Nickkrankheit

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 19. September 2017
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Bei der Nickkrankheit handelt es sich um eine im Südsudan, Tansania und Norduganda endemisch auftretende neurologische Erkrankung von Kindern und Jugendlichen. Die Erkrankung ist durch ständige Nickanfälle beim Essen und einen allmählichen körperlichen und geistigen Verfall gekennzeichnet. In der Regel führt die Nickkrankheit innerhalb von wenigen Jahren zum Tod.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Nickkrankheit?

Die Nickkrankheit ist eine nur in Ostafrika auftretende Erkrankung. Sie wird seit Anfang der Sechziger Jahre in Tansania und Südsudan beobachtet. Dabei zeichnet sie sich durch Nickanfälle beim Essen oder bei Kälte sowie durch eine allmähliche geistige Retardierung aus. Eine befriedigende Erklärung für ihre Entstehung konnte bis heute nicht gegeben werden.

Vor allem der Neurotoxikologe Peter Spencer untersuchte die Krankheit näher. Dabei konnte er typische Symptome herausstellen. Zur Ursache können derzeit allerdings nur Vermutungen angestellt werden. Peter Spencer beschrieb die Nickkrankheit als langsam fortschreitende tödlich endende Funktionsstörung. Er vermutete eine durchschnittliche Lebensdauer der an dieser Krankheit leidenden Personen zwischen drei und vier Jahren.

Allerdings gibt es auch Fälle, wo diese Erkrankung bereits über zehn Jahren besteht. Sogar von Heilungen wird berichtet. Die Nickanfälle stehen häufig auch im Zusammenhang mit klassischen epileptischen Anfällen. Durch Hirnstromuntersuchungen konnte festgestellt werden, dass die Nickanfälle von anomalen Hirnstrommustern begleitet werden, die denen bei einer Epilepsie gleichen.

Die Erkrankung kommt derzeit nur in Südsudan in Flusssiedlungen mit einer Prävalenz von 2,3 bis 6,7 Prozent vor. Bis 2008 hat sich die Erkrankung auch bis in einige Gebiete Nordugandas ausgebreitet.

Ursachen

Zur Ursache der Nickkrankheit können bisher nur Spekulationen angestellt werden. Bis heute ist nicht klar, durch was die Erkrankung überhaupt ausgelöst wird und warum sie nur in einem begrenzten Territorium auftritt. Es wird jedoch vermutet, dass es sich um eine Infektionskrankheit oder um eine durch eine Infektion ausgelöste Autoimmunerkrankung handelt.

Eine weitere Vermutung legt den Fokus auf chronische Vergiftung durch Umweltgifte, die im Rahmen des Bürgerkrieges die Gegend verseuchten. Einen starken Hinweis gibt es jedoch in Bezug auf einen Zusammenhang mit dem Fadenwurm Onchocerca volvulus. Bekannt ist bereits, dass dieser Wurm von der Kriebelmücke verbreitet wird und Verursacher der Flussblindheit ist.

Bei fast allen von der Nickkrankheit betroffenen Patienten konnte der Fadenwurm nachgewiesen werden. Merkwürdig ist allerdings auch, dass in anderen Ausbreitungsgebieten dieses Fadenwurms keine Fälle der Nickkrankheit auftreten. Daher liegt die Vermutung für weitere Ko-faktoren zur Ausbildung dieser Erkrankung nahe. Das könnten bisher nicht nachgewiesene Chemikalien sein.

Es besteht auch die Möglichkeit, dass der Fadenwurm in dieser Gegend Träger von speziellen Mikroorganismen oder Parasiten ist, welche als wahre Auslöser der Nickkrankheit infrage kommen. Auch eine Autoimmunerkrankung als Reaktion auf eine Infektion wird für möglich gehalten.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Nickkrankheit ist, wie bereits erwähnt, eine langsam fortschreitende neurologische Erkrankung, deren Hauptsymptom in ständigen Nickbewegungen des Kopfes besteht. Das betroffene Kind wächst nicht mehr und die geistige Entwicklung bleibt stehen. Mit der Zeit findet sogar eine mentale Retardierung statt.

Die Nickanfälle werden ausgelöst beim Essen oder sogar schon beim Ansehen von traditionellen Speisen oder bei Kälte. Werden ungewohnte Speisen wie etwa Schokolade serviert, treten keine Nickanfälle auf. Auch nach dem Ende des Essens hören die Nickanfälle auf. Während eines Anfalls können zwischen 10 bis 20 Nickbewegungen des Kopfes auftreten. Bei sehr starken Anfällen kann es sogar zum Kollaps kommen. Das führt häufig zu weiteren Schäden.

So fallen die Kinder nicht selten hin und verletzen sich dabei erheblich. Dabei ist es bereits vorgekommen, dass Betroffene in offene Feuerstellen oder auf spitze Gegenstände gefallen sind. Im Rahmen des Anfalls werden die Kinder auch orientierungslos und verirren sich häufig. Die Prognose der Erkrankung ist sehr schlecht. Nach den bisherigen Erfahrungen ist sie nicht heilbar und schreitet sogar weiter voran.

Nach mehreren Jahren endet die Nickkrankheit in der Regel tödlich. Dabei gibt es unterschiedliche Aussagen zur Dauer der Erkrankung. Nach einigen Beobachtungen soll die Nickkrankheit im Durchschnitt innerhalb von drei bis vier Jahren zum Tode führen. Andererseits wurde auch über Personen berichtet, die bereits über zehn Jahre an dieser Erkrankung leiden. Es gibt allerdings auch Aussagen, wonach auch einige wenige Jugendliche wieder gesund geworden sein sollen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Nickkrankheit wird hauptsächlich aufgrund der typischen Symptomatik diagnostiziert. Hirnstrommessungen haben Norm abweichende Hirnstrommuster während der Nickanfälle nachgewiesen. Bei MRT-Untersuchungen kann ein starker Schwund von Hirnmasse festgestellt werden. Der Hippocampus und die Gliazellen weisen auch eine starke Schädigung auf. Bisher gibt es in den Untersuchungen jedoch noch keine Hinweise auf die wirklichen Auslöser der Erkrankung.

Komplikationen

Das Nicksyndrom führt als Variante der frühkindlichen Epilsepsie fast immer zu Komplikationen. Die damit verbundenen Nickanfälle bleiben leider nicht das einzige Symptom. Dieses Krankheitssymptom allein kann allerdings schon dazu führen, dass die betroffenen Kinder bei einem Anfall stürzen. Sie ziehen sich dabei teils schwere Verletzungen zu.

Die Betroffenen sind während der Attacken nicht mehr Herr ihrer Gliedmaßen. Da die Erkrankung vornehmlich in afrikanischen Ländern wie Uganda vorkommt, fallen die Kinder dabei oft in offene Feuerstellen oder berühren beim Sturz scharfe Gegenstände. Außerdem verlaufen sich solche Kinder oft. Ohne jeden Schutz werden die Orientierungslosen dabei leicht zum Opfer wilder Tiere. Zudem handelt es sich bei der Nickkrankheit um eine Erkrankung, die meist tödlich endet.

Sie schreitet fort und ist eine schwere neurologische Erkrankung. Das größte Problem sind die Seltenheit und das regional eng begrenzte Gebiet, in dem die Nickkrankheit auftritt. Es gibt dort keine ärztliche Versorgung. Eine moderne Diagnostik ist ebenso rar. Doch selbst wenn diese Dinge existieren, ist die Nickkrankheit bisher nicht heilbar.

Warum es bei einer Reihe von Betroffenen zwar zu Komplikationen und geistiger Retardierung, aber nicht zum Tod kommt, ist unklar. Möglicherweise ist das ein Hinweis auf einen parasitischen oder infektösen Auslöser, der in diesen Regionen häufig vorkommt.

Behandlung & Therapie

Da die Ursachen völlig unklar sind, gibt es bisher auch keine befriedigenden Behandlungsmethoden. Es werden sogenannte Antikonvulsiva eingesetzt. Antikonvulsiva sind Mittel gegen epileptische Anfälle. Dabei liegen jedoch noch keine Dokumentationen darüber vor, inwieweit die Erkrankung durch diese Medikamente beeinflusst wird. Auch Antimalariamittel werden eingesetzt. Auch hier sind keine Ergebnisse veröffentlicht.

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Vorbeugung

Zur Vorbeugung vor der Nickkrankheit kann bisher nichts gesagt werden, da die wirklichen Ursachen nicht bekannt sind. Es gibt Vermutungen, dass die schlechten hygienischen Verhältnisse den Ausbruch der Erkrankung noch fördern. Sicher spielt der Schutz vor der dem Befall mit dem Fadenwurm Onchocerca volvulus eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung der Nickkrankheit.

Bücher über Reisekrankheiten in den Tropen

Quellen

  • Diesfeld, H.J., Krause, G., Teichmann, D.: Praktische Tropen- und Reisemedizin. Thieme, Stuttgart 2003
  • Kretschmer, H., Kusch, G., Scherbaum, H. (Hrsg.): Reisemedizin. Beratung in der ärztlichen Praxis. Urban & Fischer, München 2005
  • Hacke, W.: Neurologie. Springer, Heidelberg 2010

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