Niemann-Pick-Krankheit

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. September 2017
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Der Morbus Niemann-Pick ist auch als Niemann-Pick-Krankheit bekannt. Die Erbkrankheit gehört zu den lysosomalen Speicherkrankheiten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Niemann-Pick-Krankheit?

Der Morbus Niemann-Pick ist eine Erkrankung aus der Gruppe der Sphingolipidosen. Dabei handelt es sich um Stoffwechselerkrankungen, die sich zum Großteil im Zentralnervensystem manifestieren. Innerhalb der Sphingolipidosen gehört die Krankheit zu den lysosomalen Speicherkrankheiten. Diese sind durch Fehlfunktionen in den Lysosomen gekennzeichnet.

Im englischsprachigen Raum wird für diese Erkrankungen der Begriff Lysosomal Storage Diseases (LSDs) verwendet. Beim Morbus Niemann-Pick kommt es zu einer Einlagerung von Sphingomyelin in Leber, Knochenmark, Milz und Gehirn. Die Erkrankung wurde nach ihren Entdeckern Albert Niemann und Ludwig Pick benannt. Die Erstbeschreibung erfolgte im Jahr 1914. Die Niemann-Pick-Krankheit tritt eher selten auf.

Etwa ein Neugeborenes pro 8000 Geburten erkrankt an einer lysosomalen Speicherkrankheit. Dazu gehört aber nicht nur der Niemann-Pick-Krankheit, sondern auch Erkrankungen wie das Hunter-Syndrom oder das Sanfilippo-Syndrom.

Ursachen

Die Niemann-Pick Krankheit wird autosomal-rezessiv vererbt. Beim autosomal-rezessiven Erbgang liegt das defekte Allel auf einem homologen Chromosom beziehungsweise auf einem Autosom. Es erkranken nur homozygote Merkmalsträger. Das bedeutet, dass das Erbgut einer Zelle zwei gleiche Kopien des defekten Gens auf beiden Chromosomen aufweisen muss, damit die Erkrankung ausbricht.

Dem Niemann-Pick-Syndrom liegt ein genetischer Enzymdefekt zugrunde. Betroffen ist das Enzym Sphingomyelinase. Die Sphingomyelinase ist für die Spaltung von Sphingomyelin zuständig. Durch den Enzymdefekt kommt es zu einer vermehrten Speicherung von Sphingomyelinen in den Lysosomen von Milz, Knochenmark, Gehirn und Leber. Lysosomen sind Zellorganellen, die Verdauungsenzyme beinhalten.

Sie verdauen zellfremdes Material wie Erreger oder Zellreste. Sie spielen auch eine wichtige Rolle beim programmierten Zelltod (Apoptose). In Tierversuchen konnte gezeigt werden, dass die Expression des Myelin Gene Regulatory Factors (MRF) durch die Mutation im NPC-1 Gen signifikant reduziert wird. Das Protein MRF ist ein sogenannter Transkriptionsfaktor. Er spielt bei der Genkodierung eine Rolle bei der Bildung und dem Schutz von Myelinscheiden.

Myelinscheiden umhüllen die Nervenfasern und sorgen für eine schnelle Reizweiterleitung. Vermutlich beruhen die neurologischen Defizite, die beim Morbus Niemann-Pick auftreten, auf einer fehlerhaften Differenzierung von Oligodendrozyten. Diese Zellen gehören zu den Gliazellen. Ihre Zellfortsätze umhüllen als Markscheiden in Form von Myelin die Zellfortsätze der Nervenfasern. Somit kommt es durch die fehlerhafte Differenzierung der Oligodendrozyten zu einer fehlenden oder nicht ausreichenden Myelinisierung.

Beim Morbus Niemann-Pick Typ C ist zusätzlich der Cholesterolstoffwechsel beeinträchtigt. Hier reichern sich neben den Sphingomyelinen auch Cholesterine und andere Stoffwechselprodukte in den Körperzellen an.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Der Morbus Niemann-Pick kann in drei Formen unterteilt werden:

  • Der Typ IA wird auch als akute infantile neuropathische Form bezeichnet. Die Erkrankung beginnt im Alter von drei Monaten und äußert sich durch eine Trinkschwäche und durch Entwicklungsstörungen einzelner Gewebe und Organe.

Leitsymptom ist eine Schwellung der Leber (Hepatomegalie). Diese kann auch in Kombination mit einer Milzschwellung (Splenomegalie) auftreten. Zusätzlich sind die Lymphknoten tastbar und es treten bräunliche Verfärbungen der Haut auf. Im zweiten Lebensjahr beginnt der neurologische Abbau. Die betroffenen Kleinkinder werden taub, blind und verlieren den sozialen Kontakt.

Die Prognose ist infaust, das bedeutet, dass alle Kinder mit Morbus Niemann-Pick Typ IA innerhalb von zwei Jahren versterben. Diese Form ist die häufigste Variante der Erkrankung.

  • Der TYP IS wird auch als chronisch-viszerale Form bezeichnet. Es handelt sich dabei um einen leichten Verlauf mit Leberschwellung und Lungeninfiltraten. Eine Beteiligung des Zentralnervensystems liegt nicht vor. Die Lebenserwartung der Patienten ist nur leicht eingeschränkt.
  • Beim Typ C des Morbus Niemann-Pick kommt es zu einem neonatalen Ikterus. Die Haut und die Skleren der betroffenen Neugeborenen sind durch Einlagerungen des Farbstoffs Bilirubin gelb gefärbt. Typisch für diese Variante der Erkrankung ist auch eine supranukleäre Blickparese. Dabei kommt es zu einer fortschreitenden Lähmung der Augenmuskeln mit Doppeltsehen oder Störungen des Gleichgewichts.

Auch eine zerebelläre Ataxie mit Störungen der Bewegungskoordination kann beobachtet werden. Im Laufe der Erkrankung entwickeln die Patienten häufig Schluckstörungen. Dadurch können Aspirationspneumonien entstehen. Der Erkrankungsbeginn beim Typ C ist sehr variabel. Die ersten Symptome können bei Säuglingen, Kindern oder auch erst im Jugend- oder Erwachsenenalter auftreten.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei bekanntem Erkrankungsrisiko ist eine pränatale Diagnostik möglich. Bei Verdacht auf den Morbus Niemann-Pick werden weiße Blutkörperchen aus dem Knochenmark entnommen. Diese erscheinen vakuolisiert. Das bedeutet, dass die Leukozyten mit Hohlräumen durchzogen sind. Es finden sich zudem vakuolisierte Schaumzellen.

Dieses Phänomen wird als „Sea-blue-Histiozytose“ bezeichnet. In den Kulturen von Leukozyten und Fibroblasten kann die mangelnde Aktivität des Enzyms Sphingomyelinase nachgewiesen werden. Bei jedem zweiten Kind mit Morbus Niemann-Pick zeigt sich bei einer Augenhintergrundspiegelung ein roter Makulafleck.

Komplikationen

Abhängig vom Typ geht die Niemann-Pick-Krankheit mit einer Reihe von Komplikationen einher. Beim TYP IS können Leberschwellungen und Lungeninfiltrate, also Ansammlungen von Fremdkörpern in der Lunge, auftreten. Die Lebenserwartung der Betroffenen ist leicht eingeschränkt und die Lebensqualität mitunter stark beeinträchtigt. Beim Typ C können die ersten Symptome bereits im Säuglingsalter auftreten.

Dadurch kann es zu schweren Entwicklungsstörungen kommen, die häufig mit einer zerebellären Ataxie mit Störungen der Bewegungskoordination verbunden sind. Im Laufe der Erkrankung treten mitunter Schluckstörungen auf, die zu Aspirationspneumonien und anderweitigen Komplikationen führen. Betroffene zeigen mitunter Symptome der Atemnot, die von Husten mit Auswurf, einer erhöhten Körpertemperatur und einer Blaufärbung von Haut und Schleimhäuten verbunden ist.

Eine solche Zyanose ist ihrerseits mit schweren Komplikationen verbunden. Beim TYP IA kommt es frühzeitig zu einer Trinkschwäche und Entwicklungsstörungen von Organen und Gewebe. Die Schwellung der Leber ist meist mit einer Milzschwellung verbunden, die bei den Betroffenen schwere körperliche Beeinträchtigungen hervorruft.

So kommt es vermehrt zu Infektionen, der Magen-Darm-Trakt entzündet sich und die körpereigenen Funktionen nehmen rasch ab. Die betroffenen Kleinkinder werden meist innerhalb von zwei Jahren taub und blind, bevor sie schließlich an den schweren Komplikationen der Niemann-Pick-Krankheit versterben.

Therapie & Behandlung

Eine kausale Therapie ist derzeit nicht bekannt. Es gibt aber Hinweise darauf, dass spezielle Cyclodextrine die Symptome der Erkrankung lindern können. Cyclodextrine sind cyclische Oligosaccharide, die häufig als Lösungsmittel in der Medikamentenherstellung genutzt werden. Der Morbus Niemann-Pick Typ C wird mit Miglustat therapiert.

Miglustat ist ein Arzneistoff, der in der Europäischen Union ausschließlich zur Behandlung der Niemann-Pick-Krankheit und zur Behandlung des Morbus Gaucher Typ 1 zugelassen ist. Es handelt sich bei dem Arzneistoff um einen Iminozucker und ein n-Butyl-Derivat des Moranolins.

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Vorbeugung

Der Morbus Niemann-Pick wird autosomal-rezessiv vererbt. Es gibt derzeit keine wirksame Prävention.

Bücher über Niemann-Pick-Krankheit & Lysosomale Speicherkrankheit

Quellen

  • Kurz, R. et al.: Checkliste Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2015
  • Rath, W., Gembruch, U., Schmidt, S. (Hrsg.): Geburtshilfe und Perinatologie: Pränataldiagnostik - Erkrankungen - Entbindung. Thieme, Stuttgart 2010
  • Wassermann, K., Rohde, A.: Pränataldiagnostik und psychosoziale Beratung. Schattauer, Stuttgart 2009

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