Nierenkolik

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 11. September 2017
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Bei plötzlich auftretenden unerträglichen Schmerzen im Flankenbereich sollte an eine Nierenkolik gedacht werden. Die Beschwerden entstehen durch eine Blockierung des Harnleiters durch einen Harnstein. Der Arzt kann wirksame Schmerzmittel verordnen, den Verlauf der Nierenkolik kontrollieren und gegebenenfalls operativ eingreifen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Nierenkolik?

Eine Nierenkolik bezeichnet einen für den Betroffenen meist unerträglichen akuten Schmerzzustand, der schubweise auftritt. Die Schmerzen beginnen dabei in einer der Flanken und ziehen sich bis in den seitlichen Bauchraum und die Genitalien.

Zusätzlich kann es bedingt durch die Schmerzen zu Erbrechen und starkem Schwitzen kommen. Auslöser einer Nierenkolik ist dabei ein größerer Harnstein aus dem Nierenbecken, der den Harnleiter auf seinem Weg zur Blase plötzlich blockiert.

Die ihn umgebende Muskulatur zieht sich in der Folge fortwährend zusammen, um den Stein zu lösen und zur Blase zu transportieren. Die zunehmende Verkrampfung der Muskulatur führt dabei zu den typischen wellenartigen Schmerzen einer Nierenkolik.

Ursachen

Ursache einer Nierenkolik ist eine Blockierung des Harnleiters durch einen Harnstein. Häufig hat der Betroffene dabei mehrere Steine im Nierenbecken, die ihm unabhängig von der spontan auftretenden Kolik bereits dumpfe Schmerzen in der Flanke bereiten.

Kleinere Steine können den Harnleiter meist ohne Probleme passieren. Harnsteine treten bei Patienten mit häufigen Harnwegsinfektionen gehäuft auf. Eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme ist daher einerseits wichtig um die Infektionen zu vermeiden und ebenfalls der Entstehung von Harnsteinen entgegenzuwirken.

Harnsteine können auch nach einer Gewichtsabnahme und der damit verbundenen Ernährungsumstellung entstehen. Bei Verengungen und Fehlbildungen des Harnleiters besteht ebenfalls eine höhere Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines Harnstaus und der Bildung von Harnsteinen in der Folge. Eine Nierenkolik kann bei diesen Patienten daher häufiger auftreten.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Die Diagnose der Nierenkolik wird vom Arzt meist schon anhand der typischen Schmerzen entlang der Flanke des Patienten vermutet. Sie sind für den Patienten häufig so unerträglich, dass er sofort den Arzt aufsucht oder der Notdienst gerufen wird. Eine Laboruntersuchung des Urins dient dem Ausschluss von Infektionen der Harnblase oder Niere.

Hat der Patient Schüttelfrost oder Fieber muss auch an eine zusätzliche Nierenbeckenentzündung gedacht werden. Die Harnsteine als Auslöser der Nierenkolik können durch eine Ultraschalluntersuchung oder über eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel dargestellt werden. Selten ist eine Computertomografie (CT) notwendig.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung der Nierenkolik soll zunächst die starken Schmerzen des Patienten mit Schmerzmitteln lindern. Diese werden meist alle zwei bis drei Stunden eingenommen.

Steine einer Größe von bis zu fünf Millimetern sollten sich selbst aus dem Harnleiter lösen und weiter in die Blase wandern. Der Patient muss dazu viel Trinken und sich ausreichend bewegen, um den Weitertransport des Steins zusätzlich anzuregen. Bis zu 80 Prozent der Harnsteine verschwinden auf diese Art und Weise ohne operative Therapie. Kommt es jedoch erneut zu einer Nierenkolik oder ist der Harnstein größer, kann eine Stoßwellenlithotripsie (ESWL) unter örtlicher Betäubung durchgeführt werden.

Die Steine werden durch außerhalb des Körpers erzeugte Stoßwellen zerstört und die entstandenen Bruchstücke können anschließend den Harnleiter problemlos passieren. Große Harnsteine und vor allem solche, die das Nierenbecken ausfüllen, können auch mit der sogenannten perkutanen Nephrolithoplaxie (PNL) endoskopisch durch die Bauchhaut aus dem Nierenbecken entfernt werden.

Eine Kombination beider Methoden ist ebenfalls möglich. Bei Patienten mit großen Harnsteinen, die zu wiederholten Nierenkoliken mit unerträglichen Schmerzen führen, kann auch eine Ureterorenoskopie durchgeführt werden, wenn alle anderen Maßnahmen nicht zur Linderung beitragen. Bei diesem operativen Eingriff werden die Steine, und damit die Auslöser der Nierenkolik, endoskopisch über die Harnröhre entfernt.

Komplikationen

Eine Nierenkolik ist immer ein Notfall und sollte so schnell wie möglich behandelt werden. Zwar löst sich der verursachende Nierenstein oft von allein wieder mithilfe der Zufuhr von Flüssigkeit, Bewegung und unter medikamentöser Behandlung. Allerdings kann es passieren, dass der Stein stecken bleibt und dabei zu einem gefährlichen Harnstau führt. Wenn dieser Harnstau nicht behandelt wird, kommt es zu einer schweren Nierenschädigung, die bis zur völligen Zerstörung der Nieren führen kann.

Nach einem akuten Harnstau kann die Funktionsfähigkeit der Nieren bei sofortiger Behandlung allerdings wieder vollständig hergestellt werden. Wenn die Symptome der Nierenkolik jedoch unbeachtet bleiben, kann es zu einem chronischen Harnstau kommen, bei welchem der Harnabfluss nur teilweise gewährleistet ist. In der Folge bildet sich dann häufig eine sackförmige Ausdehnung des Nierenhohlraumes aus.

Das führt zum Untergang von funktionsfähigem Nierengewebe mit der Entwicklung einer sogenannten Schrumpfniere. Bei einer Abflussstörung des Urins kann sich zusätzlich eine Infektion der ableitenden Harnwege einstellen. Unter Umständen führt das dann zu einer septischen Harnstauungsniere, die mit schwerem Fieber, Schüttelfrost, starken Schmerzen und einer Nierenbeckenentzündung verbunden ist. Unbehandelt kann die Stauungsniere zum Tod führen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn die Bakterien in die Blutbahn geschwemmt werden und dort eine Blutvergiftung hervorrufen.

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Vorbeugung

Einer Nierenkolik kann mit einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr vorgebeugt werden. Diese ist besonders bei sommerlichen Temperaturen und dem damit verbundenen vermehrten Schwitzen wichtig. Häufigen Harnwegsinfekten, die ebenfalls die Entstehung von Harnsteinen begünstigen, kann dadurch ebenfalls vorgebeugt werden. Die schnelle Abnahme von Körpergewicht ohne eine ausreichende Trinkmenge fördert ebenfalls die Entstehung von Harnsteinen und damit das Auftreten einer Nierenkolik.

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Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Keller, C.K., Geberth, S.K.: Praxis der Nephrologie. Springer, Berlin 2010
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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