Nierenbecken

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. November 2016
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Die Nierenbecken zählen zu den ableitenden Harnwegen. Sie fangen den Harn aus den Nieren auf und bilden den Übergang zu den Harnleitern. Über diese fließt der Urin in die Harnblase.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Nierenbecken?

Das Nierenbecken (Pelvis renalis) ist ein runder bis trichterförmiger Sack, der Niere und Blase miteinander verbindet. Es ist die Sammelstelle für den Endharn, der die Abfallstoffe aus dem Blut enthält: Die Nieren filtern Schadstoffe, Abbauprodukte von Medikamenten und andere Endprodukte des Stoffwechsels aus dem Blut und reinigen es so.

Der Endharn fließt durch röhrenförmige Fortsätze, die Nierenkelche, in das Nierenbecken. Dieses verjüngt sich zum Harnleiter, über den der Urin in die Blase fließt. Dort sammelt sich der Urin, bis er über die Harnröhre ausgeschieden wird.

Das System aus Nierenbecken und Nierenkelchen, das den Harn an die Harnleiter abgibt, bezeichnen Experten als Nierenbeckenkelchsystem (NBKS). Die Nierenbecken sind Teil der Nieren, bilden aber zusammen mit Harnleitern, Blase und Harnröhre die ableitenden Harnwege.

Anatomie & Aufbau

Die Nierenbecken liegen innerhalb der Nieren, umgeben vom Nierenmark. Richtung Blase verengen sie sich zu den Harnleitern. Zum Nierenmark hin erweitern sie sich trichterförmig zu den sogenannten Nierenkelchen, wobei dieses Kelchsystem unterschiedlich aussehen kann: Beim ampullären Typ verzweigen etwa acht bis zehn kurze Nierenkelche aus den Nierenbecken.

Beim dendritischen Typ hingegen geht das Nierenbecken zunächst in zwei größere Kelche über, die sich wiederum in acht bis zehn kürzere Kelche teilen. Dadurch wirkt die Struktur baumartig. Die Nierenkelche umschließen die Nierenpapillen – die Spitzen des pyramidenförmig angeordneten Nierenmarks. Dort befinden sich Sammelrohre, in die jeweils etwa zehn Nierenkanälchen münden. Jedes dieser Kanälchen geht in eine Kapsel über, die ein Gefäßknäuel umschließt, den sogenannten Glomerulus.

Das verkapselte Gefäßknäuel heißt auch Nierenkörperchen. Zusammen bilden Nierenkanälchen und Nierenkörperchen die sogenannten Nephrone. Etwa 1,4 Millionen dieser kleinen Filter sitzen in der Nierenrinde, die das Nierenmark umschließt und somit den äußersten Teil der Niere bildet.

Funktion & Aufgaben

Die Nierenbecken dienen als Sammelbehälter für den Endharn, den das Nierengewebe herstellt. Die Muskelstränge im Nierenbecken und in den Nierenkelchen ziehen sich hierzu rhythmisch zusammen: Dadurch wird der Harn kontinuierlich aus den Kelchen gepresst und dem Harnleiter zugeführt.

Von dort fließt der Urin in die Blase. Ist sie voll, meldet sie dies in Form von Harndrang. Die Entleerung lässt sich bewusst steuern. Gebildet wird der Harn von den Nephronen. Hierzu durchströmt das gesamte Blutvolumen rund 300-mal pro Tag die Nieren – das entspricht fast 1.500 Litern. Die Nephrone halten Eiweiße und Blutzellen zurück, während Wasser, Glukose, Mineralstoffe sowie gelöste End- und Abbauprodukte in die Harnkanälchen fließen.

Über 99 Prozent des sogenannten Primärharns, darunter vor allem Glukose und Mineralstoffe, gelangen durch die Wand der Kanälchen zurück ins Blut. Dieser Vorgang heißt Rückresorption und verhindert, dass der Körper austrocknet und alle lebensnotwendigen Salze und Mineralstoffe verliert. Der Rest des Filtrats, der sogenannte Endharn, besteht überwiegend aus Abbaustoffen und Wasser.

Es gelangt über die Harnkanälchen ins Nierenmark und von dort weiter über die Nierenpapillen in die Nierenkelche und das Nierenbecken. Dieses kann etwa sechs bis zehn Milliliter Harn aufnehmen und ist Teil des körpereigenen Klärwerks. Insgesamt produziert der Körper pro Tag bis zu zwei Liter Endharn.

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Krankheiten & Beschwerden

Die häufigste Erkrankung des Nierenbeckens ist eine Nierenbeckenentzündung. Sie entwickelt sich meist aus einer bakteriellen Infektion der Blase: Die Bakterien vermehren sich und steigen über den Harnleiter ins Nierenbecken auf. Symptome sind Flankenschmerzen und Fieber, viele Patienten klagen zudem über Beschwerden beim Wasserlassen.

Nierensteine, Diabetes, eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme und Fehlbildungen der Harnwege erhöhen das Risiko. Beschwerden können auch durch Nierenbeckensteine ausgelöst werden. Sie entstehen, wenn Substanzen, die normalerweise gelöst im Harn vorkommen – etwa Kalzium oder Harnsäure – in zu großen Mengen vorhanden sind. Dann können diese Stoffe auskristallisieren. Häufig sind Steine die Folge einer ungesunden Ernährung. Vor allem wer zu viel Eiweiß isst, zu wenig trinkt oder zu viel Kaffee und Alkohol konsumiert, erhöht sein Risiko.

Ein Großteil der Steine geht von selbst mit dem Urin ab. Kommt es jedoch zu starken Schmerzen, ist der Stein möglicherweise zu groß und steckt fest. Dann können Ärzte ihn mithilfe von Medikamenten entfernen oder mit Schallwellen zertrümmern. Sehr selten können Steine in den Harnleitern dazu führen, dass das Nierenbecken einreißt (Fornixruptur). Dann kann Harn ins umgebende Gewebe austreten, weshalb ein Facharzt den Riss umgehend behandeln sollte.

Ebenfalls äußerst selten kommen Nierenbeckenkarzinome vor: Diese Krebsart tritt vor allem bei über 50-jährigen Männern auf. Rauchen gilt als zusätzlicher Risikofaktor. Nierenbeckenkrebs lässt sich mittels Ultraschall oder CT gut diagnostizieren, Symptome wie Blut im Urin oder Nierenschmerzen treten jedoch meist erst spät auf.

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