Nierenversagen mit Harnvergiftung (Urämie)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. August 2017
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Akutes Nierenversagen kann eine sogenannte Urämie auslösen, eine Harnvergiftung. Diese entsteht, wenn sich Urin in den Harnwegen staut und löst verschiedene Symptome aus. Die Behandlung der zu Grunde liegenden Erkrankung vespricht gute Heilungschanchen, dennoch kann eine Dialyse nötig werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Urämie?

Das akute oder chronische Nierenversagen mit Harnvergiftung, medizinisch Urämie genannt, ist das Endstadium des Nierenversagens. Die Nieren sind nicht mehr in der Lage, ihre Aufgabe der Reinigung des Blutes von körpereigenen, harnpflichtigen Stoffen, beispielsweise Harnstoff, und körperfremden Giftstoffen, wie Medikamenten, zu erfüllen.

Diese Stoffe könne nicht mehr gefiltert und ausgeschieden werden. Die konkreten Merkmale einer Urämie sind gestörte Ausscheidung von Wasser und Elektrolyten, verbunden mit einer Störung des Säure-Basen-Haushaltes. Die lebensbedrohlichen Auswirkungen einer solchen Störung sind beispielsweise Schwindel oder Komazustände.

Weiter ist der Abbau von Harnstoff und Kreatinin gestört. Kreatinin ist ein Abbauprodukt von Muskelstoffen, Harnstoff ein Abfallstoff der Verwandlung von Harnstoff und Eiweiß. Eine Störung des Hormonhaushalts ist das dritte Merkmal, das Blutdruck, Kochen- und Blutbildung beeinträchtigt.

Ursachen

Der Unterschied zwischen akuter und chronischer Urämie liegt im Zeitpunkt des Auftretens: Die chronische Urämie entwickelt sich über Jahre, die akute tritt fünf bis maximal zehn Tage nach dem akuten Nierenversagen auf.

Die Ursachen des Nierenversagens mit Harnvergiftung liegen demzufolge in eine unzureichenden oder ausbleibenden Therapie des Nierenversagens. Das vollständige oder teilweise Nierenversagen wird ausgelöst durch [[Vergiftung]en, Entzündungen, unzureichende Durchblutung der Nieren oder Harnstauungen. Das Nienversagen selbst ist zumeist die Folge einer unzureichend behandelten Nierenerkrankung.

Diese werden ausgelöst durch verschiedene Faktoren, darunter ein schlecht eingestellter Diabetes, jahrelanger Bluthochdruck, wiederholte Nierenentzündungen, angeborene Zysten und Erkrankungen der Nierenblutgefäße. Auch der Missbrauch von Alkohol und Medikamenten kann eine Nierenerkrankung und in der Folge eine Urämie verursachen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Die Dialyse ist ein Blutreinigungsverfahren im Rahmen der Nierenersatztherapie bei Nierenversagen.

Die ärztliche Diagnose beinhaltet bei Urämie-Verdacht eine ausführlichen Anamnese und die eingehende körperliche Untersuchung. Zu dieser gehört die Analyse von Urin und Blut auf Auffälligkeiten, beispielsweise der Menge oder der enthaltenen Stoffe.

Ein Nierenultraschall gehört ebenfalls zu den Standardmethoden. Bildgebende Verfahren mit Kontrastmittelgabe werden zur Schonung der Nieren nur in Ausnahmefällen durchgeführt. In einigen Fällen kann die Punktion der Niere nötig sein.

Unbehandelt ist das Nierenversagen mit Harnvergiftung tödlich. Die Prognose einer akuten Urämie ist gut, wenn rechtzeitig ärztliche Hilfe gesucht wird und die auslösende Grunderkrankung gut therapierbar ist. Die chronische Urämie erfordert dagegen eine dauerhafte Nierenersatztherapie. Komplikationen, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eine hohe Infektionsanfälligkeit, sind häufig.

Komplikationen

Unbehandelt führt das Nierenversagen mit Harnvergiftung zum Tod des Patienten. Eine chronische Urämie macht eine Nierenersatztherapie mittels Dialyse erforderlich. Diese Behandlungsmethode wird von den Patienten meist als sehr belastend empfunden. Die Dialyse beinhaltet in der Regel drei Behandlungen pro Woche, die jeweils vier bis fünf Stunden dauern.

Im Rahmen der Behandlung wird das Blut von giftigen Stoffen und überschüssigen Flüssigkeiten gereinigt und der Säure-Basen- und Elektrolythaushalte wieder normalisiert. Während oder infolge der Dialyse kann es zu einer Reihe von Komplikationen kommen. Besonders verbreitet sind Kreislaufprobleme. Durch den Wasserentzug im Rahmen der Blutwäsche verringert sich das Blutvolumen, der Blutdruck, also der Flüssigkeitsdruck in den Gefäßen, sinkt.

Kann der Flüssigkeitsmangel im Blutkreislauf nicht mehr ausgeglichen werden, hat dies meist einen sehr starken Abfall des Blutdrucks zur Folge, der bis zur Bewusstlosigkeit führen kann. Selbst bei weniger extremen Reaktionen ist der Blutdruckabfall für den Patienten mit einer Reihe unangenehmer Symptome verbunden, dazu zählen insbesondere Übelkeit, Erbrechen, starke Schwindelgefühle und vorübergehende Sehstörungen.

Darüber hinaus kommt es bei Dialysepatienten häufig zu Infektionen des Shunts, also des operativ gelegten Gefäßzugangs, oder zu Tunnelinfektionen am permanent in der Bauchwand verankerten Katheter.

Behandlung & Therapie

Bei der Behandlung wird zwischen chronischer und akuter Urämie unterschieden. Die chronische Urämie erfordert die Nierenersatztherapie mittels Dialyse.

Diese findet in der Regel drei Mal wöchentlich statt. Während der vier- bis fünfstündigen Behandlung werden Giftstoffe und überschüssige Flüssigkeit aus dem Blut gefiltert und Störungen der Säure-Basen- und Elektrolythaushalte ausgeglichen. Begleitende Erkrankungen müssen entsprechend behandelt werden.

Zusätzlich nutzt man die konservativen Maßnahmen, die bei einer akuten Urämie zum Einsatz kommen. Dazu gehört die Behandlung der Grunderkrankung der Nieren, beispielsweise also die bessere Einstellung des Blutzuckers bei Diabetikern. Auch eine regelmäßige ärztliche Kontrolle ist selbstverständlich. Die Einnahme von Diurektika, die der Unterstützung der Elektrolyt- und Harnstoffausscheidung dienen, erfolgt nach eingehender Abwägung der Risiken und Nebenwirkungen.

Patienten müssen ihre Trinkmenge an die Ausscheidefähigkeiten ihrer Nieren anpassen. Empfohlen wird zudem eine Ernährungsumstellung: Mit einer eiweiß- und kaliumarmen, aber kalorienreichen Diät wird die Harnstoffmenge reduziert. Auch der Verzicht auf Phosphate wird empfohlen. Zwar stellen aktuellen Studien in den USA den Erfolg einer Ernährungsumstellung in Frage, sie ist aber weiterhin Stand der Medizin.

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Vorbeugung

Um einer Urämie vorzubeugen, sollten Patienten mit einer Nierenschwäche diese behandeln lassen. Bei bereits vorliegender Nierenschwäche sind regelmäßige ärztliche Untersuchungen und die Einhaltung besonderer Vorsichtsmaßnahmen, insbesondere die Selbstbeobachtung, unerlässlich. Risikopatienten sollten täglich ihr Gewicht kontrollieren, Urinausscheidungen und Urinmenge beobachten, die Nieren schädigende Medikamente und Stoffe vermeiden, das Immunsystem unterstützen und verordnete Maßnahmen einhalten.

Bücher über Nierenschwäche (Niereninsuffizienz)

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Hörl, W.H., Wanner, C. (Hrsg.): Dialyseverfahren in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2004
  • Keller, C.K., Geberth, S.K.: Praxis der Nephrologie. Springer, Berlin 2010

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