Neurodegeneration mit Eisenablagerung im Gehirn

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. August 2017
Startseite » Krankheiten » Neurodegeneration mit Eisenablagerung im Gehirn

Die Neurodegeneration mit Eisenablagerung im Gehirn stellt eine Erkrankung dar, die nur mit einer sehr geringen Häufigkeit vorkommt. Die Krankheit wird im internationalen medizinischen Jargon oft auch mit der Abkürzung NBIA bezeichnet. Im Rahmen der Neurodegeneration mit Eisenablagerung im Gehirn kommt es zur neurologischen Degenerationen. Typisch für die Erkrankung ist dabei in erster Linie, dass sich Eisen in interzerebralen Bereichen ablagert, insbesondere in den sogenannten Basalganglien.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Neurodegeneration mit Eisenablagerung im Gehirn?

Die synonyme, aber in der heutigen Zeit veraltete Bezeichnung für die Neurodegeneration mit Eisenablagerung im Gehirn lautet Hallervorden-Spatz-Syndrom. Die Krankheit kommt relativ selten vor, wobei die Häufigkeit bei einem bis neun Fällen in einer Million Personen liegt.

Bei den betroffenen Patienten sind Ansammlungen von Eisen im Hirn nachweisbar, das sich in erster Linie auf die Basalganglien konzentriert. Dabei handelt es sich um ein spezielles Areal innerhalb des menschlichen Gehirns. Grundsätzlich stellt die Neurodegeneration mit Eisenablagerung im Gehirn eine degenerative Krankheit dar.

Die am stärksten von den Ablagerungen betroffenen Bereiche sind die Basalganglien, insbesondere die sogenannte Substantia nigra sowie der Globus Pallidus. Die Neurodegeneration mit Eisenablagerung im Gehirn wird in der Regel auf autosomal-rezessive Weise an die Nachkommen vererbt. Prinzipiell wird die Neurodegeneration mit Eisenablagerung im Gehirn zur Kategorie der sogenannten neuroaxonalen Dystrophien gerechnet.

Die Erstbeschreibung der Neurodegeneration mit Eisenablagerung im Gehirn erfolgte im Jahr 1922 durch Hallervorden und Spatz. In Anlehnung an diese beiden Forscher erhielt die Erkrankung zunächst den Namen Hallervorden-Spatz-Syndrom. Die Statistik zeigt, dass in Deutschland derzeit etwa 45 Personen an der Neurodegeneration mit Eisenablagerung im Gehirn erkrankt sind.

Ursachen

Die Ursachen der Neurodegeneration mit Eisenablagerung im Gehirn sind in erster Linie genetischer Art. Ausschlaggebend für die Entstehung der Erkrankung ist ein Defekt auf einem bestimmten Gen. Grundsätzlich wird die Neurodegeneration mit Eisenablagerung im Gehirn autosomal-rezessiv weitergegeben.

Das für die Störung verantwortliche Gen ist die sogenannte Pantothenatkinase 2. Sie befindet sich auf dem 20. Chromosom. Das entsprechende Eiweiß ist essenziell für die Bildung des Coenzyms A. Störungen führen zu Ansammlungen der Stoffe Panthethein und Cystein.

Beide entfalten eine toxische Wirkung oder bilden freie Radikale, sobald sie mit Eisen in Kontakt kommen. Auf diese Weise wird das Hirn der betroffenen Person oxidativ beeinträchtigt. Sowohl Eisen als auch Neuromelanin lagern sich im Rahmen der Neurodegeneration mit Eisenablagerung im Gehirn in relativ großen Mengen ab.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Neurodegeneration mit Eisenablagerung im Gehirn ist für die betroffenen Personen mit einer Vielzahl von Beschwerden verbunden. Im überwiegenden Teil der Fälle beginnt die degenerative Erkrankung bereits im Kindesalter. Schon bei Kindern, die jünger als zehn Jahre alt sind, ist unter Umständen eine typische Kombination von Krankheitsbeschwerden feststellbar.

Auf der anderen Seite ist es auch möglich, dass die Neurodegeneration mit Eisenablagerung im Gehirn erst im Erwachsenenalter beginnt. Am Anfang zeigen sich in der Regel Störungen der Bewegung extrapyramidaler Art. Besonders oft kommt es dabei zum Beispiel zu Störungen des Gangs, wobei die betroffenen Personen zu Stürzen oder einer sogenannten Beindystonie neigen.

Weniger häufig treten psychische Besonderheiten auf. Später weiten sich die Bewegungsstörungen aus und umfassen Symptome wie Tremor, Dystonie und Choreoathetose. Dabei sind zudem eine rigide Erhöhung des Muskeltonus, eine Retardierung sowie eine Hyperreflexie möglich. Unter Umständen zeigen die betroffenen Personen dementielle Anzeichen.

Die Neurodegeneration mit Eisenablagerung im Gehirn ist außerdem häufig durch Dysphagie und Dysarthrie gekennzeichnet. Typisch ist zudem, dass die Neurodegeneration mit Eisenablagerung im Gehirn progressiv verläuft. Das heißt, dass sich die Beschwerden und der Gesundheitszustand der erkrankten Patienten allmählich immer weiter verschlechtern.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei charakteristischen Symptomen der Neurodegeneration mit Eisenablagerung im Gehirn ist umgehend ein entsprechender Arzt zu konsultieren. Zu Beginn der Diagnosestellung führt der behandelnde Facharzt eine sogenannte Anamnese durch, wobei der Patient über seine Beschwerden und seinen generellen Lebensstil berichtet. Danach rücken die klinischen Symptome und Anzeichen der Erkrankung in den Fokus.

Anhand diverser Untersuchungen ist die Neurodegeneration mit Eisenablagerung im Gehirn relativ sicher diagnostizierbar. Hierbei kommt oftmals eine MRT-Untersuchung des Hirns zum Einsatz. Dabei ist im Bereich des Globus pallidus eine Ablagerung von Eisen sichtbar, die auch als ‚Tigerauge-Zeichen‘ bezeichnet wird. Im Rahmen von genetischen Analysen der betroffenen Person sind außerdem unter Umständen entsprechende Mutationen nachweisbar, die zur Diagnose der Neurodegeneration mit Eisenablagerung im Gehirn geeignet sind.

Komplikationen

Durch die Neurodegeneration mit Eisenablagerung im Gehirn leiden die Patienten an verschiedenen Beschwerden. In der Regel hängen diese allerdings stark von der Ausprägung der Erkrankung ab. In vielen Fällen leiden die Betroffenen dabei an Gangstörungen und auch an Bewegungseinschränkungen. Es kommt nicht selten zu Stürzen und damit auch zu starken Unfällen bei den Betroffenen.

Auch Symptome einer Demenz können durch die Neurodegeneration mit Eisenablagerung im Gehirn auftreten und damit den Alltag der Betroffenen deutlich einschränken. Nicht selten sind die Patienten durch die Krankheit auch auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen. Es kommt zu einer Verwirrtheit und zu einer Vergesslichkeit, sodass auch die Lebensqualität des Patienten erheblich verringert wird.

Sollte die Neurodegeneration mit Eisenablagerung im Gehirn schon bei Kindern auftreten, so führt diese Krankheit auch zu erheblichen Einschränkungen und zu Verzögerungen bei der Entwicklung des Kindes, sodass es auch im Erwachsenenalter zu Beschwerden und Komplikationen kommen kann. Eine Behandlung der Neurodegeneration mit Eisenablagerung im Gehirn ist nicht möglich.

Mit Hilfe verschiedener Therapien können einzelne Beschwerden gelindert werden. Dabei treten keine Komplikationen auf. Allerdings kann ein positiver Krankheitsverlauf nicht in jedem Fall vorhergesagt werden.

Behandlung & Therapie

Laut dem aktuellen Forschungsstand gibt es noch keine kausale Therapiemöglichkeit der Neurodegeneration mit Eisenablagerung im Gehirn. Jedoch wurde bereits versucht, den Defekt des Enzyms zu behandeln. Hier wird derzeit der Wirkstoff Eisenchelator Ferriprox erprobt.

Hyperkinesie und Dystonie lassen sich unter Umständen mittels einer Stimulation des Tiefenhirns lindern. Um die Muskeln zu entspannen, kommen in zahlreichen Fällen Benzodiazepine und Baclofen zum Einsatz. Diese dienen gleichzeitig auch der Linderung von Schmerzen.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Die Neurodegeneration mit Eisenablagerung im Gehirn ist eine angeborene Erkrankung, die auf einem genetischen Defekt beziehungsweise einer Mutation beruht. Deshalb ist eine wirksame Vorbeugung der Krankheit mit den derzeit verfügbaren Mitteln nicht möglich.

Bücher über Neurologie

Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: