Nierenzellkarzinom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. September 2017
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Das Nierenzellkarzinom ist ein bösartiger Tumor, der von den Tubuluszellen der Nieren ausgeht. Die Mehrzahl aller Nierentumore sind Nierenzellkarzinome.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Nierenzellkarzinom?

Rund drei Prozent aller bösartigen Tumore im Erwachsenenalter sind Nierenkarzinome. Pro Jahr erkranken neun von 100.000 Einwohnern an einem Nierenzellkarzinom. Die meisten Menschen erkranken zwischen dem 40. und dem 70. Lebensjahr. Das Nierenzellkarzinom, das auch als Grawitz-Tumor bezeichnet wird, hat seinen Ursprung in den Tubuluszellen der Niere.

Je nach Ausgangsgewebe, zytogenetischem Befund und histologischem Bild können verschiedene Nierenzellkarzinome unterschieden werden. Am häufigsten tritt das klassische Nierenzellkarzinom auf. Es wird auch als Klarzellkarzinom bezeichnet. Weitere Formen des Nierenzellkarzinoms sind das chromophile beziehungsweise papilläre Karzinom und das chromophobe Karzinom. Eher selten entwickelt sich ein Ductus-Bellini-Karzinom. Es wird auch als Sammelrohrkarzinom bezeichnet.

Ursachen

Die genaue Ätiologie des Nierenzellkarzinoms ist noch unklar. Bekannt ist, dass Männer deutlich häufiger erkranken als Frauen. Patienten, die am Hippel-Lindau-Syndrom leiden, erkranken gehäuft. Das Hippel-Lindau-Syndrom ist eine autosomal-dominant vererbte Erkrankung, die mit Gefäßmissbildungen im Gesicht und im Zentralnervensystem einhergeht.

Risikofaktoren für ein Nierenzellkarzinom sind hohes Alter, eine chronische Niereninsuffizienz, Rauchen, Bleibelastung, Kadmiumbelastung, eine langjährige Therapie mit Schmerzmitteln, die angeborene tuberöse Sklerose und der Kontakt zu Trichloreten.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Nierenzellkarzinom verursacht in der Regel erst dann Symptome, wenn der Tumor schon recht groß ist. Frühsymptome gibt es normalerweise nicht. Die Tumorzellen wachsen zunächst zentral im Parenchym und haben somit keinen Anschluss an das Tubulussystem der Niere.

Ein Nierenzellkarzinom im Frühstadium ist somit häufig nur ein Zufallsbefund bei einer Ultraschalluntersuchung der Bauchorgane. Fast 70 Prozent aller Nierentumore werden zufällig bei bildgebenden Untersuchungen wie Sonografie, Computertomografie oder Magnetresonanztomografie gefunden. Ein charakteristisches und bedrohliches Spätsymptom des Nierenzellkarzinoms ist Blut im Urin. Diese sogenannte Hämaturie tritt plötzlich auf und ist schmerzlos.

Weitere Symptome des Nierenzellkarzinoms sind eher unspezifisch. So kann der Tumor Schmerzen in der Flanke hervorrufen. Besonders ausgeprägte Tumore sind im Flankenbereich tastbar. Im Rahmen der Krebserkrankung können sogenannte B-Symptome auftreten. Dazu gehören Gewichtsverlust, eine erhöhte Infektanfälligkeit, Nachtschweiß und Fieber. Die Betroffenen sind nicht mehr so leistungsfähig wie früher.

Eventuell kommt es zu einer Anämie mit Müdigkeit, Haarausfall, Atembeschwerden bei Belastung und starker Blässe. Wenn der Tumor in die linke Nierenvene einwächst oder die linke Nierenvene komprimiert, kann sich beim Mann eine Krampfader am Hoden entwickeln. Diese wird auch als Varikozele bezeichnet.

Selten entwickelt sich beim Nierenzellkarzinom ein paraneoplastisches Syndrom. Als paraneoplastisches Syndrom werden die Begleitsymptome einer Krebserkrankung bezeichnet, die nicht durch den Tumor entstehen. Beim Nierenzellkarzinom kann das paraneoplastische Syndrom durch Tumorzellen hervorgerufen werden, die Hormone wie Renin, Erythropoetin, ACTH oder Parathormon bilden.

Mögliche Symptome eines solchen paraneoplastischen Syndroms sind Bluthochdruck, Hyperthermie und Kachexie. Es besteht die Möglichkeit, dass sich durch den erhöhten ACTH-Wert ein Cushing Syndrom entwickelt. Die Betroffenen haben ein Vollmondgesicht, nehmen an Gewicht zu, weisen einen sogenannten Stiernacken auf und leiden unter Muskel- und Herzschwäche.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei der klinischen Untersuchung mit Palpation, Auskultation und Perkussion werden nur große und weit fortgeschrittene Tumoren der Nieren auffällig. Eine Hämaturie zeigt sich durch eine Rosafärbung des Urins. Mithilfe eines Urinsticks können Erythrozyten im Urin nachgewiesen werden. Im Labor zeigt sich eventuell eine Anämie, die durch den großen Blutverlust über die Niere hervorgerufen wird.

Zur Sicherung der Diagnose muss aber eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden. Mithilfe der Sonografie werden verdächtige Raumforderungen in der Niere diagnostiziert. Anschließend werden die auffälligen Bereiche punktiert. Das gewonnene Gewebematerial wird von einem Pathologen histologisch untersucht. Die meisten Nierenzellkarzinome weisen ein lipidreiches und glykogenreiches Zytoplasma auf.

Um das Wachstum des Tumors, das sogenannte Staging, beurteilen zu können, wird eine Computertomografie des Abdomens durchgeführt. Anhand des CTs kann auch die Operabilität des Krebstumors bestimmt werden. Mithilfe von Röntgenaufnahmen der Brust, mit einer Skelettszintigrafie und mit einer Gehirn-MRT können Fernmetastasen nachgewiesen werden.

Im Röntgenbild werden allerdings nur Metastasen erfasst, die im Durchmesser größer als ein Zentimeter sind. Die 5-Jahre-Überlebensrate für Patienten mit einem Nierenzellkarzinom liegt bei etwa 50 Prozent.

Komplikationen

Ein Nierenzellkarzinom kann zu starken Komplikationen führen, was für Tumore typisch ist. So kommt es bei einer Vielzahl von Patienten zu einer voranschreitenden Metastasierung weiterer Organe. Denn bösartige (maligne) Nierentumore neigen dazu, sich über die Lymph- und Blutgefäße im Körper auszubreiten und Tochtergeschwulste zu bilden. Insbesondere Lunge, Leber, Gehirn und Haut können von weiteren Tumoren befallen werden.

Auch eine Metastasierung der Knochen bewegt sich innerhalb des typischen Spektrums. In der Folge können bei einem Nierenzellkarzinom lebensbedrohliche Komplikationen entstehen, etwa durch Gerinnsel (Embolien), verstopfte Blutgefäße oder eine Lungenentzündung. Die Wahrscheinlichkeit einer Metastasierung weiterer Organe steigt wesentlich an, wenn das Nierenzellkarzinom nicht oder nur sehr spät behandelt wird. Der Früherkennung kommt nicht zuletzt deshalb eine bedeutende Rolle zu.

Im Zuge der medizinisch indizierten Behandlung kann es außerdem zu Komplikationen kommen, die auf die eingenommenen Substanzen zurückzuführen sind. So kommt es gelegentlich vor, dass der antiangiogenetisch wirksame Antikörper Bevacizumab zu thromboembolischen Ereignissen und Perforationen im Gastrointestinaltrakt führt.

Therapie & Behandlung

Goldstandard in der Therapie von nicht metastasierten Nierenzellkarzinomen ist die chirurgische Entfernung. Tumore, die nicht größer als sieben Zentimeter sind, werden normalerweise nierenerhaltend entfernt. Bei größeren Tumoren muss die gesamte Niere zusammen mit der Nebenniere, dem Harnleiter, der Nierenkapsel und dem Fettgewebe der Umgebung operativ entfernt werden.

Wenn der Tumor in die Nierenvene oder sogar in die untere Hohlvene eingewachsen ist, müssen auch diese Tumorzapfen entfernt werden. Eventuell ist der Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine erforderlich. Neue Operationsverfahren wie die laparoskopische radikale Nephrektomie oder minimal-invasive Verfahren wie die Radiofrequency interstitial tumor ablation (RITA) werden derzeit erforscht und erprobt.

Bei metastasierten und lokal inoperablen Nierenzellkarzinomen kommen medikamentöse Therapien zum Einsatz. Medikamentöse Therapien sind beim Nierenzellkarzinom in der Regel palliativ, eine Heilung ist meist nicht mehr möglich. Klassische Zytostatika wie Antimetaboliten, Alkylanzien, Anthracycline und Mitosehemmer sind beim Nierenzellkarzinom unwirksam.

Das Nierenzellkarzinom gilt deshalb als chemotherapieresistent. Anstelle von Chemotherapien werden Krebsimmuntherapien durchgeführt. Auch orale Tyrosinkinase-Inhibitoren, Bevacizumab und mTOR-Inhibitoren kommen zum Einsatz.

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Vorbeugung

Da die genaue Entstehung von Nierenzellkarzinomen bisher ungeklärt ist, ist eine Prävention nur schwer möglich. Risikofaktoren wie dauerhafte Einnahmen von Schmerzmitteln oder das Rauchen sollten gemieden werden.

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Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Keller, C.K., Geberth, S.K.: Praxis der Nephrologie. Springer, Berlin 2010
  • Preiß, J. et al.(Hrsg.): Taschenbuch Onkologie. Zuckschwerdt, München 2014

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