Nijmegen-Breakage-Syndrom

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 25. Oktober 2016
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Als Nijmegen-Breakage-Syndrom wird eine seltene Krankheit bezeichnet, die bereits angeboren ist. Dabei liegt eine Störung des DNA-Reparaturmechanismus vor.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Nijmegen-Breakage-Syndrom?

Beim Nijmegen-Breakage-Syndrom (NBS) handelt es sich um eine überaus selten vorkommende autosomal-rezessive Erkrankung. Sie zählt zur Gruppe der chromosomalen Instabilitätssyndrome und macht sich durch eine Vielzahl an unterschiedlichen Beschwerden bemerkbar.

Das Nijmegen-Breakage-Syndrom ist gekennzeichnet durch eine Störung des DNA-Reparaturmechanismus, die sämtliche Organe und Zellen betrifft. Dabei besteht eine ausgeprägte Chromosomenbrüchigkeit. Die Störung hat wiederum Symptome wie Entwicklungs- und Wachstumsverzögerungen, geistige Entwicklungsstörungen, einen zu kleinen Kopf sowie Immundefekte zur Folge.

Darüber hinaus besteht bei den betroffenen Kindern eine verstärkte Anfälligkeit auf schwere Erkrankungen wie Lymphome, bösartige Tumore und Leukämie. Die erste Beschreibung des Nijmegen-Breakage-Syndroms fand im Jahr 1981 in der niederländischen Stadt Nijmegen (Nimwegen) statt, auf die die Benennung der Krankheit zurückzuführen ist.

Die genaue Häufigkeit des Nijmegen-Breakage-Syndroms ließ sich nicht ermitteln. In der Literatur erfolgte die Beschreibung von 150 Betroffenen. Deutlich mehr Krankheitsfälle sind jedoch in den Patientenregistern verzeichnet. Es wird vermutet, dass die Erbkrankheit auf der ganzen Welt vorkommt. Besonders häufig zeigt sie sich in Mittel- und Osteuropa unter der slawischen Bevölkerung.

Ursachen

Das Nijmegen-Breakage-Syndrom gehört zu den Erbkrankheiten. Es wird autosomal-rezessiv von einer Generation an die andere weitergegeben. Als genetische Ursache gilt eine Mutation des Nibrin-Gens (NBS-1) auf Chromosom 8, genauer gesagt im Abschnitt q21-24. Bei Menschen, bei denen sich lediglich ein Gen verändert, kommt es in der Regel nicht zu Erkrankungen. Das Nijmegen-Breakage-Syndrom zeigt sich dagegen, wenn die betroffenen Personen über zwei mutierte Nibrin-Gene verfügen.

Vom Nibrin-Gen wird ein Protein mit der Bezeichnung Nibrin kodiert. Das Eiweiß zählt zu dem Proteinkomplex, der Anteil an Reparaturen von DNA-Doppelstrangbrüchen hat. Ist das Polypeptid nicht vorhanden, falsch zusammengesetzt oder beschädigt, führt dies zum Stoppen des kompletten genetischen Reparaturmechanismus.

Mit dem Teilnehmen an der ATM-Signalkaskade erfüllt das Nibrin eine weitere Aufgabe. Dabei findet die Zufuhr von beeinträchtigten Zellen der Apoptose statt. Im Falle eines Nijmegen-Breakage-Syndroms kann auch dieser Ablauf nicht mehr durchgeführt werden.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Beschwerden, die im Rahmen des Nijmegen-Breakage-Syndroms auftreten, sind überaus vielfältig. Grund dafür ist, dass sich die Erbkrankheit auf sämtliche Zellen des menschlichen Körpers auswirkt. Als wichtigstes Symptom gilt die Mikrozephalie. Dabei hat der Kopf der Betroffenen eine zu geringe Größe. Die Mikrozephalie ist bereits bei der Geburt vorhanden und verstärkt sich mit zunehmendem Alter noch.

Darüber hinaus verfügt der Patient über ein fliehendes Kinn sowie eine fliehende Stirn. Die anderen Gesichtsmerkmale können individuell unterschiedlich ausfallen. So gibt es kurze, aber auch lange und schnabelförmige Nasen sowie Lidspalten, die schräg in die obere Richtung verlaufen. Manche Erkrankte leiden zudem an Choanalatresie oder einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte.

Nicht selten kommt es zu leichten Wachstumsverzögerungen sowie zu einer frühzeitigen Ovarialinsuffizienz. Bei rund 50 Prozent aller Patienten liegt eine Klinodaktylie an den kleinen Fingern sowie eine Syndaktylie an zweiter und dritter Fußzehe vor. Außerdem verzögert sich bei Kindern die Sprachentwicklung. Bei zwischen 50 und 70 Prozent aller betroffenen Personen bestehen außerdem Vitiligo-Flecken.

Das Haar von Kindern, die unter dem Nijmegen-Breakage-Syndrom leiden, fällt meist spärlich und dünn aus. Mit ansteigendem Lebensalter bessert sich dieser Befund jedoch. Des Weiteren sind nicht selten bereits angeborene Fehlbildungen der Nieren zu verzeichnen. Als zusätzliche mögliche Symptome kommen ein geistiger Entwicklungsrückstand, Fehlbildungen am Gehirn wie eine Balkenhypoplasie und verschiedene Erkrankungen des Immunsystems in Betracht.

Darüber hinaus ist das Nijmegen-Breakage-Syndrom mit dem Auftreten von bösartigen Krebserkrankungen verbunden, die bereits bei Kindern und Jugendlichen auftreten.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Diagnostiziert wird das Nijmegen-Breakage-Syndrom anhand der klinischen Symptome, der kombinierten Immunschwäche, einer verstärkten Zellensensivität gegen ionisierende Strahlung sowie durch die Chromosomen-Instabilität. Darüber hinaus fehlt das normal lange Nibrin komplett.

Eine frühe Diagnose gilt bei NBS als überaus wichtig, um den Patienten nicht durch unnötige Strahlungen oder rezidivierende Infektionen zu belasten. Eine Rolle bei der Diagnostik spielt zudem das Analysieren der familiären Krankengeschichte. Dabei achtet der Arzt auf eventuelle bösartige Tumore, frühe Todesfälle von Geschwistern sowie Mikrozephalien. Gesichert wird die NBS-Diagnose letztlich mit einer DNA-Analyse.

Von Wichtigkeit sind zudem Differentialdiagnosen bei einem Bloom-Syndrom, einem NHEJ1-Syndrom, dem Seckel-Syndrom, der Fanconi-Anämie sowie Krankheiten, die dem Nijmegen-Breakage-Syndrom ähneln. Der Verlauf des NBS endet meist schlecht. So können nur wenige Patienten das Erwachsenenalter erreichen. Meist kommt es spätestens während der Pubertät zu einer verstärkten Chromosomenbrüchigkeit, die wiederum Krebserkrankungen wie Lymphome nach sich zieht.

Entsprechende Behandlungen lassen sich nur sehr schwer durchführen, weil bei den Patienten eine Bestrahlung aufgrund der Brüchigkeit nicht möglich ist. Als problematisch gilt deswegen auch die Anwendung von Zytostatika. Röntgenuntersuchungen sollten in der Regel unterbleiben, da die ionisierende Strahlung das Krebsrisiko der Patienten erhöht.

Behandlung & Therapie

Eine Therapie der Ursache des Nijmegen-Breakage-Syndroms ist nicht möglich. Aus diesem Grund beschränkt sich die Behandlung auf die Symptome. Dabei umfasst sie physiotherapeutische Anwendungen, das Bekämpfen von Infektionen sowie eine psychologische Betreuung. Bricht eine Krebserkrankung aus, werden die üblichen Behandlungsmaßnahmen der Krebstherapie so weit wie möglich durchgeführt. Wichtig sind zudem multidisziplinäre Behandlungen sowie langfristige Kontrolluntersuchungen.

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Vorbeugung

Eine Vorbeugung gegen das Nijmegen-Breakage-Syndrom ist leider nicht möglich. So zählt es zu den bereits angeborenen Erkrankungen.

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