Neutral-Null-Methode

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 24. November 2016
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Mit der Neutral-Null-Methode bewertet und dokumentiert der Orthopäde das Bewegungsausmaß eines Gelenks anhand eines dreistelligen Codes, der indexikalisch gültig ist und bis ins Versicherungswesen nachvollzogen werden kann.

Der Patient steht bei der Neutral-Null-Methode zunächst in Neutralstellung aller Gelenke und bewegt die Gelenke von dieser Neutralstellung auf Aufforderung schließlich einzeln vom Körper fort und zum Körper hin, wobei die Bewegungsfähigkeit in Form eines Winkels um die jeweilige Bewegungsachse angegeben wird.

Vor allem gutachterliche Stellungnahmen im Rahmen der gesetzlichen Unfallversicherung, einer Privatversicherung oder eines sozialgerichtlichen Gutachtens lassen sich mit der Neutral-Null-Methode vornehmen, aber auch im rein klinischen Bereich ist die Methode relevant und dient hier insbesondere der Einschätzung von krankheits- oder unfallbedingten Einschränkungen im Alltag.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Neutral-Null-Methode?

Die Neutral-Null-Methode ist ein Index, der der Orthopädie zur Bewertung und Dokumentation von Gelenkbeweglichkeit dient. Der Index wird in Form eines dreistelligen Codes festgehalten. Dieser Code gibt das maximale Bewegungsausmaß des Gelenks als Winkelgrad um eine bestimmte Achse an.

Die Neutral-Null-Stellung des Gelenks markiert die Ausgangsposition. Sie ist gleichbedeutend mit einem Winkel von Null Grad, wie er in den Gelenken bei aufrechtem Stand mit parallel stehenden Beinen, entspannt hängenden Armen und nach vorne gerichtetem Daumen vorliegt. Von dieser neutralen Stellung aus wird die Beweglichkeit bei der Neural-Null-Methode durch Auslenkungen in verschiedene Richtungen festgestellt. Die erste Zahl des Codes entspricht dabei in der Regel einer Bewegung vom Körper fort, die zweite Zahl ist die Ziffer 0 für die Neutral-Null-Stellung und die dritte Ziffer beschreibt eine Bewegung zum Körper hin.

In Einzelfällen lässt sich das Bewegungsausmaß aber auch nach der entgegengesetzten Reihenfolge angeben. Bei Gelenken mit mehreren Bewegungsachsen hält der Orthopäde für jede Achse einen eigenen Code fest. Da die Verschriftlichung standardisiert ist, lässt sich das Bewegungsausmaß eines Gelenks in Befunden und Briefen so unmissverständlich veranschaulichen. Damit kann der Schweregrad einer Bewegungseinschränkung institutionsunabhängig verständlich gemacht werden.

Funktion, Wirkung & Ziele

Der Neutral-Null-Methode kommt vor allem in Zusammenhang mit einer gutachterlichen Stellungnahme Bedeutung zu. Eine solche Stellungnahme kann zum Beispiel im Rahmen der gesetzlichen Unfallversicherung erforderlich werden.

Auch private Unfallversicherungen und sozialgerichtliche Gutachten arbeiten mit den Messblättern der gesetzlichen Unfallversicherung. In diesen Messblättern werden die Ergebnisse der Neutral-Null-Methode an den oberen und unteren Extremitäten festgeschrieben. Allerdings spielt das Dokumentations- und Bewertungsverfahren auch auf rein klinischer Ebene eine Rolle, da sich über den Index das krankheits- oder unfallbedingte Ausmaß der Bewegungseinschränkung im Alltag feststellen lässt.

Auch die Erfolge einer laufenden Bewegungstherapie lassen sich unter Umständen anhand der Neutral-Null-Methode nachvollziehen. Dazu findet vor der Therapie eine erste Beurteilung der Bewegungsfähigkeit statt, die im Anschluss an die abgeschlossene Therapie mit den neuen Daten verglichen wird. Um die Neutral-Null-Methode anzuwenden, lässt der Arzt den aufrecht stehenden Patienten mit entspannt hängenden Armen, parallel zueinander stehenden Beinen und nach vorne gerichteten Daumen zunächst die Neutral-Null-Position aller Gelenke einnehmen.

Mit der Neutral-Null-Methode bewertet und dokumentiert der Orthopäde das Bewegungsausmaß eines Gelenks.

Danach fordert er den Patienten zur Streckung, Beugung, Innendrehung, Außendrehung, Abspreizung oder Anführung der jeweiligen Extremität beziehungsweise der relevanten Gelenke auf. Unter Umständen gibt er ihm die gewünschte Bewegung in Hilfestellung auch aktiv vor. Für die Verschriftlichung der Beweglichkeit eines jeden Gelenks existieren schließlich Referenzwinkelwerte. Für das Schultergelenk entspricht der Referenzindex bei der Abduktion und Adduktion so zum Beispiel dem Code 180-0-20 bis 40.

Wenn das Schultergelenk nun aber beispielsweise in der Abduktion beeinträchtigt ist und sich so aus der senkrechten Hebung nur in die waagrechte Position bringen lässt, hält der Arzt statt einer uneingeschränkten Beweglichkeit von 180 Grad ein eingeschränktes Bewegungsausmaß von 90 Grad fest. Der Index entspräche dann 90-0-20 bis 40. Die Winkelzeichen werden im Index der Neutral-Null-Methode in der Regel nicht festgehalten, da sich sich von selbst verstehen.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Die Neutral-Null-Methode ist für den Patienten mit keinerlei Risiken oder Nebenwirkungen verbunden. Sie lässt sich daher ohne Probleme ambulant durchführen. Besonderheiten ergeben sich bei dem Verfahren vor allem dann, wenn die Neutral-Null-Position des Gelenks aufgrund einer Schädigung nicht erreicht werden kann.

In diesem Fall steht die Null nicht in der Mitte des Index, sondern rückt an die Seite, auf der ein Defizit im Bewegungsausmaß besteht. Die Winkelzahl gibt dann das Defizit an, wobei die 0 das Bewegungsausmaß an sich veranschaulicht. Für statistische Auswertungen lässt sich das Verfahren der Neutral-Null-Methode nicht einsetzen. Dazu extrahiert man aus dem Index eher die Winkelangaben zu den einzelnen Bewegungen, addiert sie und errechnet einen Durchschnitt des allgemeinen Bewegungsausmaßes.

In den meisten Ländern gibt es die Neutral-Null-Methode an sich nicht und das Bewegungsausmaß wird immer über einen Durchschnitt der einzelnen Winkel angegeben. Eine Sonderposition nimmt die Neutral-Null-Methode in Deutschland im Rahmen der Spastik ein. Bei schnellen Bewegungen kontrahiert ein spastischer Muskel deutlich früher und reduziert so das Bewegungsausmaß im Alltag. Bei diesem klinischen Bild unterscheidet der Arzt während der Methode daher zwischen dem Bewegungsausmaß bei passiv langsamer Bewegung und passiv schneller Bewegung, um dem Umfang der spastisch eingeschränkten Bewegung zu entsprechen.

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