Oberflächensensibilität

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. Januar 2017
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Als Oberflächensensibilität des Tastsinns fasst die Medizin die Fähigkeit zur epikritischen und protopathischen Wahrnehmung von Schmerz, Temperatur und mechanischen Reizen auf der Haut zusammen. Die Wahrnehmungen sind sowohl für das Taktile, als auch die Haptik relevant. Störungen der Sensibilität gehen meist auf Nervenläsionen zurück.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Oberflächensensibilität?

Der Tastsinn wird auch Hautsinn genannt. Dabei handelt es sich um eine von fünf menschlichen Wahrnehmungsinstanzen. Der Hautsinn dient vorwiegend der Exterozeption, kann im Falle der Schleimhäute aber auch der Interozeption dienen. Die Wahrnehmung von Reizen aus dem eigenen Körper fällt somit genauso in den Zuständigkeitsbereich des Systems, wie die von Reizen aus der Umwelt.

Der Hautsinn befähigt den Menschen zur passiven und aktiven Wahrnehmung von Druck, Schmerz und Temperaturen. Der aktive Anteil wird als haptische und der passive Anteil als taktile Wahrnehmung bezeichnet. Die Wahrnehmungsqualitäten der Sinnesstruktur können sich nach verschiedenen Gesichtspunkten unterscheiden, so zum Beispiel nach der Reiz-Art, dem Erregungsort, der zentripetaler Weiterleitung und der Verschaltung in verschiedene Kernareale.

Anhand der Reiz-Art unterscheidet die Medizin die Oberflächensensibilität in die Nozizeption zur Schmerzwahrnehmung, die Thermorezeption zur Temperaturwahrnehmung und die Mechanorezeption für Druck, Temperatur, Vibration und Dehnung.

Als Oberflächensensibilität werden sowohl die Perzepte der Mechanorezeption als auch die Eindrücke der Nozizeption und der Thermorezeption bezeichnet. Oberflächensensibilität ist in verschiedene Kernareale verschaltet und beinhaltet sowohl die protopathische Grobwahrnehmung, als auch die epikritische Feinwahrnehmung.

Funktion & Aufgabe

Die Oberflächensensibilität ist die wichtigste Qualität des Hautsinns. Sie wird über unterschiedliche Rezeptoren ermöglicht, die als freie Nervenendigungen in den Hautschichten liegen. Diese Rezeptoren sind je auf die Bindung an ein bestimmtes Reizmolekül spezialisiert. Mechanorezeptoren werden in diesem Zusammenhang von Thermo- und Nozizeptoren unterschieden. Diese Sinneszellen übersetzen Reize wie Druck, Schmerzen oder Temperaturen in die Sprache des Zentralnervensystems (ZNS). Die Sensoren verwandeln die Reize in ein Aktionspotential und leiten sie über afferente Bahnen ins ZNS weiter.

Bei Menschen hängt die taktile Wahrnehmung vor allem an den Mechanorezeptoren der Haut. Die einzelnen Rezeptoren dieser Gruppe sind etwa die Merkel-Zellen und die Ruffini-, Vater-Pacini- und Meissner-Körperchen. Über diese Rezeptoren ist dem Menschen beispielsweise das Empfinden von anhaltenden Druckbelastungen und Dehnungen möglich.

Die Wahrnehmungen der Mechanorezeptoren entsprechen der epikritischen Wahrnehmung. Die Informationen von epikritischen Mechanorezeptoren im Bereich der Oberflächensensibilität wandern über Klasse-Aβ-Nervenfasern in Richtung des zentralen Nervensystems. Die einzelnen Fasern verlaufen kreuzungslos in der Fasciculi, also der Hinterstrangbahn des Rückenmarks.

Als Oberflächensensibilität des Tastsinns fasst die Medizin die Fähigkeit zur epikritischen und protopathischen Wahrnehmung von Schmerz, Temperatur und mechanischen Reizen auf der Haut zusammen.

Protopathische Empfindungen von Temperaturen und Schmerzen durch die Thermorezeptoren und Schmerzrezeptoren steuern zur Oberflächensensibilität bei. Diese Perzepte wandern über afferente Nervenfasern der Klasse Aδ und C an das zentrale Nervensystem und unterliegen der Vermittlung durch freie Nervenendigungen. Die Fasern der protopathischen Bahnen kreuzen unmittelbar nach dem Eintritt ins Hinterhorn des Rückenmarks auf die kontralaterale Seite, wo sie in den Tractus spinothalamicus anterior et lateralis aufsteigen.

Im Gehirn werden die Perzepte aus den einzelnen Rezeptoren zu einer Gesamtwahrnehmung verarbeitet. Dieser Vorgang entspricht einer sensorischen Integration und gibt dem Menschen einen Gesamteindruck der aktuell einwirkenden Reize. Die Oberflächensensibilität hat ein eigenes Gedächtnis, das dem Gehirn bei der Filterung, Interpretation, Beurteilung und Einordnung von Perzepten hilft.

Sowohl für die aktive Haptik, als auch für das passiv Taktile ist die Oberflächensensibilität mit ihren Qualitäten Schmerz, Temperatur und Mechanisches eine entscheidende Komponente.

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Krankheiten & Beschwerden

Die Neurologie unterscheidet Störungen der Oberflächensensibilität in Hyperästhesien, Anästhesien, Hypästhesien und Parästhesien. Die Hyperästhesie entspricht einer übersteigerten Oberflächensensibilität. Eine gesteigert taktile Wahrnehmung bezeichnet die Medizin auch als taktile Abwehr. Die Überempfindlichkeit ruft sozusagen eine Abwehrhaltung im Patienten hervor. Die Betroffenen meiden taktile Reize wie Berührungen. Nicht nur vor den Berührung durch andere Personen, sondern auch vor Berührungen mit bestimmten Materialien wie Sand, Staub, Schlamm, Kleister oder Filz und Oberflächen wie Metall oder Holz ziehen sie sich oftmals zurück. Der Grund dafür sind in der Regel Schmerzwahrnehmungen auf der Haut, die durch die übersteigerte Sensibilität verursacht werden.

Das Gegenteil von Hyperästhesien sind Hypästhesien. Dabei handelt es sich um verminderte Sensibilitäten, die meist einem dumpfen Gefühl auf der Haut entsprechen. Bei sogenannten Anasthäsien fehlt die Oberflächensensibilität der Patienten dagegen komplett und die betroffenen Hautpartien sind vollständig taub.

Von diesem Phänomen sind Missempfindungen zu unterscheiden, die als Parästhesien bekannt sind. Missempfindungen können sich beispielsweise in einem Kribbeln oder in einem Brennen äußern. Ein Kältereiz auf der Haut wird von den Patienten mitunter mit einem brühend heißen Reiz verwechselt.

Alle genannten Störungen der Oberflächensensibilität sind vor allem mit Nervenschäden assoziiert. Besonders wenn die Leitungsbahnen im Zentralnervensystem betroffen sind, erreichen das Gehirn lediglich unzureichende Informationen aus dem Bereich der Oberflächensensibilität. Bei dieser Art der Nervenschädigungen handelt es sich um zentralnervöse Läsionen, die mitunter traumatisch bedingt sein können.

Auch Tumore oder neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose kommen als Ursachen infrage. Ebenso gut kann eine Störung der Oberflächensensibilität auf die verarbeitenden Zentren im Gehirn zurückzuführen sein. Solche Schädigungen können durch Schlaganfälle oder Ischämien verursacht werden. Entzündungsbedingte Hirnläsionen kommen ebenso infrage.

Unter Umständen ist eine Störung der Oberflächensensibilität auch auf einen Mangel an sensorischer Integration zurückzuführen sein. Sensorische Integrationsstörungen gehen oftmals auf eine genetische Disposition zurück und können mittels bestimmter Trainingsmethoden unter Umständen gelindert werden.

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