eine neurologische Untersuchungsreihe durchgeführt, welche die Vermutung einer Kompressionsstörung des Nervus trochlearis durch die Gehirnschlagader erhärtet. Nach den gewonnenen Ergebnissen dieser Untersuchungsreihe wird darüber diskutiert, ob die Obliquus-superior-Myokymie als neurovaskuläres Kompressionssyndrom bezeichnet werden kann.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Obliquus-superior-Myokymie zeichnet sich durch ein episodisch auftretendes Augenzittern aus, welches von außenstehenden Personen gar nicht bemerkt wird. Die Patienten spüren dieses feine, vertikale und rotierende Zittern der Augen jedoch sehr deutlich. Sie empfinden die Beschwerden sehr intensiv durch das Entstehen von verkippten Doppelbildern und Scheinbewegungen.

Insgesamt dauern die Anfälle nur einige Sekunden. Allerdings können sich die Attacken mehrmals täglich wiederholen. Nach Beendigung der Attacke normalisiert sich der Befund wieder. Das Augenzittern lässt sich mitunter provozieren, indem die betroffene Person nach unten schaut. In dieser Situation kann der Untersuchende allerdings kaum etwas erkennen, weil die Zitterbewegung durch viele andere normale physiologische Bewegungen überdeckt wird.

Wenn die Betroffenen wieder geradeaus blicken, besteht jedoch für den Augenarzt die Wahrscheinlichkeit, mit speziellen Apparaturen das feine Augenzittern doch wahrzunehmen. Insgesamt ist der Krankheitsverlauf gutartig. Nur in seltenen Fällen treten vereinzelt Lähmungen auf. Allerdings kommt es so gut wie nie zu weiteren neurologischen Störungen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Eine Obliquus-superior-Myokymie könnte sehr leicht diagnostiziert werden, wenn die betroffenen Personen immer ernst genommen würden bei der Schilderung ihrer Symptome. Da äußerlich nichts zu sehen ist, werden sie häufig als hysterisch angesehen. Dabei handelt es sich jedoch um sehr typische Symptome, die bei einem erfahrenen Arzt sofort den Verdacht auf eine Obliquus-superior-Myokymie lenken würde. Mittels einer Spaltlampe kann der Augenarzt bei einem provozierten Anfall dann das feine Augenzittern erkennen.

Komplikationen

Aufgrund der Obliquus-superior-Myokymie leiden die Betroffenen an einem Augenzittern. In den meisten Fällen erkennen die Patienten das Zittern selbst nicht, sodass diese Beschwerde meistens nur von Außenstehenden erkannt und diagnostiziert werden kann. In der Regel wirken die Betroffenen damit für andere Menschen bizarr und unnatürlich. Das Augenzittern selbst führt durch die Obliquus-superior-Myokymie in der Regel zu Sehbeschwerden und damit zu Doppelbildern oder zum Schielen.

Auch ein Schleiersehen kann durch die Obliquus-superior-Myokymie auftreten und die Lebensqualität des Betroffenen verringern. Allerdings tritt das Zittern meistens nur sehr kurzfristig auf und verschwindet wieder von alleine. In einigen Fällen kann es dabei auch zu Lähmungen an den Augen oder im gesamten Gesichtsfeld kommen, sodass die Betroffenen in ihrem Alltag eingeschränkt sein können.

Besondere Komplikationen oder ein schwerwiegender Krankheitsverlauf treten bei der Obliquus-superior-Myokymie in der Regel nicht auf. Die Behandlung der Obliquus-superior-Myokymie kann durch die Einnahme von Medikamenten erfolgen. Damit können die meisten Beschwerden eingeschränkt werden. Komplikationen treten dabei nicht auf. In einigen Fällen sind allerdings operativen Eingriffe notwendig. Die Lebenserwartung des Betroffenen wird durch diese Krankheit in der Regel nicht beeinflusst.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung der Obliquus-superior-Myokymie richtet sich nach den subjektiven Beschwerden der Patienten. Oft werden die Beschwerden als sehr intensiv empfunden. Es gibt Fälle von Spontanheilung. Diese sind allerdings sehr selten. Bei starken Beschwerden können Medikamente eingesetzt werden. Dabei finden solche Medikamente wie Carbamazepin oder Betarezeptorenblocker Anwendung.

Carbamazepin wird bei affektiven Störungen (Manie) oder Krampfanfällen sowie Neuralgien angewendet. Betarezeptorenblocker wie Propranolol oder Betaxolol hemmen die Bildung von Adrenalin und Noradrenalin. Neben der Anwendung bei Herzrhythmusstörungen werden sie auch bei Angststörungen oder Tremor eingesetzt.

Insgesamt sind bei der Anwendung bei Obliquus-superior-Myokymie die Nebenwirkungen dieser Medikamente jedoch größer als ihr Nutzen. Oft tritt nach monatelanger medikamentöser Behandlung keine Besserung der Symptome ein. In diesen Fällen kann die Durchtrennung der Sehne des Musculus obliquus superior Abhilfe schaffen. Allerdings kommt es bei dieser Operation zur Lähmung, die jedoch durch weitere chirurgische Eingriffe an der Augenmuskulatur befriedigend behoben werden kann.

Im Ergebnis handelt es sich um eine Defektheilung, da der Ausgangszustand nicht vollständig wiederhergestellt werden kann. Zurzeit ist dieser radikale chirurgische Eingriff jedoch die beste Möglichkeit, ein Rezidiv des Tremors zu verhindern. Alternativ zu diesen Behandlungsmethoden kann der Nervus trochlearis durch eine sogenannte mikrovaskuläre Dekompression entlastet werden. In manchen Fällen wurden damit gute Erfolge errungen.

Bei der mikrovaskulären Dekompression handelt es sich um einen neurochirurgischen Eingriff, bei welchem anomale Kontakte zwischen bestimmten Hirnnerven und Arterien getrennt werden. Bei dieser Operation muss der Schädel geöffnet und dann der Kontakt zwischen dem betreffenden Hirnnerv und der Arterie durch Interponieren (dazwischenlegen) eines Polsters aus Muskelgewebe oder Teflonschwämmchen beseitigt werden.

Die Erfolge bei der Obliquus-superior-Myokymie sind gut. Das deutet bereits darauf hin, dass diese Erkrankung durch eine Druckkompression des Nervus trochlearis hervorgerufen wird. Allerdings können Rezidive durch ein Verrutschen des Interponats auftreten.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Eine Möglichkeit zur Vorbeugung vor einer Obliquus-superior-Myokymie ist bisher nicht bekannt.

Bücher über Nystagmus

Quellen

  • Burk, A. et al.: Checkliste Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

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