Neurosyphilis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 22. August 2017
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Die Neurosyphilis ist ein Syndrom, das sich als Spätfolge einer Syphilis-Infektion entwickeln kann. Sie äußert sich in psychiatrischen und neurologischen Ausfällen. Die Neurosyphilis wird auch als Neurolues oder als quartäre Syphilis bezeichnet (Syphilis im vierten Stadium).

Inhaltsverzeichnis

Was ist Neurosyphilis?

Die Neurosyphilis kann entstehen, wenn eine unbehandelte oder nicht vollständig ausgeheilte Syphiliserkrankung weit fortgeschritten ist. Die Erkrankung greift dann auf das zentrale Nervensystem über.

Zwischen einer Syphilisinfektion und dem Ausbruch der Neurosyphilis können Jahrzehnte vergehen. Entsprechend liegt das Ausbruchsalter meist im mittleren bis fortgeschrittenen Lebensalter. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Wird die Syphiliserkrankung rechtzeitig und gründlich therapiert, ist reichlich Zeit gegeben, um den Ausbruch der Neurosyphilis zu verhindern.

Ursachen

Die Neurosyphilis entsteht im weit fortgeschrittenen Stadium einer Infektion mit Syphilis. Dies ist eine sexuell übertragbare Krankheit, die durch das Bakterium Treponema pallidum hervorgerufen wird.

Auch eine Ansteckung des ungeborenen Kindes durch eine infizierte Mutter ist möglich. Bei etwa 10-20% aller an Syphilis Erkrankten entwickelt sich eine Neurosyphilis. Während die Neurosyphilis in früheren Jahrhundert einer der häufigsten Gründe für eine psychiatrische Hospitalisierung war, ist sie dank guter Behandlungsmöglichkeiten und einer besseren Diagnostik inzwischen in den Industrieländern selten geworden.

In Ländern, in denen eine ausreichende medizinische Versorgung und damit die rechtzeitige Diagnostik und Therapie einer Syphilis noch nicht gegeben ist, stellt die Neurosyphilis weiterhin eine häufige Komplikation dar.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Bei Verdacht auf eine Neurosyphilis wird zunächst per Bluttest die zu Grunde liegende Syphilis nachgewiesen. Die Neurosyphilis kann durch eine Untersuchung des Nervenwassers diagnostiziert werden. Dabei wird das Rückenmark punktiert und eine Probe entnommen. Im Nervenwasser lassen sich bestimmte Antikörper und erhöhte Eiweißwerte nachweisen, die Rückschluss auf eine Neurosyphilis zulassen.

Beim Ausbruch der Neurosyphilis kommt es zunächst zu einer Entzündung der Hirnhäute, die sich in Sehstörungen äußert - typisch ist hierbei das Sehen von Doppelbildern. Auf dieses sogenannte meningovaskuläre Stadium kann nach einem längeren Zeitraum dann das parenchymatöse Stadium folgen, in dem das Gewebe des Gehirns zu Grunde geht. Dies äußert sich in Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Lähmungen der Extremitäten, Wesensveränderungen, Wahnvorstellungen, Gedächtnisstörungen, Halluzinationen und Anfällen. Die Patienten verlieren ihre geistigen Fähigkeiten, wirken stark verwirrt und orientierungslos. Die Symptome ähneln teilweise einer altersbedingten Demenz.

Während der Übergang vom meningovaskulären Stadium zum parenchymatösen Stadium oft viele Jahre in Anspruch nimmt, schreitet der Niedergang des Gehirngewebes und damit der geistige Abbau des Patienten schnell vorran. Im letzten Schritt kommt es zum sogenannten Tabes dorsalis, bei dem die Nervenscheiden, Nervenwurzeln und Nervenknoten zerstört werden. Dies führt zu Inkontinenz und Unempfindlichkeit gegenüber Schmerz- und Temperaturreizen, so dass die Patienten teilweise sich entzündende Wunden nicht bemerken oder sich versehentlich verbrühen. Dazu kommen Gangstörungen und ein Verlust der Reflexe bin hin zur vollständigen Lähmung.

Komplikationen

Die Neurosyphilis führt unbehandelt immer zu Spätfolgen, die aufgrund entstehender Komplikationen tödlich enden können. Da die Neurosyphilis bereits eine Komplikation einer Syphilis darstellt, ist spätestens sie besonders behandlungsbedürftig.

Komplikationen, die mit dem zerstörten Nerven- und Hirngewebe einhergehen, resultieren beispielsweise aus sensorischen Störungen. So können Betroffene eventuell Wunden und Entzündungen nicht bemerken, was zum Absterben von Gewebe führen kann. Auch Überempfindlichkeit kann auftreten. Viele alltägliche Dinge können von den Betroffenen nicht mehr ausgeführt werden.

Die veränderte Persönlichkeitsstruktur bei einer voranschreitenden Neurosyphilis sorgt für eine soziale Entfremdung. So kann es vorkommen, dass Betroffene sich häufig missverstanden fühlen und Angehörigen gegenüber aggressiv werden. Dies kann zu einer völligen Isolation führen, was besonders dann enorm belastend für die Betroffenen ist, wenn sie zeitgleich zu einem Pflegefall werden.

Da die Lähmung der Nerven weiter voranschreitet, werden Betroffene alsbald zu einem Pflegefall mit allen verbundenen Komplikationen (Dekubitusrisiko, Vereinsamung, Mangel- oder Fehlernährung). Dies ist zumeist durch die voranschreitende Entzündungen im Hirn beziehungsweise der Hirnhaut zu erklären. Man spricht hier von chronisch progredient verlaufener Meningitis beziehungsweise Enzephalitis.

Das Ausbilden einer Tabes dorsalis (Rückenmarksschwund) führt zu starken motorischen Einschränkungen und damit zu einem erhöhten Unfallrisiko durch Stürze oder fehlerhaften Gebrauch von Objekten.

Behandlung & Therapie

Es ist möglich, eine Syphiliserkrankung auch dann noch zu behandeln, wenn sie bereits in das Stadium der Neurosyphilis fortgeschritten ist. Hierzu wird in erster Linie Penicillin eingesetzt. Dieses Antibiotikum tötet die Erreger der Syphilis ab.Jedoch kann durch Neurosyphilis zerstörtes Nervengewebe des Gehirns und des Rückenmarks sich nicht mehr regenerieren. Durch eine ursächliche Behandlung der Syphilisinfektion kann jedoch der weitere Niedergang der Nervenzellen verhindert werden.

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Vorbeugung

Die Neurosyphilis ist eine Komplikation der Syphilis-Infektion. Der beste Weg der Vorbeugung ist also, eine Syphilis-Infektion zu verhindern. Da es sich hier um eine sexuell übertragbare Krankheit handelt, ist hierzu ein verantwortungsbewusstes Sexualverhalten von Nöten.

Die Verwendung von Kondomen schützt nicht nur vor einer Ansteckung mit Syphilis, sondern auch vor anderen schwerwiegenden Krankheiten. Es muss jedoch angemerkt werden, dass Syphilis - anders als beispielsweise HIV - auch durch Oralsex und andere sexuelle Kontakte übertragen werden kann.

Zur Verhinderung einer Neurosyphilis ist es essentiell, eine bestehende Syphiliserkrankung schnell und konsequent zu therapieren. Auf diesem Weg können schwerwiegende Folgeerkrankungen wie die Neurosyphilis vermieden werden.

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Quellen

  • Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. Springer, Berlin 2012
  • Hacke, W.: Neurologie. Springer, Heidelberg 2010
  • Suttorp, N., et al.: Infektionskrankheiten. Thieme, Stuttgart 2004

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