Nierenvenenthrombose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. August 2017
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Bei der Nierenvenenthrombose bildet sich ein Blutgerinnsel in einer Vene der Niere. Sie gehört zu den Gefäßerkrankungen und ist meist die Folge einer Krebserkrankung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Nierenvenenthrombose?

Die Nierenvenenthrombose ist eine Gefäßerkrankung. Es bildet sich ein Thrombus in der Nierenvene (Vena renalis). Aufgrund dieses Gefäßverschlusses kommt es zu einem Blutstau innerhalb der Niere. In den meisten Fällen äußert sich die Thrombose der Nierenvene nur sehr diskret. Teilweise verläuft die Erkrankung komplett asymptomatisch.

Eine lebensbedrohende Komplikation der Nierenvenenthrombose ist die Lungenembolie. Hier wandert das Blutgerinnsel aus der Nierenvene über das rechte Herz in die Lunge und verstopft dort eine Lungenarterie. Trotz dieses Risikos werden Patienten mit einer Nierenvenenthrombose in der Regel nicht operiert. Die Behandlung erfolgt medikamentös mit Gerinnungshemmer.

Ursachen

Einer Thrombose liegt immer eine Trias aus herabgesetztem Blutfluss, erhöhter Gerinnbarkeit des Blutes und einer Schädigung der Gefäßinnenhaut zugrunde. Diese Trias wird auch Volhard-Trias genannt. Hauptursache für eine Nierenvenenthrombose ist eine Krebserkrankung. In den meisten Fällen handelt es sich hierbei um ein Nierenzellkarzinom oder um einen anderen Tumor aus dem Retroperitonealraum.

Zweithäufigste Ursache der Nierenvenenthrombose ist das nephrotische Syndrom. Das nephrotische Syndrom ist ein Symptomenkomplex aus Proteinurie, Hypoproteinämie, Hyperlipoproteinämie und Ödemen. Das Syndrom entsteht meist auf Basis einer Glomerulonephritis.

Weitere Ursachen für die Thrombose der Nierenvene sind Dehydration (zum Beispiel durch starken Durchfall oder Erbrechen), Stoffwechselstörungen wie die Homocystinurie, Autoimmunerkrankungen oder Thrombophilie.

Eine Nierenvenenthrombose kann auch durch ein stumpfes Trauma entstehen. Stumpfe Traumata entstehen meist bei Unfällen. Aber auch Schlägereien, Misshandlungen oder Einklemmungen können ein stumpfes Trauma und damit auch eine Nierenvenenthrombose bedingen. Einige Nierenvenenthrombosen entstehen auch ohne eine bekannte Ursache. Diese Form wird auch als idiopathische Nierenvenenthrombose bezeichnet. Generell gilt: Nach einer vorangegangenen Nierentransplantation ist das Risiko eine Nierenvenenthrombose zu erleiden deutlich erhöht.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Nierenvenenthrombose verläuft häufig asymptomatisch oder sehr diskret. Häufigstes Symptom sind Schmerzen im Flankenbereich. 73 Prozent aller Patienten mit einer Thrombose der Nierenvene leiden unter Flankenschmerzen. In 36 Prozent der Fälle zeigt sich ein blutiger Urin (Makrohämaturie). Die Urinmenge sinkt auf weniger als 200 Milliliter pro Quadratmeter Körperoberfläche.

In der medizinischen Fachsprache wird dieser Zustand Oligurie genannt. Mit dem Urin werden auch vermehrt Eiweiße ausgeschieden (Proteinurie). Aufgrund des Eiweißverlustes entstehen Wasseransammlungen im Gewebe. Diese Ödeme zeigen sich häufig rund um die Augen. Zu diesen Beschwerden gesellen sich unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Übelkeit, Fieber oder Appetitlosigkeit.

Bei 50 Prozent aller Patienten findet sich zudem ein Zittern der Hände (Asterixis). Wenn sich der Thrombus spontan auflöst, verändern sich die Symptome. Ein Teil der Symptome geht zurück. Wenn irreversible Gefäßschäden entstanden sind, kann ein Teil der Symptome jedoch auch nach Auflösung des Gerinnsels bestehen bleiben.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Häufig wird die Diagnose Nierenvenenthrombose nur dann gestellt, wenn sich bei Patienten mit einem nephrotischen Syndrom plötzlich die Nierenwerte verschlechtern oder wenn es zu einem Nierenversagen kommt. Im Labor kann eine Einschränkung der Nierenfunktion festgestellt werden. Die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) ist erniedrigt. Die Kreatinin-Konzentration im Blut ist hingegen erhöht.

Es verbleiben vermehrt harnpflichtige Substanzen im Blut. In Einzelfällen kann es zu einem Mangel an Protein-S oder Antithrombin im Blut kommen. Im Urin finden sich rote Blutkörperchen (Erythrozyten) und Eiweiße. Um das Ausmaß der Eiweißausscheidung beurteilen zu können, wird der sogenannte Albumin-Kreatinin-Quotient im Urin bestimmt. Dabei wird die Konzentration der Albuminbluteiweiße im Urin gemessen und auf die Kreatinin-Konzentration im Harn bezogen.

Liegt der Albumin-Kreatinin-Quotient über 30 Milligramm pro Liter, liegt eine Nierenerkrankung vor. Diese Form der pathologischen Eiweißausscheidung wird auch als Albuminurie bezeichnet. Die Diagnose wird durch bildgebende Verfahren wie Dopplerultraschall, Computertomografie, Kernspintomografie sowie durch Arterio- und Venografien gesichert.

Ältere Studien berichten, dass 8 bis 27 Prozent aller Nierenvenenthrombosen rezidivieren. Neuere Untersuchungen widerlegen diese Ergebnisse aber. Demnach treten wiederholte Thrombosen eher selten auf. Patienten, die die Nierenvenenthrombose auf dem Boden des nephrotischen Syndroms entwickeln, haben keine verringerte Lebenserwartung. Bei Patienten mit einer Krebserkrankung ist die Lebenserwartung hingegen vermindert. Patienten, die mit Warfarin statt mit Marcumar behandelt werden, haben eine bessere Prognose.

Komplikationen

Der weitere Verlauf einer Nierenvenenthrombose hängt vom Verlauf der verursachenden Faktoren ab und davon, ob die Thrombose behandelt wird. Unbehandelt besteht als eine der gravierendsten Komplikationen die Möglichkeit einer Lungenembolie. Das passiert, wenn sich das Blutgerinnsel (Thrombus) in der Nierenvene löst, von dort in die rechte Herzkammer gelangt und anschließend in den Lungenkreislauf gepumpt wird, wo es zur Verstopfung einer Lungenarterie kommt.

Üblicherweise deckt eine Nierenvenenthrombose einen breiten Bereich von Symptomen ab. In einigen Fällen liegen die Symptome unterhalb der Wahrnehmungsschwelle, so dass in der Regel auch keine Behandlung erfolgt. Falls sich die Thrombose mit deutlichen spezifischen Symptomen wie Schmerzen in der betroffenen Flanke und blutiger Urin zeigt, kann der weitere Verlauf unbehandelt zu Nierenversagen führen. Es sind allerdings auch Fälle bekannt, in denen sich die Blutgerinnsel spontan aufgelöst haben und sich die Symptome quasi von selbst verbessert haben.

Inwieweit sich die Symptome nach einer Spontanauflösung des Thrombus oder nach einer erfolgreichen Intervention zurückbilden, hängt davon ab, ob die Niere bereits irreversibel geschädigt wurde. Eine Behandlung des Thrombus besteht meist im Versuch, das Blutgerinnsel durch Gaben von Heparin aufzulösen. In schwerwiegenden Fällen, in denen der Thrombus genau lokalisiert werden kann, kommt auch eine chirurgische Entfernung des Gerinnsels in Betracht.

Therapie & Behandlung

Eine operative Entfernung des Blutgerinnsels ist möglich. Aufgrund der möglichen Komplikationen wird dieses chirurgische Verfahren allerdings nur sehr selten durchgeführt. Normalerweise erfolgt die Therapie durch Antikoagulantien. Antikoagulantien sind Arzneimittel, die die Blutgerinnung hemmen. Sie heißen deshalb auch Gerinnungshemmer. Bei der Nierenvenenthrombose werden die Gerinnungshemmer Heparin und Marcumar eingesetzt.

Heparine sind Vielfachzucker, die die Gerinnungskaskade im Blut hemmen. Im Blut zirkuliert der Proteaseinhibitor Antithrombin III. Dieser kann aktivierte Gerinnungsfaktoren wie Thrombin oder den Faktor Xa hemmen. Beide Faktoren sorgen für eine Gerinnung des Blutes. Heparin bindet sich an das Antithrombin III. Dadurch bindet sich dieses deutlich schneller an die Gerinnungsfaktoren und inaktiviert diese. Deshalb wird Heparin zur Therapie von Thrombosen eingesetzt. Auch Marcumar wirkt blutgerinnungshemmend.

Es reduziert die Menge der Gerinnungsfaktoren II, VII, IX und X. Mithilfe von Heparin und Marcumar soll sich der Thrombus in der Nierenvene auflösen. Die Behandlung muss mindestens ein halbes Jahr fortgesetzt werden. Um weitere Thrombosen zu verhindern, kann eine lebenslange Behandlung mit den gerinnungshemmenden Medikamenten erforderlich sein.

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Vorbeugung

Die Nierenvenenthrombose kann nur durch eine frühzeitige Therapie der Grunderkrankung verhindert werden.

Bücher über Thrombose

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Keller, C.K., Geberth, S.K.: Praxis der Nephrologie. Springer, Berlin 2010
  • Marshall, M., Loew, D.: Venenerkrankungen. Springer, Berlin 2003

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