Noscapin

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 29. November 2016
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Der Arzneistoff Noscapin wird aus dem Schlafmohn gewonnen. Er findet Anwendung in der Linderung von Hustenreiz.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Noscapin?

Bei Noscapin handelt es sich um ein Antitussivum. Das bedeutet, dass der Wirkstoff zur Behandlung von Husten dient. Gewonnen wird das Alkaloid Noscapin aus dem Schlafmohn (Papaver somniferum), der der Familie der Mohngewächse (Papaveraceae) angehört und aus dem sich ebenfalls Opium herstellen lässt.

Als Opium-Auszug war Noscapin bereits dem französischen Pharmazeuten und Chemiker Antoine Baume (1728-1804) bekannt. Im Jahr 1817 gelang es seinem Landsmann Pierre-Jean Robiquet (1780-1840), den Wirkstoff aus Opium zu isolieren. Aus chemischer Sicht stellt die Substanz ein Methoxy-Derivat des Alkaloids Hydrastin dar. In Deutschland wird Noscapin als Monopräparat unter dem Namen Capval® angeboten.

Pharmakologische Wirkung

Noscapin zählt zu den Antitussiva, auch Hustenstiller genannt. Antitussiva besitzen die Eigenschaft, das Hustenzentrum, das sich innerhalb des Hirnstamms befindet, zu hemmen. Das Gleiche gilt für die sensiblen Rezeptoren der Lunge. Sinnvoll ist der Einsatz von Antitussiva wie Noscapin jedoch nur dann, wenn es sich um einen trockenen Husten ohne Schleimabsonderung handelt. Denn durch das Hemmen des Hustenzentrums lässt sich der Schleim nicht abhusten, was unter Umständen das Verschlimmern des Infekts zur Folge haben kann.

Noscapin entfaltet seine Wirkung ausschließlich peripher. So verfügt der Stoff über bronchienerweiternde und atemstimulierende Effekte. Weil Noscapin jedoch keinerlei schmerzstillende Eigenschaften aufweist, gehört es nicht den Opiaten an. Zudem werden keine euphorisierenden Wirkungen ausgelöst, sodass kein Suchtpotential vorhanden ist.

Aufgrund seiner peripheren Wirkeigenschaften kann Noscapin weder die Atmung unterdrücken noch beruhigend wirken. Ein weiterer Vorteil des Mittels ist, dass die Nebenwirkung einer Verstopfung, die häufig mit der Einnahme von Opioiden verbunden ist, sich nicht einstellt.

Gemäß neueren Untersuchungen weist Noscapin ferner den Vorzug auf, das Enzym CYP2C9 zu hemmen, wodurch das Mittel über antitumorale Effekte verfügt.

Die Plasmahalbwertszeit von Noscapin liegt zwischen 2,6 und 4,5 Stunden. Auf diese Weise ergibt sich eine individuell variable Bioverfügbarkeit, die etwa 30 Prozent beträgt.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Der Arzneistoff Noscapin wird aus dem Schlafmohn gewonnen. Er findet Anwendung in der Linderung von Hustenreiz.

Eingesetzt wird Noscapin zur Behandlung von unproduktivem nächtlichem Reizhusten. Damit ist Husten ohne Schleim gemeint. Der Husten stellt keine eigenständige Erkrankung dar, sondern wird durch bestimmte Ursachen hervorgerufen. Dabei kann es sich um eine akute oder chronische Bronchitis, die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) oder Keuchhusten (Pertussis) handeln. Mitunter sind auch anatomische Veränderungen oder Tumore für die Entstehung von Reizhusten verantwortlich.

Noscapin gilt zudem als sinnvoll, wenn durch den Husten eine erhebliche Belastung von Herz und Kreislauf hervorgerufen wird. Dazu gehört zum Beispiel das Risiko, dass ein Aneurysma durch den intensiven Husten zu platzen droht. Eingenommen wird Noscapin oral in Form von Dragees oder Saft. Die gängige Dosis liegt bei Kindern im Alter von 6 bis 12 Jahren bei drei Dragees pro Tag, während Kinder über 12 Jahren und erwachsene Menschen drei Mal am Tag 2 Dragees einnehmen. Für Babys über sechs Monate und Kleinkinder bis zu einem Alter von fünf Jahren stehen andere Darreichungsformen wie Saft oder Tropfen zur Verfügung, die sich besser für sie eignen.

In den Noscapin-Dragees sind normalerweise jeweils 25 Milligramm Noscapin vorhanden. Der Saft enthält in 5 Gramm 25 Milligramm Noscapin. Bei Erwachsenen wird eine Stillung des Hustens bei einer Dosierung von 50 bis 100 Milligramm Noscapin erreicht. Wie lange das Antitussivum eingenommen werden muss, richtet sich nach dem Krankheitsverlauf.

Da Noscapin in Deutschland der Verschreibungspflicht unterliegt, ist das Mittel hierzulande nur gegen die Vorlage eines Rezepts in der Apotheke zu bekommen.

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Risiken & Nebenwirkungen

Unerwünschte Nebenwirkungen zeigen sich bei der Einnahme von Noscapin nur selten. Am häufigsten sind Benommenheit und Kopfschmerzen zu verzeichnen. In manchen Fällen kann es auch zu Juckreiz, Hautreaktionen und Schwindelgefühlen kommen. Selten tritt in der Gesichts- und Halsregion ein Quincke-Ödem auf, das sich durch Schwellungen bemerkbar macht. Weitere denkbare Nebeneffekte sind Schmerzen im Oberbauch, Atemnot sowie ein Gefühl der Beklemmung. Wird Noscapin zu hoch dosiert, besteht das Risiko von Krampfanfällen.

Auf eine Einnahme von Noscapin muss verzichtet werden, wenn beim Patienten eine Überempfindlichkeit gegen den Arzneistoff besteht. Gleiches gilt für eine Allergie gegen Bestandteile des Antitussivums wie Methyl-Hydroxybenzoat. Als nicht sinnvoll gilt die Darreichung von Noscapin bei ausgeprägter Schleimbildung. So wird das Abhusten des Schleims durch den Wirkstoff verhindert. Für Kinder, die jünger als sechs Monate sind, eignet sich die Gabe von Noscapin nicht.

Von der Einnahme Noscapins ist außerdem während des ersten Schwangerschaftsdrittels abzusehen. So lässt sich eine eventuelle Fehlgeburt durch das Antitussivum nicht eindeutig ausschließen. In der Stillzeit gibt es dagegen keine Bedenken gegen die Gabe des Hustenstillers, da nur geringe Mengen in die Muttermilch übergehen, sodass das Baby nicht gefährdet ist.

Nach der Einnahme von Noscapin sollte der Patient darauf verzichten, Autos oder andere Kraftfahrzeuge zu steuern. Gleiches gilt für die Bedienung komplizierter Maschinen oder elektrischer Werkzeuge, da durch das Mittel das Reaktionsvermögen negativ beeinflusst werden kann.

Darüber hinaus sind Wechselwirkungen zwischen Noscapin und anderen Medikamenten möglich. Daher empfiehlt es sich, das Antitussivum nicht zusammen mit schleimlösenden Präparaten zu verabreichen, da sonst ein Sekretstau droht. Ebenfalls nicht sinnvoll ist eine gemeinsame Gabe mit Opioiden, Schlafmitteln, Neuroleptika, Antidepressiva, Beruhigungsmitteln und Alkohol.

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