Non-Thyroidal-Illness-Syndrom

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 7. November 2016
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Das Non-Thyroidal-Illness-Syndrom ist keine eigenständige Erkrankung, sondern tritt im Rahmen schwerwiegender Erkrankungen oder Hungerzustände auf. Es kennzeichnet eine Veränderung des Stoffwechsels der Schilddrüsenhormone bei normaler Schilddrüsenfunktion. Die Bedeutung des Non-Thyroidal-Illness-Syndroms ist noch nicht vollständig geklärt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Non-Thyroidal-Illness-Syndrom?

Das Non-Thyroidal-Illness-Syndrom (NTIS) oder TACITUS-Syndrom zeichnet sich durch einen veränderten Stoffwechsel der Schilddrüsenhormone bei normaler Schilddrüsenfunktion aus. Deshalb wird es auch als Euthyroid-Sick-Syndrom bezeichnet. Es kommt nie isoliert vor, sondern immer nur in Verbindung mit schweren Krankheitsverläufen sowie bei Hungerzuständen.

Über die Bedeutung dieses Syndroms für den Organismus herrscht noch keine Klarheit. Der veränderte Stoffwechsel könnte sich zum Schutz des Organismus gegen die äußerst schweren Krankheitsverläufe entwickeln. Allerdings könnte es sich auch um eine Folgestörung handeln. Auf jeden Fall ist bei kritisch kranken Personen dieses Syndrom allgemein mit einer schlechteren Prognose verbunden.

Das Non-Thyroidal-Illness-Syndrom setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen, die nicht immer alle gleichzeitig auftreten müssen. Es gibt drei Hauptkomponenten und einige weitere Komponenten. Selbst die Hauptkomponenten können sowohl einzeln als auch in Kombination in Erscheinung treten.

Es wird von einer charakteristischen allostatischen Konstellation des thyreotropen Regelkreises gesprochen. Eine allostatische Konstellation beschreibt eine Anpassung des Körpers auf chronische Belastungen. Zu den Hauptkomponenten des Non-Thyroidal-Illness-Syndroms zählen eine zentrale Hypothyreose (Low-THS-Syndrom), eine gestörte Bindung der Schilddrüsenhormone an die entsprechenden Plasmaproteine und eine reduzierte Bildung von T3 aus T4 bei gesteigerter Umwandlung von T4 in rT3 (Low-T3-Syndrom).

Die erste Komponente bezeichnet einen allgemeinen Mangel an Schilddrüsenhormonen, wie er auch bei einer Unterfunktion der Schilddrüse vorkommt. Des Weiteren sind die vorhandenen Schilddrüsenhormone durch die gestörte Bindung an die Plasmaproteine in ihrer Wirkung eingeschränkt. Zudem wird die Umwandlung von Thyroxin (T4) durch Dejodierung in das wirksamere Triiodthyronin (T3) zugunsten seiner Konversion in das inaktive rT3 behindert.

Das Molekül rT3 enthält ebenfalls wie T3 drei Jodatome. Es ist jedoch genau umgekehrt jodiert wie T3 und daher inaktiv. Zu den weiteren Komponenten gehört die gestörte Aufnahme der Schilddrüsenhormone in die Zielzellen und die verminderte Wirksamkeit von Schilddrüsenhormonrezeptoren.

Sehr selten kommen beim Non-Thyroidal-Illness-Syndrom solche Verlaufsformen wie das Low-T4-Syndrom, das Low-T3-low-T4-Syndrom, das High-T4-Syndrom oder das High-T3-Syndrom vor. Es ist jedoch schwierig, die einzelnen Komponenten des Syndroms nachzuweisen.

Ursachen

Auch die Ursachen und die Pathogenese für das Non-Thyroidal-Illness-Syndrom sind noch nicht vollständig bekannt. Es werden entzündliche Prozesse, die im Rahmen verschiedener Erkrankungen auftreten können, für die verminderte Umwandlung von T4 in T3 diskutiert. So sollen proinflammatorische Zytokine, Glucocorticoide und bestimmte Stoffwechselmetaboliten für diese Vorgänge verantwortlich sein.

Möglicherweise führt auch eine Leberparenchymschädigung im Rahmen einer entsprechenden Grunderkrankung zur Hemmung der Dejodierung. Eine Leberparenchymschädigung könnte auch die Ursache für die verringerte Bindung der Schilddrüsenhormone an Plasmaproteine sein, weil schlicht weniger Albumine vorhanden sind.

Als Ursachen für die zentrale Hypothyreose werden endokrine Gründe wie ein verminderter Leptinspiegel oder Endotoxine durch Bakterien in Betracht gezogen. Diese Einflüsse könnten eine lokale Hyperdejodierung auslösen, welche wiederum über den endokrinen Regelkreis die Produktion von TRH reduziert. TRH (engl. Thyrotropin releasing hormone) wird im Hypothalamus gebildet und gibt den Sollwert für die Konzentration der Schilddrüsenhormone vor.

Wenn weniger TRH vorhanden ist, werden auch weniger Schilddrüsenhormone gebildet. Die verstärkte Bildung von rT3 anstatt T3 dient möglicherweise der Akkumulation von Halogenen, wozu auch Jod gehört, in den Abwehrzellen, um unter anderem bei einer Sepsis bessere Abwehrarbeit leisten zu können.

Zu den schweren Erkrankungen, die ein Non-Thyroidal-Illness-Syndrom auslösen können, gehören unter anderem Leberzirrhose, Herzschwäche, Herzinfarkt, chronische Nierenschwäche, diabetische Ketoazidose, Sepsis oder Verbrennungen. Auch Fastenzustände, Fehlernährung oder Mangelernährung im Rahmen einer Anorexia nervosa können ein Non-Thyroidal-Illness-Syndrom hervorrufen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome dieses Syndroms sind schwer zu erkennen, da sie im Rahmen anderer schwerer Grunderkrankungen auftreten. In der Regel handelt es sich um ähnliche Erscheinungen wie bei einer Schilddrüsenunterfunktion. Der Stoffwechsel wird stark reduziert, sodass alle körperlichen Funktionen auf Sparflamme laufen. Möglicherweise schützt sich der Organismus damit vor Überlastung, um die anderen Herausforderungen der Grundkrankheiten bewältigen zu können.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose des Non-Thyroidal-Illness-Syndroms gestaltet sich in der Regel sehr schwierig. Da es von den Symptomen der entsprechenden Grundkrankheit überlagert wird, können lediglich die Hormonspiegel der freien Schilddrüsenhormone Hinweise geben. So sind die basalen Hormonspiegel von FT4, FT3 und TSH meist erniedrigt, wobei es einen großen Graubereich gibt. Die Konzentration von rT3 ist in der Regel erhöht.

Behandlung & Therapie

Eine Therapie des Non-Thyroidal-Illness-Syndroms ist sehr umstritten. Es besteht die Frage, ob eine allgemeine Substitutionstherapie mit Schilddrüsenhormonen überhaupt sinnvoll oder gar schädlich ist. Der Körper leidet zwar unter einer Unterversorgung mit Energie. Das könnte aber der Sinn des veränderten Stoffwechsels der Schilddrüsenhormone bei der Schwere der Grundkrankheit sein.

Der Organismus soll vor Überlastung geschützt werden. Zwar konnte in Studien gezeigt werden, dass sich bei Substitution mit Schilddrüsenhormonen das Herzzeitvolumen der Patienten verbessert, nicht jedoch ihre Überlebenschance. Das Non-Thyroidal-Illness-Syndrom kann nur im Rahmen der Therapie der Grundkrankheit erfolgreich behandelt werden.




Vorbeugung

Da das Non-Thyroidal-Illness-Syndrom keine eigenständige Erkrankung ist, kann es keine Empfehlung zu seiner Vorbeugung geben. Dem Risiko für das Auftreten der einzelnen Grundkrankheiten kann jedoch allgemein durch eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung, körperlicher Aktivität sowie Verzicht auf Alkohol und Rauchen vorgebeugt werden.

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