Nucleus accumbens

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. Juni 2017
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Der Nucleus accumbens ist ein relativ kleiner Anteil im Gehirn. Er stellt eine Verbindung zwischen dem Putamen und dem Nucleus caudatus. Seine Hauptaufgabe ist die Regulierung des Belohnungssystems.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Nucleus accumbens?

Der Nucleus accumbens wird dem mesolimbischen System zugeordnet. Das mesolimbische System ist das Belohnungssystem für positive Reize. In ihm werden positive Emotionen durch äußere Reize lokalisiert und identifiziert.

Entsprechende Reaktionen auf die Reize werden in dieser Hirnregion geplant und durchgeführt. Die auslösenden Reize können auf erlebten Ereignisse basieren, aber auch durch die Einnahme von Substanzen ausgelöst werden. Aus diesem Grund gilt der Nucleus accumbus als die Region, die bei der Entstehung einer Sucht eine wesentliche Rolle einnimmt.

Der Nucleus accumbens ist ein Teil des Putamens. Das Putamen stellt eine wichtige Funktion bei der Steuerung der Willkürmotorik. Gemeinsam mit dem Nucleus caudatus bildet das Plutamen das Striatum. Das Striatum gehört zu den Basalganglien. Diese übernehmen einen Teil der motorischen, kognitiven und limbische Funktionen. Der Nucleus accumbens ist ein Abschnitt dieser Region, die eine Umsetzung von motivationalem Vorhaben in die Aktion bewirken. Die wahrgenommene Emotion wird in eine sogenannte Lokomotion durch den Einfluss des Nucleus accumbens umgewandelt. Damit ist der Nucleus accumbens die Instanz, die den Übergang von dem motivationalem System zum Aktivierungssystem darstellt.

Anatomie & Aufbau

Der Nucleus accumbens gilt als inneres Kerngebiet des Telencephalons. Dies ist das Großhirn. Der Nucleus accumbens wird zum Corpus striatum gezählt. Er ist ein Kern in den Basalganglien in dem sich eine Gruppe von Endhirn- und Zwischenhirnkernen befinden.

Der Nucleus accumbens bildet eine kleine Region im ventrorostralen Bereich des Striatums. Das Striatum ist eine Schaltstelle im extrapyramidalmotorischen System. Der Nucleus accumbens ist der Bereich, in dem der Nucleus caudatus und Plutamen miteinander verschmelzen. Seine Faserverbindung ähneln die des restlichen Striatums.

Im Bereich des limbischen Systems zeichnet es sich durch eine besonders afferente Faserstruktur aus. Aus diesem Grund ist dieser Teil der Basalganglien eine besondere Relaisstelle für die Umsetzung von Motivation und Emotion. Damit ist der Nucleus accumbens ein Bindeglied zwischen den Basalganglien und dem limbischen bzw. psychomotorischem System. Im Nucleus accumbens befinden sich Dopaminrezeptoren vom Typ D2. Diese Rezeptoren empfangen die Signale des Neurotransmitters Dopamin. Dieser hat eine erregende Wirkung.

Funktion & Aufgaben

Der Nucleus accumbens übernimmt eine wichtige Funktion beim Sozialverhalten. Funktionell stellt der Nucleus accumbens eine Schaltstelle zwischen dem emotionalem und lokomotorischen System dar. Dies bedeutet, dass die wahrgenommenen Emotionen Handlungen hervorbringen, die durch den Nucleus accumbens reguliert werden.

Die im Nucleus accumbens vorhandenen Dopaminrezeptoren lösen positive Gefühle aus. Dazu zählen Glücksgefühle, das Erfolgserleben oder auch die Euphorie. Substanzen wie Opiate oder Amphetamine wirken ebenso auf die Rezeptoren und lösen die gleichen positiven Emotionen aus. Die synaptische Übertragung funktioniert daher bei Erlebtem wie bei künstlich herbeigeführten Emotionen. Der Nucleus accumbens stellt das Belohnungszentrum dar. Damit nimmt es eine wichtige Rolle bei der klassischen Konditionierung ein. Dies beinhaltet das Erlernen von einfachen Reiz-Reaktions-Mustern. Eine Konditionierung bewirkt beispielsweise beim Anblick von Speisen den Speichelfluss.

Der Nucleus accumbens ist die Region im Gehirn, bei der die Entstehung der Sucht verortet ist. Hierbei kann es sich um eine Sucht nach Substanzen wie Kokain, Amphetaminne oder Opiaten handeln. Aber auch die Sucht nach milderen Substanzen wie Tabak oder Nasenspray entsteht im Nucleus accumbens.

Aus dem Nucleus accumbens ziehen Efferenzen in das limbische System und den Hypothalamus. Die eingehenden Informationen werden in dieser Hirnregion kognitiv-psychisch verarbeitet. Der Verarbeitungsprozess bewirkt die vegetative Antwort des Glücksgefühls.

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Krankheiten

Läsionen und Beschädigungen des Nucleus accumbens haben direkte Auswirkungen auf das Empfinden von positiven Gefühlen in Folge von Belohnung. Beeinträchtigungen können bei Gehirnblutungen, durch Entzündungen oder nach Unfällen entstehen. Ebenso sind Beschädigungen des Nucleus accumbens nach operativen Eingriffen oder bei Tumorerkrankungen möglich.

Die Ausschüttung der sogenannten Glücksgefühle kann bei Läsionen des Nucleus accumbens nicht mehr über Feedbackmechanismen reguliert werden. Der Dopaminrezeptor vom Typ D2 vermittelt positive und negative Schizophreniesymptome. Damit werden alle Erkrankungen durch Schizophrenie über den Nucleus accumbens beeinflusst.

Eine Dysfunktion des Nucleus accumbens kann sich negativ auf die Funktionalität des Belohnungssystems auswirken. Damit kann eine Dysfunktion bei Erkrankungen wie Depressionen einen wichtigen Einfluss nehmen. Die Erkrankung kann verstärkt oder depressive Schübe können ausgelöst werden.

Eine bipolare affektive Störung ist gekennzeichnet durch ein gestörtes Erleben der Emotionen. Erkrankte leiden unter einem Wechselspiel von positiven und negativen Gefühlen. Hierbei nimmt der Nucleus accumbens eine entscheidende Rolle ein. Sein Einfluss kann das Emotionserleben abschwächen oder verstärken. Ist die Funktionstätigkeit des Nucleus accumbens eingeschränkt, kann dies dazu führen, dass ein Erlernen der klassischen Konditionierung unmöglich ist. Damit wird die Reiz-Reaktionsfähigkeit eingeschränkt. Viele Angsterkrankungen sind durch die klassische Konditionierung im Gehirn gespeichert. Eine Beschädigung des Nucleus accumbens kann bewirken, dass ein bereits erlerntes Angsterleben minimiert wird. Die Angstkonditionierung muss dabei vor der Läsion des Nucleus accumbens erfolgt sein.

Eine Suchterkrankung ist wesentlich durch die Aktivität des Nucleus accumbens beeinflusst. Dies ist eine chronische Erkrankung, bei der eine dauerhafte Erhöhung des Dopaminspiegels eine Unempfindlichkeit gegenüber der jeweiligen Substanz bewirkt. Ein Absetzen der Substanz führt zu starken Entzugserscheinungen.

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