Nierentrauma

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 23. August 2017
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Ein Nierentrauma ist eine Verletzung der Nieren. Ein solches Trauma kann beispielsweise durch stumpfe Gewalt ausgelöst werden. Viele Nierentraumata entstehen durch Unfälle beim Sport oder bei Verkehrsunfällen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Nierentrauma?

Ein Trauma ist in der Medizin ein Begriff für eine Verwundung von Organgewebe. Diese Verwundung entsteht durch äußere Gewalteinwirkung. Bei einem Nierentrauma sind folglich die Nieren von einer solchen Verletzung durch äußere Gewalteinwirkung betroffen.

Nierentraumata treten in der Regel nicht isoliert, sondern in Zusammenhang mit anderen Verletzungen auf. Abhängig von der Entstehung kann zwischen offenen und geschlossenen Nierenverletzungen unterschieden werden. Auch zur Einteilung des Ausmaßes der Verletzungen existieren Klassifikationen.

Ursachen

Zu den Hauptursachen geschlossener Nierentraumata gehören Verkehrsunfälle und Unfälle beim Sport. Offene Nierentraumata entstehen durch Stichverletzungen oder durch Schussverletzungen. Dabei schädigen die Verletzungen die betroffenen Personen nicht nur direkt durch die Verletzung des Nierengewebes, sondern haben auch indirekt einen negativen Einfluss auf den gesamten Organismus. So können indirekte Auswirkung wie Blutverlust Schäden verursachen.

In den meisten Fällen treten Nierentraumata zusammen mit anderen Verletzungen auf. Bei stumpfen Bauchtraumata sind in bis zu 40 Prozent aller Fälle die Nieren mit beteiligt. 80 Prozent aller Nierenverletzungen sind Polytraumata. In Europa sind offene Nierenverletzungen eine Seltenheit. In den USA spielen sie hingegen eine größere Rolle. Hier dominieren Nierentraumata durch Schussverletzungen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Je nach Schweregrad kann das Nierentrauma eingeteilt werden in eine Nierenkontusion, eine Nierenruptur und in eine Organzertrümmerung beziehungsweise einen Nierenstielabriss. In 70 Prozent der Fälle kommt es zu einer Nierenkontusion. Nierenrupturen finden sich in 20 Prozent aller Fälle und bei etwa 10 Prozent der Nierentraumata handelt es sich um eine Organzertrümmerung.

Bei einer Nierenkontusion ist die Niere geprellt beziehungsweise gequetscht. Die Nierenkapsel ist aber noch intakt. Hinter dem Bauchfell findet sich kein Hämatom. Bei einer Ruptur ist das Funktionsgewebe der Niere eingerissen. Auch die Organkapsel ist rupturiert, sodass Blut in den Retroperitonealraum austreten kann. Dadurch bildet sich ein retroperitoneales Hämatom.

Bei schwereren Rupturen können auch die harnfilternden und harnableitenden Strukturen der Niere von der Verletzung betroffen sein. In solchen Fällen kommt es zum Austritt von Harn in den Retreoperitonealraum und zudem auch zu einem Funktionsausfall der Niere. Bei einer Organzertrümmerung ist die Niere komplett zerrissen. Die Funktion fällt aus und es kommt zu schweren inneren Blutungen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Hauptsymptom des Nierentraumas sind Schmerzen im Flankenbereich. Je nach Trauma können diese eher leicht oder sehr stark ausfallen. Eventuell ist eine Schwellung in der Flankengegend sichtbar. Man spricht dann auch von einem Flankentumor. Die Flanke kann durch ein Hämatom zudem bläulich verfärbt sein. Zusätzlich kann Blut im Urin sichtbar sein (Makrohämaturie). Dabei kann nicht anhand der Menge Blut, die im Urin zu finden ist, auf das Ausmaß der Verletzung geschlossen werden.

Wird der Harnleiter durch einen Blutpfropfen verlegt oder ist sogar abgerissen, kann das Blut im Urin trotz der Schwere der Verletzung komplett fehlen. Durch die Verletzung kommt es zu einer Abwehrspannung des Bauches und eventuell auch zu einer tastbaren Raumforderung. Je nachdem wie viel Blut verloren geht, können die Betroffenen einen Schock erleiden.

Komplikationen

Im schlimmsten Falle kann ein Nierentrauma zur einer vollständigen Niereninsuffizienz und damit auch zum Tode des Betroffenen führen. In diesem Falle ist der Patient dann auf eine dauerhafte Dialyse oder auf die Transplantation einer Niere angewiesen. Sollte es nicht zu einer Behandlung kommen, so führt das Nierentrauma in der Regel zum Tode des Betroffenen.

Die Betroffenen leiden beim Nierentrauma auch an sehr starken Schmerzen, die sich in der Regel auch weiterhin in den Rücken oder in andere Teile des Körpers ausbreiten. Auch innere Blutungen und Hämatome können dabei auftreten und weiterhin die Lebensqualität des Betroffenen deutlich verringern. Sollte es sich um ein leichtes Nierentrauma handeln, so kann die Funktion der Niere möglicherweise eingeschränkt sein.

In vielen Fällen ist der Bereich um die Nieren deutlich angeschwollen und es kommt zu Flankenschmerzen. Der Urin färbt sich dadurch meistens auch rot. Bei der Behandlung treten keine besonderen Komplikationen auf. In schwerwiegenden Fällen kann das Leben des Betroffenen durch die Transplantation der Niere gerettet werden. Möglicherweise wird die Lebenserwartung des Patienten durch das Nierentrauma allerdings trotzdem verringert.

Therapie & Behandlung

Erste Hinweise auf ein Nierentrauma liefern die vorliegenden Symptome und das Vorhandensein eines traumatischen Geschehens. Zunächst wird eine gründliche körperliche Untersuchung durchgeführt. Dabei wird der Bauchraum abgetastet und auch die Nierengegend wird mit äußerster Vorsicht palpiert. Eventuell sind bei der Inspektion schon Hämatome oder Schwellungen erkennbar. Eine Ultraschalluntersuchung zeigt mögliche Blutergüsse und Nierengewebeverletzungen.

Die genaue Morphologie der Verletzung wird so sichtbar. Liegt eine Nierenruptur vor, wird zudem eine Computertomographie durchgeführt. Nur so kann das Ausmaß der Ruptur bestimmt werden. Mögliche Harnaustritte (Extravasate), Durchblutungen von Nierenfragmenten und begleitende Verletzungen von Milz und Leber werden sichtbar. Auch der Zustand der Gegenniere kann so besser beurteilt werden. Steht kein CT zur Verfügung, sollte eine Kontrastmitteldarstellung der Niere erfolgen.

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Vorbeugung

Die Therapie des Nierentraumas ist abhängig von der Art der Verletzung und vom Verletzungsgrad. So ist für die Therapiewahl wichtig, ob es sich um eine offene oder um eine geschlossene Verletzung handelt. Auch mögliche Begleitverletzungen und der allgemeine Zustand sowie die Kreislaufsituation des Patienten spielen eine Rolle.

Offene Stich- und Schussverletzungen werden immer operativ versorgt. Nur so kann sichergestellt werden, dass nicht noch andere Organe betroffen sind. Eine Nierenkontusion wird in der Regel konservativ mit Schmerzmitteln behandelt. Zudem müssen die Betroffenen Ruhe einhalten und weitere Traumata zwingend vermeiden. Welche die beste Behandlung für eine Nierenruptur ist, wird kontrovers diskutiert.

Eine konservative Behandlung ist möglich, sofern kein Nierenstielabriss vorliegt. Dafür muss aber ein CT zur Bestimmung des Ausmaßes erstellt werden. Nach drei bis sechs Tagen wird ein zweites CT angefertigt. Ist keine Besserung erkennbar, muss operiert werden. Eventuell muss die Niere zu Teilen oder sogar komplett entfernt werden. Auch bei einem dauerhaft destabilisierten Kreislauf oder bei einer drohenden bakteriellen Blutvergiftung muss eingegriffen werden.

In vielen Fällen lassen sich Nierentraumata aber auch durch minimal invasive Behandlungsmethoden beherrschen, sodass vielen Patienten eine (teilweise) Entfernung der Niere erspart bleibt. Einem Nierentrauma lässt sich nur schwer vorbeugen. Bei Motorradfahrern kann ein Nierengurt eventuell bei einem Unfall vor Verletzungen schützen. Auch Rückenprotektoren bieten Schutz.

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Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Keller, C.K., Geberth, S.K.: Praxis der Nephrologie. Springer, Berlin 2010
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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