Neutrophilie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 18. September 2017
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Mit Neutrophilie wird eine über das Normalmaß hinausgehende Zahl der neutrophilen Granulozyten (Neutrophile) im Blut bezeichnet. Die Neutrophilie ist eine von mehreren möglichen Formen der Leukozytose, mit der allgemein ein Anstieg der weißen Blutkörperchen bezeichnet wird, zu denen auch die Neutrophilen gezählt werden. Es gibt viele endogene und exogene Faktoren einschließlich Immunreaktionen, die eine vorübergehende oder permanente Überzahl an neutrophilen Granulozyten verursachen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Neutrophilie?

Für neutrophile Granulozyten, die zum angeborenen Immunsystem gehören, wird häufig die Kurzbezeichnung Neutrophile verwendet. Sie stellen eine spezifische Form der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) dar und machen den größten Anteil der Leukozyten insgesamt aus. Eine zeitweise oder permanente Erhöhung der Zahl der Neutrophilen im Blut über das Normalmaß hinaus wird als Neutrophilie bezeichnet.

Die Neutrophilie ist damit eine Sonderform der Leukozytose, mit der generell eine Erhöhung der Leukozytenzahl bezeichnet wird. Die neutrophilen Granulozyten gehören zur unspezifischen angeborenen Immunabwehr. Sie sind permanent „auf Patrouille“ im Blut und in inaktiver Form auch als „Posten“ im Gewebe verteilt. Eine schnelle und kurzandauernde Erhöhung ihrer Zahl im Blut kann eine Immunreaktion sein oder auf eine Erkrankung der Neutrophilen selbst hindeuten.

Der Großteil der Neutrophilen sind sogenannte segmentkernige, ausdifferenzierte Neutrophile, von denen im Normalfall 3.000 bis 5.800 im Blut pro Mikroliter zirkulieren. Stabkernige neutrophile Granulozyten, die noch nicht vollständig ausdifferenziert sind, treten im Normalfall mit einer Zahl von circa 150 bis 400 pro Mikroliter Blut in Erscheinung.

Ursachen

Eine Neutrophilie kann durch viele endogene und exogene Faktoren und Auslöser verursacht werden. In den meisten Fällen eines vorübergehenden Anstiegs der neutrophilen Granulozyten spielen lediglich endogene Ursachen wie die Ausschüttung von Stresshormonen – vor allem Adrenalin – die größte Rolle.

Bei äußeren Umständen, die akuten Stress verursachen mit einer schlagartigen Erhöhung des Adrenalinspiegels wird der Körper auf kurzzeitige muskuläre und mentale Höchstleistungen für Flucht oder Angriff vorbereitet. Dazu gehört auch die Vorsorge, im Falle von Verletzungen möglichst wenig Blut zu verlieren durch Verengung der peripheren Blutgefäße und schneller auf Keime, die mögliche äußere Verletzungen als Eintrittspforte nutzen, reagieren zu können.

Das Immunsystem veranlasst als Vorsorgemaßnahme eine vorübergehende Neutrophilie, die nach etwa einer Stunde wieder abklingt. Das Immunsystem ist auch der Auslöser einer Neutrophilie bei akuten Entzündungen, starken Verletzungen, Operationen und Infektionen sowie bei einer Erhöhung des Spiegels an Glucocorticoiden. Die drastische Erhöhung der Zahl der neutrophilen Granulozyten geht meist mit einer sogenannten Linksverschiebung einher.

Es werden vermehrt noch nicht ausgereifte stabkernige Neutrophile aus dem Knochenmark in den Blutkreislauf geschleust. Ein ähnlicher Vorgang als Reaktion des Immunsystems tritt bei chronischen Entzündungen und bei einigen Arten von Neoplasien (Krebs) auf. Eine besonders schwere Form der Neutrophilie entsteht bei der chronisch granulozytären Leukämie wie die myeloische Leukämie, bei der es aufgrund genetischer Faktoren im Verlauf der Krankheit – unbehandelt – zu einer ungebremsten Proliferation von Vorläuferzellen der Leukozyten kommt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Erhöhung der neutrophilen Granulozyten über das Normalmaß hinaus ist in der Regel völlig symptomlos. Symptome treten allenfalls in Verbindung mit den die Neutrophilie auslösenden Faktoren auf. So können beispielsweise Entzündungen oder Verletzungen Schmerzen verursachen, die aber nicht auf die sich dann entwickelnde Neutrophilie zurückgeführt werden können.

Auch Beschwerden und Anzeichen, die mit der Vielzahl anderer Verursacher in Verbindung gebracht werden können, werden durch die pathologisch erhöhte Zahl der Neutrophilen weder verursacht noch verstärkt.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Da die Neutrophilie völlig symptomlos ist, wird sie meist mehr oder weniger zufällig im Rahmen labormäßigen Blutuntersuchung entdeckt. Die routinemäßige Ermittlung der Blutwerte im Labor erlaubt eine Differenzierung zwischen den verschiedenen Leukozyten. Es wird zwischen Neutrophilen, Lymphozyten, Monozyten, Eosinophilen und Basophilen unterschieden, die unterschiedliche Aufgaben innerhalb des Immunsystems übernehmen.

Der Verlauf der Neutrophilie hängt sehr stark vom Verlauf der verursachenden Faktoren ab. Er kann selbstregulierend sein wie im Fall einer Stresssituation oder sich nach Überwindung einer lokalen oder systemischen Infektion ebenfalls von selbst wieder zurückbilden oder aber im Falle einer myeloischen Leukämie - unbehandelt - einen schwerwiegenden Verlauf nehmen.

Komplikationen

In den meisten Fällen kommt es bei der Neutrophilie nicht zu besonderen Beschwerden und Komplikationen. Allerdings kann es in einigen Fällen aufgrund der Neutrophilie schneller zu Entzündungen und zu Infektionen kommen. Die Beschwerden sind dabei sehr unterschiedlich, sodass die Neutrophilie in den meisten Fällen erst relativ spät diagnostiziert wird. Allerdings hat die Neutrophilie keine gesundheitlich negative Wirkung auf den Körper des Betroffenen.

In vielen Fällen verschwindet die Beschwerde auch wieder vollständig, wenn die Infektion oder die Entzündung überstanden ist. Eine besondere Behandlung ist dabei nicht notwendig. Allerdings kann die Neutrophilie auch durch eine Leukämie auftreten und sich dabei negativ auf die Lebensqualität auswirken. In diesem Falle ist es möglich, die Neutrophilie mit Hilfe von Medikamenten zu behandeln.

Allerdings kommt es auch dabei nicht zu Komplikationen. Auch die Lebenserwartung des Patienten wird von der Neutrophilie nicht beeinflusst. Dieser Krankheit kann in der Regel nicht vorgebeugt werden. Allerdings ist vor allem nach operativen Eingriffen auf Maßnahmen der Hygiene zu achten, um Infektionen und Entzündungen zu vermeiden.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung der Neutrophilie richtet sich immer nach der Behandlung der zugrundeliegenden Primärerkrankung oder in der Aufhebung möglicher exogener Faktoren. Dazu zählen zum Beispiel die Verabreichung bestimmter Medikamente oder eine Veränderung der Lebensweise, wenn beispielsweise Rauchen ein Hauptauslöser einer Neutrophilie ist.

Im Regelfall pendelt sich nach erfolgreicher Therapierung der Grunderkrankung die Zahl der Neutrophilen und der übrigen Leukozyten wieder in den Normalbereich ein. Das bedeutet, dass durch eine Beseitigung der auslösenden Faktoren es dem Immunsystem überlassen bleibt, die Normalverhältnisse wieder herzustellen. Eine Behandlung, die ohne Berücksichtigung der verursachenden Faktoren direkt auf die Reduzierung der Neutrophilen abzielt, existiert nicht und wäre auch nicht sinnvoll.

Lediglich bei einer Erkrankung an akuter myeloischer Leukämie liegen die Verhältnisse anders. Bei der Krankheit, die durch Genveränderungen im Knochenmark ausgelöst wird, ist die außerordentliche Proliferation der Leukozyten selbst die Primärerkrankung. Mögliche Therapieformen zielen deshalb direkt auf die Verminderung der ungesteuerten Proliferation ab.

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Vorbeugung

Aufgrund der vielfältigen möglichen Verursacher einer Neutrophilie sind direkt vorbeugende Maßnahmen, die den Ausbruch der Krankheit verhindern würde, kaum denkbar. Indirekte Maßnahmen, die eine Stärkung des Immunsystems bewirken, führen prinzipiell dazu, dass das Immunsystem die meisten verursachenden Faktoren wie Infektionen, Operationen und Verletzungen selbst überwinden kann und sich eine zwischenzeitliche Neutrophilie von selbst zurückbildet.

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Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Schänzler, N., Bieger, W.P.: Laborwerte. Gräfe und Unzer, München 2009

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