Nukleosidanaloga

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. Juni 2017
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Als Nukleosidanalogon gilt eine Substanz, die einem natürlichen Nukleosid ähnelt. Es handelt sich namentlich insbesondere um solche Arzneistoffe, die zur antiviralen Behandlung eingesetzt werden (sogenannte nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren, NRTI). Nukleosidanaloga spielen deshalb eine bedeutende Rolle zur Behandlung von Infektionskrankheiten wie HIV, Hepatitis B (HBV) oder Hepatitis C (HBC).

Inhaltsverzeichnis

Was sind Nukleosidanaloga?

Bei dem Term Nukleosidanalogon handelt es sich um einen Sammelbegriff der Humanmedizin und Pharmakologie. Hierunter werden verschiedene Stoffe bezeichnet, die Ähnlichkeiten zu den natürlichen Nukleosiden aufweisen. Als Nukleosid gelten Verbindungen aus einer Nukleinbase und Pentose, die einen wichtigen Bestandteil von Nukleinsäure (einem wesentlichen Element der DNS) bildet. Nukleosidanaloga ähneln deshalb den Bausteinen der Erbsubstanz.

Aufgrund dieser Eigenschaften gelingt es ihnen, die Vermehrung von Viren zu unterdrücken. Sie verringern hierdurch die Viruslast im Körper, was zu spürbaren Verbesserungen der spezifischen Krankheitssymptome führt.

Zu den wichtigsten Nukleosidanaloga zählen die Arzneistoffe Ribavirin, Zidovudin, Abacavir, Tenofovir, Didanosin, Stavudin und Lamivudin. Sie werden zur Behandlung von HIV, Hepatitis B (HBV) oder Hepatitis C (HBC) eingesetzt.

Pharmakologische Wirkung auf Körper & Organe

Die Wirksamkeit von Nukleosidanaloga baut wesentlich auf ihrer strukturellen Ähnlichkeit zu den Bestandteilen der Erbsubstanz auf. Die entsprechenden Stoffe werden von der Zelle aufgenommen und entfalten erst durch eine, innerhalb der Zelle erfolgende, Phosphorylierung eine relevante Wirkung. Bei dieser wandelt die Zelle das Nukleosidanalogon schrittweise zu Phosphatresten um.

Die Analoga werden quasi als „falsche“ Bauteile Bestandteil der generierten DNS. Dies führt zu einer Unterbrechung einer sonst ordnungsgemäß aufgebauten DNS-Kette und verursacht dadurch den Abbruch der Polymerisation. Die reverse Transkription der Zelle wird gestoppt und der Virus kann sich nicht weiter vermehren. Nach einiger Zeit kommt es damit zu einer erheblichen Verringerung der Viruslast im Körper.

Medizinische Anwendung & Verwendung zur Behandlung & Vorbeugung

Das Anwendungsgebiet der Nukleosidanaloga bildet die Therapie von Virusinfektionen. Das wichtigste Gebiet stellen hierbei die Behandlung von HIV und Hepatitis B (HBV) dar. Die Vergabe im Rahmen einer HIV-Therapie fand erstmals im Jahr 1987 statt. Die Entwicklung der Nukleosidanaloga markierte den Beginn der modernen Kombinationsbehandlung, welche zu erheblichen Therapieerfolgen führte.

Bei modernen Präparaten der jüngeren Generation erfolgt die Anwendung einmal täglich in Form von Filmtabletten zur oralen Einnahme. Nukleosidanaloga sind damit für den Patienten selbst leicht einzunehmen. Zur Behandlung einer HIV-Infektion stehen derzeit die Nukleosidanaloga Staduvin, Cytidin, Zidovudin, Lamivudin, Abacavir, und Inosin zur Verfügung.

Nukleosidanaloga können erst seit Beginn der frühen 2000er Jahren zu Therapie von Hepatitis B (HBV) verabreicht werden. Vorher wurden der, zur Behandlung einer HIV-Infektion entwickelte, Wirkstoff Lamivudin und das etwas jüngere Adefovir verabreicht. Moderne Behandlungsansätze setzen hingegen auf Nukleosidanaloga. Namentlich werden die Arzneistoffe Tenofovir und Entecavir verabreicht. Hiervon erhoffen sich Mediziner eine geringere Resistenzentwicklung sowie größere Erfolge bei der Langzeittherapie. Nukleosidanaloga werden zur Bekämpfung von HBV mit anderen Substanzen kombiniert.

Innerhalb der Europäischen Union und der Vereinigten Staaten von Amerika besteht eine strenge Verschreibungs- und Apothekenpflicht, sodass ein Erhalt nur nach vorheriger ärztlicher Verordnung möglich ist.

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Risiken & Nebenwirkungen

Obwohl Nukleosidanaloga als gut verträglich gelten bleibt die Einnahme nicht frei von Risiken und Nebenwirkungen. Häufig kommt es nach der Anwendung zu Beschwerden des Magen-Darm-Trakts. Patienten berichten über ein unbegründetes Völlegefühl, Übelkeit, Erbrechen und Diarrhoe (Durchfall). Darüber hinaus kann es auch zu einem allgemeinen Unwohlsein und Kopfschmerzen kommen.

Daneben sind auch Langzeitnebenwirkungen denkbar, die sich erst nach mehrjähriger Einnahme zeigen. Üblich ist das Auftreten von Pankreatitiden, Myelotoxizität, Polyneuropathie, Laktatazidosen und Lipoatrophie. Dies ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass Nukleosidanaloga gegenüber Mitochondrien toxisch wirken. Die Intensität der giftigen Wirkungen hängt allerdings vom jeweils eingesetzten Präparat ab.

Bei Patienten, die gegen das jeweils zum Einsatz kommende Nukleosidanalogon allergisch reagieren, müssen von einer Einnahme absehen, da eine medizinische Gegenanzeige besteht.

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