Niedriger Blutdruck (Hypotonie)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 19. September 2017
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Ein niedriger Blutdruck (Hypotonie) ist in der Regel ungefährlich und kein Ausdruck von schwerwiegenden Krankheiten. Typische Beschwerden sind hier zumeist kalte Füße und Hände, Schwindel und Müdigkeit. Manchfall kann es auch zu Ohnmachtsanfällen oder Bewusstseinsstörungen kommen. Trotzdem sollte man einen Arzt aufsuchen, um alle Eventualitäten abzuklären. Außerdem kann der Arzt wertvolle Hinweise geben, was man als Betroffener selbst gegen den niedrigen Blutdruck unternehmen kann. Abzugrenzen in ein niedriger Bludruck von einem niedrigen Puls.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein niedriger Blutdruck (Hypotonie)?

Ein niedriger Blutdruck (medizinisch Hypotonie) ist definiert als ein arterieller Blutdruck systolisch unter 100 mmHg, welcher über eine Blutdruckmessung am Oberarm bestimmt wird. Der untere Wert (also der diastolische) ist für die Diagnosestellung nicht von Bedeutung. In Deutschland sind deutlich mehr Frauen betroffen als Männer. Vor allem junge und schlanke Frauen leiden unter der so genannten essentiellen bzw. idiopathischen Hypotonie.

Dabei liegt keine organische oder andere nachvollziehbare Ursache zu Grunde. Jeder niedrige Blutdruck sollte jedoch abgeklärt werden, da sich auch gefährliche Krankheiten dahinter verbergen können. Oft ist bereits eine gründliche Befragung (Anamnese) wegweisend, ergänzend werden Langzeit-Blutdruckmessungen über 24 Stunden, orthostatische Tests (Reaktion des Blutdrucks auf schnelles Aufstehen, z.B. Kipptisch- oder Schellongtest) und Blutuntersuchungen (z.B. Repräsentanten der Nebennierenrinden-Funktion, Blutsalze und bestimmte Hormone) durchgeführt.

Ursachen

In der Regel ist die Ursache für niedrigen Blutdruck idiopathisch, also nicht konkret fassbar. Es wird eine genetische und konstitutionelle Ursache (Hochwuchs, schlanker Habitus, schwaches Gefäßsystem) vermutet. Auch Sportler haben durch Anpassungsvorgänge des Herzens einen physiologisch reduzierten Blutdruck. Zusätzliche wirken Störungen im Flüssigkeitshaushalt (z.B. durch zu wenig Einfuhr, Durchfälle, Erbrechen oder durch Medikamente, unter anderem "Wassertabletten" und Blutdrucksenker) oder eine salzarme Kost (denn Salz bindet Wasser) begünstigend.

Sekundäre Hypotonien (also ein niedriger Blutdruck auf Grund einer anderen Erkrankung) treten z.B. bei einer ausgeprägten Herzschwäche (Herzinsuffizienz) auf, da das Blut nicht mehr so effektiv weiter gepumpt werden kann. Für eine Herzschwäche gibt es wiederum verschiedenste Ursachen, die häufigsten sind die koronare Gefäßkrankheit (Störung der Durchblutung am Herzen bis hin zu einem Herzinfarkt), Herzrhythmusstörungen und die Lungenembolie. Auch Stoffwechselkrankheiten (z.B. Schilddrüsenunterfunktion und Diabetes mellitus) können zu einem niedrigen Blutdruck führen.

Ebenso verursacht jegliche Art von Schock eine bedrohliche Hypotonie (z.B. bei Allergien, Blutungen oder Blutvergiftungen), meist dadurch, dass die Gefäße weit gestellt werden und so das Blut regelrecht versackt. Seltener sind die (meist autoimmunbedingte) Nebennierenrinden-Insuffizienz (auch Morbus Addison) und neurologische Erkrankungen (vor allem Morbus Parkinson und Multiple Sklerose) ursächlich.

Typische Symptome & Anzeichen

Krankheitsverlauf

Neben der Blutdruckmessung prüft der Arzt oft auch den Puls, um sich ein Gesamtbild des Blutkreislaufes zu machen.

Oft ist eine Hypotonie komplett symptomfrei. Wird der niedrige Blutdruck bemerkt, dann meist in Form von Schwäche, Kälte, Blässe und Schwindel bzw. "Schwarzwerden“ vor den Augen mit Ohnmachtsneigung (Synkope). Diese Beschwerden sind in der Regel lästig aber harmlos.

Kritisch sind lediglich die Folgen von möglichen Stürzen, bei denen (vor allem bei älteren Menschen) gravierende Verletzungen möglich sind.

Zum Vorteil der Menschen mit niedrigem Blutdruck konnte in vielen Untersuchungen gezeigt werden, dass eine Hypotonie eher gesundheitsförderlich ist und sogar die Lebenserwartung erhöhen kann.

Komplikationen

Niedriger Blutdruck als solcher ist in der Regel ungefährlich, obwohl seine Symptome dramatisch sein können. Meist ist die Hypotonie anlagebedingt und harmlos. Allerdings handelt es sich oft auch um ein Symptom einer zugrunde liegenden Erkrankung. Die meisten Komplikationen im Zusammenhang mit einer Hypotonie sind aber nicht die Folge des zu niedrigen Blutdrucks, sondern ergeben sich aus dem Verlauf der Grundkrankheit.

So tritt die Hypotonie unter anderem bei Herzerkrankungen, Venenschwäche, Hormonstörungen oder starkem Flüssigkeitsverlust bei verschiedenen Erkrankungen auf. Zwar verursacht der niedrige Blutdruck solche Symptome wie Schwindel, Ohrensausen, Augenflimmern oder gar Atemnot, die jedoch meist komplikationslos verlaufen. Bei starken Schwindelanfällen kann es aber zuweilen zu Stürzen kommen, die in ungünstigen Fällen zu Verletzungen führen.

Neben den Schwindelgefühlen ist chronischer niedriger Blutdruck aber auch von dauerhafter Müdigkeit begleitet. Müdigkeit und Konzentrationsschwäche sind häufig die Ursache für allgemeine Leistungsschwäche. Langfristig kann es dann zu Depressionen kommen. Gefährlich sind auch die häufigen Schlafstörungen, die auf lange Sicht chronische organische oder psychische Erkrankungen verursachen können.

Obgleich bei niedrigem Blutdruck im Allgemeinen keine unmittelbaren Komplikationen auftreten, wächst das Risiko bei älteren und vorerkrankten Patienten, dass Herz und Hirn mit Blut unterversorgt werden. Auch das Risiko für Stürze sowie für Verletzungen bei Stürzen (Knochenbrüche) steigt mit zunehmenden Alter.

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Behandlung & Therapie

In der Regel wird der niedrige Blutdruck durch Allgemeinmaßnahmen behandelt. Dabei sind regelmäßiger Sport (im moderaten Ausmaß, z.B. Schwimmen oder Gymnastik), Kompressionsbehandlung (durch z.B. Strümpfe, denn durch den Druck auf die Venen wird dem arteriellen Blutsystem mehr Volumen zur Verfügung gestellt) oder Wechselduschen (dabei immer mit kaltem Wasser aufhören) leicht und effektiv in den Alltag zu integrieren.

Da Salz vermehrt Wasser im Körper zurückhält und so ebenfalls das Volumen erhöhen kann, ist eine salzreiche Kost zu empfehlen. Entweder kann das Essen vermehrt mit Salz angereichert oder aber z.B. Brühe getrunken werden. Haben diese Maßnahmen keinen Erfolg, können auch Medikamente (so genannte Sympathikomimetika) eingesetzt werden. Diese sollten jedoch an letzter Stelle der Behandlung stehen, da die Effektivität der Lifestyle-Änderungen hoch ist und die Medikamente nicht unerhebliche Nebenwirkungen aufweisen.

Bücher über niedrigen Blutdruck

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015

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