Nierenschäden durch Medikamente

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 11. September 2017
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Eine unkontrollierte Einnahme von Medikamenten kann bei stark nephrotoxisch (nierenschädigend) wirkenden Substanzen zu ausgeprägten Nierenschäden bis hin zu einer akuten oder chronischen Niereninsuffizienz führen. In Abhängigkeit vom Ausmaß der Nierenschädigung durch die eingenommenen Medikamente ist die Erkrankung in aller Regel bei frühzeitigem Therapiebeginn gut behandelbar.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Nierenschäden durch Medikamente?

Nierenschäden durch Medikamente bzw. infolge der Einnahme nierenschädigender Arzneimittel gehören zum Erkrankungsspektrum einer toxischen Nephropathie. Als toxische Nephropathie wird eine durch Noxen (krankheitserregende Substanzen) bedingte chronische oder akute Schädigung der Nieren bezeichnet.

Durch Medikamente bedingte Nierenschädigungen manifestieren sich in aller Regel anhand einer akuten Nierenentzündung, die durch Hypersensitivitätsreaktionen der Nieren auf die eingenommenen Medikamente hervorgerufen wird und mit allergietypischen Symptomen wie Gelenk- und Gliederschmerzen sowie Hautausschlag und Fieber einhergeht.

Zudem kann die Harnflüssigkeit eine blutige und trübe Verfärbung aufweisen, da infolge der Beeinträchtigung der Nierenfunktion Proteine und rote Blutkörperchen nicht mehr ausgefiltert werden können. Im weiteren Verlauf stellen Hypertonie (erhöhter Blutdruck), eine erhöhte Harnkonzentration, Ödeme (Wassereinlagerungen) in den Beinen und Armen, fahlgraue Haut, Schlaflosigkeit, Herzrhythmusstörungen, Nervosität sowie Konzentrationsstörungen und Mundgeruch (Foeter urämicus) weitere Symptome einer Nierenschädigung durch Medikamente dar.

Ursachen

Beinahe sämtliche Medikamente besitzen nephrotoxische Eigenschaften, insbesondere, wenn diese langfristig und/oder hochdosiert eingenommen werden. Aus diesem Grund werden bei einer Vielzahl von Medikamenten regelmäßig die Blutwerte und Nierenfunktion kontrolliert.

Da die Nieren unter anderem eine entscheidende Rolle bei der Entgiftung und dem Abbau von pathogen wirkenden Substanzen spielen, stellen Medikamente oftmals eine zusätzliche Belastung für die zudem sehr stark durchbluteten Nieren dar, die dadurch den Substanzen selbst sowie deren Abbauprodukten im besonderen Maße ausgesetzt sind.

Steigt die Konzentration der Medikamente über die Wasserrückresorptionsrate im Blut, liegt eine erhöhte Konzentration dieser Substanzen in den Nieren vor, wodurch die charakteristischen Schädigungen am Nierengewebe hervorgerufen werden.

Darüber hinaus stellen die Abbauprodukte bestimmter Medikamente toxische Substanzen dar, die die Nieren zusätzlich schädigen. Neben Schmerzmitteln gehören Chemotherapeutika, Blutdruck regulierende Substanzen, Diuretika, Antibiotika sowie Rheuma- und Gichtmedikamente zu den Arzneimitteln, die eine Nierenschädigung hervorrufen können.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Anhand der aktuell vorliegenden Symptome können erste Hinweise auf eine Nierenschädigung durch Medikamente diagnostiziert werden. Abgesichert kann die Diagnose durch eine Blut- und Urinanalyse, die Aussagen über Nierenfunktion und vorliegende Einschränkungen zulassen.

Liegt eine Nierenschädigung bzw. Einschränkung der Nierenfunktion vor, ist die Konzentration der harnpflichtigen Substanzen (Kreatinin, Harnstoff) in Blut und Urin erhöht. Darüber hinaus sind weitere Untersuchungen wie quantitative und qualitative Funktionsprüfungen zur Feststellung des Ausmaßes der Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) angezeigt.

Mit Hilfe bildgebender Verfahren (Sonographie, Computer-, Kernspintomographie, Szintigraphie) ist eine morphologische Beurteilung der Nieren sowie der ableitenden Harnwege möglich. Verlauf und Prognose hängen bei Nierenschäden durch Medikamente entscheidend vom Ausmaß der vorliegenden Beeinträchtigungen ab.

Während akute Nierenschäden durch das Absetzen der Medikamente in der Regel gut therapierbar sind, sind ausgeprägte Beeinträchtigungen der Nieren nach langfristiger Einnahme nephrotoxisch wirkender Medikamente oftmals irreversibel.

Komplikationen

Sowohl die Blutreinigung als auch der Salz- und Wasserhaushalt des Körpers sind aufgrund der geschädigten Niere gestört. Verschiedene Organe werden somit in ihrer Funktion eingeschränkt. In Folge dessen können trotz Behandlung diverse gesundheitsgefährdende Komplikationen entstehen.

Da der Körper weniger Urin produziert, können überschüssiges Wasser und Salze nicht mehr ausreichend ausgeschieden werden. Deshalb steigt der Blutdruck an. Aufgrund der verminderten Urinausscheidung lagert der Körper Flüssigkeit ein. Ödeme entstehen. Primär kommt es zu Flüssigkeitseinlagerungen in den Beinen. Ödeme können in allen Körperregionen entstehen. Im schlimmsten Fall kommt es zu Flüssigkeitseinlagerungen in der Lunge (Lungenödem).

Ein Lungenödem äußert sich durch weißes und schaumiges Hustensekret und kann zu starker Luftnot führen. Da das Herz- Kreislaufsystem geschädigt ist, entstehen ausgeprägte Verkalkungen der Arterien und der Herzklappen. Die Ausbildung von Herzklappenfehlern und einer Herzschwäche wird somit begünstigt. Die verkalkten Arterien können zudem einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall hervorrufen.

Da die Nieren zunehmend ihre Fähigkeit verlieren Kalium auszuscheiden, kann dies zu erhöhten Kaliumwerten im Blut führen (Hyperkaliämie). Indikatoren für einen erhöhten Kaliumwert sind ein verlangsamter Herzschlag, Schwindel, kurze Bewusstseinsverluste, Muskelschwäche und Kribbelgefühle. Stark erhöhte Kaliumwerte können zu Herzrhythmusstörungen und Herzstillstand führen.

Der Wasserüberschuss, der mit den hohen Kaliumwerten einhergeht, kann zudem einen Hirnschlag oder einen Herzinfarkt auslösen. Häufig auftretende Komplikationen sind außerdem neurologische Störungen. Derartige Störungen des Nervensystems äußern sich etwa durch Müdigkeit, Gedächtnis-, Konzentrations -, Wahrnehmungs – und Schlafstörungen, Muskelschwäche, Juckreiz und Desorientiertheit. Aufgrund der schwächer werdenden Nierenfunktion produziert der Körper nur noch geringe Mengen blutbildender Hormone.

Daher wird die Entstehung einer Blutarmut begünstigt (Anämie). Diese kann sich durch nachlassende körperliche Belastbarkeit, Müdigkeit und Blässe der Haut äußern. Zudem gehen mit einer nachlassenden Nierenfunktion Störungen des Knochenstoffwechsels einher. Aus diesem Grund treten vermehrt Knochenbrüche, Knochen -, Muskel – und Gelenkschmerzen auf.

Die geschädigte Niere lässt den Phosphatspiegel im Blut ansteigen. Hohe Phosphatwerte lösen Juckreiz, Knochen – und Muskelschmerzen aus. Die erhöhten Werte intensivieren auch das Herzinfarkt – und Schlaganfallrisiko. Da der Körper mit abnehmender Nierenfunktion weniger Eiweiße aufnimmt, kann zusätzlich eine Mangelernährung des Patienten entstehen.

Behandlung & Therapie

Die therapeutischen Maßnahmen hängen bei Nierenschädigungen durch Medikamente maßgeblich vom Ausmaß des spezifischen Schadens sowie davon ab, ob eine akute oder chronische Beeinträchtigung der Nieren vorliegt.

So werden bei einem akut vorliegenden Nierenschaden, oftmals in einem ersten Schritt die verursachenden Medikamente abgesetzt. Zum Teil wird zusätzlich eine Hämodialyse durchgeführt, durch welche die Nierenfunktion zeitweise bis zur Normalisierung der Nieren ersetzt wird und die überschüssigen harnpflichtigen Substanzen sowie Elektrolyte aus dem Blut des Betroffenen gefiltert werden.

Eine Hämodialyse unterstützt zudem die Kreislaufstabilisierung und fördert die Nierendurchblutung. Während der Therapie sollten regelmäßig die Nierenfunktionswerte kontrolliert und bei einer Verschlechterung die Behandlung entsprechend angepasst werden. Darüber hinaus werden diätetische Maßnahmen wie eine salz-, eiweiß-, phosphat- sowie kaliumarme Ernährung empfohlen, um die Behandlung der Nierenschäden zu unterstützen.

Ferner sollte die tägliche Flüssigkeitsmenge an die aktuelle Leistungsfähigkeit der Nieren angepasst werden. Wird eine Anämie (Blutarmut) diagnostiziert, kommt das normalerweise in der gesunden Niere produzierte Hormon Erythropoetin zum Einsatz, das die Synthese der roten Blutkörperchen im Knochenmark stimuliert.

Bei einem fortgeschritteneren Erkrankungsstadium mit irreversiblen Schädigungen der Nieren infolge der Medikamenteneinnahme kann eine dauerhafte Dialyse oder gegebenenfalls eine Nierentransplantation erforderlich werden.

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Vorbeugung

Die effektivste Maßnahme, um Nierenschäden durch Medikamente vorzubeugen, ist ein umsichtiger und vorsichtiger Umgang mit diesen potenziell nephrotoxisch wirkenden Substanzen. Zu den Medikamenten, bei deren Einnahme besondere Vorsicht geboten ist, gehören insbesondere Schmerzmittel wie Paracetamol, nichtsteroidale Antirheumatika (Acetylsalicylsäure) sowie Ibuprofen.

Bücher über Nierenerkrankungen

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Keller, C.K., Geberth, S.K.: Praxis der Nephrologie. Springer, Berlin 2010
  • Renz-Polster, H., Krautzig, S. (Hrsg.): Basislehrbuch Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2012

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