Nikotinsucht (Nikotinabhängigkeit)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 17. August 2017
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Nikotinsucht oder Nikotinabhänigkeit ist sowohl eine körperliche als auch psychische Krankheit, die theoretisch jeden Menschen befallen kann, so er denn mit dem Rauchen anfangen sollte. Leider gibt es auch immer mehr Menschen, die durch Passivrauchen in die Nikotinabhänigkeit geraten und schlussendlich selbst zu Rauchen anfangen. Von der Nikotinsucht wegzukommen, ist kein leichtes Unterfangen und sollte daher vom Arzt medizinisch begleitet werden. Trotz alledem: Jeder kann es schaffen nicht mehr zu rauchen!

Inhaltsverzeichnis

Was ist Nikotinsucht (Nikotinabhängigkeit)?

Unter Nikotinsucht versteht man die körperliche oder psychische Abhängigkeit von Nikotin, einem Stoff, der in der Tabakpflanze vorkommt. Oft reichen bereits wenige Zigaretten aus, um in die Nikotinabhängigkeit zu geraten.

Die Betroffenen der Nikotinsucht verspüren Entzugserscheinungen, wenn sie ihre tägliche Nikotindosis nicht erhalten, und versuchen oft vergeblich, mit dem Rauchen wieder aufzuhören. Im Unterschied zu vielen anderen Drogen bewirkt Nikotin keine Persönlichkeitsveränderung. Nikotinsucht vereint in den meisten Fällen eine körperliche und psychische Abhängigkeit.

Ursachen

Eine körperliche Nikotinabhängigkeit entsteht, da Nikotin über die Lunge oder die Mundschleimhäute ins Blut und von dort aus ins Gehirn gelangt. Im Gegensatz zu vielen anderen Giften kann Nikotin die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Bereits wenige Sekunden nach der Aufnahme des Nervengifts erreicht es die Nervenzellen im Gehirn und nimmt dort Einfluss auf deren Aktivität.

Nikotin veranlasst das Gehirn z. B. zur Ausschüttung verschiedener Botenstoffe wie Dopamin, Serotonin und Endorphine, die alle mit dem Belohnungssystem im Gehirn zusammenwirken. Daher ist es nicht verwunderlich, dass eine Nikotinsucht bereits sehr früh eintritt. Der Nikotinkomsum führt zu einem angenehmen Gefühl und sorgt z. B. in einer stressigen Situation dafür, dass der Mensch wieder ruhiger wird. Es kann kurzzeitig zu einer erhöhten Aufmerksamkeit und Lernfähigkeit führen.

Eine psychische Nikotinabhängigkeit stellt sich ein, wenn der Konsument in bestimmten Situationen durch die Aufnahme von Nikotin positive Wirkungen erlebt. Wieder spielt hier das Belohnungszentrum eine wichtige Rolle bei der Nikotinabhängigkeit. Nikotin verschafft innere Ruhe und Zufriedenheit. Kommt der Komsument erneut in eine ähnliche Situation, wird er wieder zu Nikotin greifen, um die gleiche Wirkung wie beim ersten Mal hervorzurufen. Auf diese Weise gerät er bereits nach kurzer Zeit in eine psychische Nikotinabhängigkeit.

Typische Symptome & Anzeichen

Die folgenden Symptome und Beschwerden beziehen sich nur auf Erscheinungen bei Nikotinentzug, jedoch nicht bei normalem Rauchverhalten. Dennoch können diese Symptome auch schon bei starken Rauchern auftreten, die nur eine kurze Zeit lang keine Zigarette (oder ähnliche Tabakprodukte) mehr geraucht haben.

Krankheitsverlauf

Eine Nikotinsucht entsteht durch die besondere Wirkung des Nikotins auf das menschliche Gehirn. Sie stellt sich bei den meisten Betroffenen der Nikotinabhängigkeit bereits nach wenigen Zigaretten ein. In vielen Fällen greifen die Konsumenten mit der Zeit zu immer höheren Mengen des Nervengifts bzw. rauchen in kürzeren Abständen, um die gleiche angenehme Wirkung wie zu Beginn der Nikotinsucht zu erreichen.

Bereits nach kurzer Zeit ohne Nikotin stellen sich bei Nikotinabhängigkeit erste Entzugserscheinungen wie innere Unruhe, Gereiztheit oder gelegentlich auch Kopfschmerzen ein, die die Abhängigen erneut zur Zigarette greifen lassen. Es ist daher sehr schwer, sich wieder aus einer Nikotinabhängigkeit zu befreien.

Komplikationen

Ein Großteil der Raucher entwickelt eine Nikotinsucht. Diese liegt vor, wenn mehr als drei der sechs folgenden Kriterien erfüllt sind: Konsumzwang, fehlende/geringe Kontrolle des Rauchverhaltens, sich erweiternde Toleranzgrenzen, Zurückstellen anderer Interessen zugunsten des Zigarettenkonsums, fortführender Konsum trotz bereits vorhandener physischer/psychischer Folgeschäden, körperliche Entzugserscheinungen wie Aggressivität, Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen.

Bereits am frühen Morgen – meist vor dem Frühstück – wird die erste Zigarette fällig; der Tageskonsum steigt. Ein eigenständig durchgeführter Versuch, das Rauchen zu reduzieren oder ganz einzustellen, führt häufig zu Schlafstörungen, Reizbarkeit, Aggressivität, Unruhe, Konzentrationsstörungen, Angst, Depressionen, steigendem Appetit und Gewichtszunahme.

Das Rauchen führt zu Schädigungen/Störungen des Atem- und Herz-Kreislaufsystems(Raucherbein), im Gehirn, der Knochen/Gelenke, der Augen, der Haut, der Mundflora, des Immunsystems, des Stoffwechsels, der Wundheilung, in der Fortpflanzungsfähigkeit und verursacht gegebenenfalls Fehlbildungen und Fehlgeburten (erhöhtes Risiko). Die bleibenden Schäden schränken auch nach einer erfolgreichen Entwöhnung die Lebensqualität erheblich ein. Einige jedoch können sich zunehmend verbessern.

Die Entwöhnung selbst braucht oft mehrere Anläufe, bis sie möglicherweise zum Erfolg führt. Schließlich spielt auch die psychische Abhängigkeit eine immens große Rolle. Zahlreiche Raucherentwöhnungsprogramme und -angebote ersparen auch nicht das Durchhalten. Je nach Intensität der Abhängigkeit werden die Folgen noch viele Jahre zu spüren sein. Nikotin selbst wird von der Leber innerhalb weniger Tage abgebaut.

Behandlung & Therapie

Es gibt verschiedene Behandlungsansätze für Nikotinsucht. Die erfolgversprechendste Methode zur Behandlung einer Nikotinabhägigkeit ist eine Verhaltenstherapie in Kombination mit Hilfsmitteln wie Nikotinkaugummis oder Nikotinpflastern, die die Entzugserscheinungen lindern. Auch Selbsthilfegruppen können vielen Betroffenen auf ihrem Weg aus der Nikotinucht helfen, da sie eine gewisse Kontrolle bieten.

Es ist wichtig, dass die Gruppe von einer sachkundigen und ausgebildeten Person geleitet wird. Die Hypnosetherapie bietet ebenfalls einen Weg aus der Nikotinsucht, der jedoch nicht bei jedem Betroffenen wirkt. Viele weitere Therapieformen helfen vereinzelten Personen. Die Anzahl der erfolgreichen Behandlungen reichen aber nicht aus, um eine Wirkung nachzuweisen. Stattdessen können die Behandlungserfolge ebenso auf den Placebo-Effekt zurückzuführen sein. Zu diesen Therapieformen für die Nikotinsucht zählen unter anderem der Umstieg auf Kräuteretten, die Aversionstherapie oder die Akupunktur. Selbst nach zunächst erfolgreicher Behandlung werden viele Betroffene wieder rückfällig.

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Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015
  • Möller, H.-J., Laux, G., Deister, A.: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2015

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